27.06.2022 22:48 Uhr - Jugend/Juniorinnen - Wieland Berkholz

Rückschlag für DHB-Juniorinnen: Deutschland unterliegt bei U20-WM Tschechien

Lotta Gerstweiler und die DHB-Juniorinnen kassierten bei der WM die erste NiederlageLotta Gerstweiler und die DHB-Juniorinnen kassierten bei der WM die erste Niederlage
Quelle: Wieland Berkholz
Nach einer starken zwanzigminütigen Anfangsphase verlor Deutschland im ersten Spiel der Zwischenrunde der U20-WM das Spiel gegen die Juniorinnen aus Tschechien aufgrund einer unzureichenden Angriffsleistung. Nur sechs Tore in Hälfte Zwei legten die Probleme deutlich offen. Über den Einzug in das Viertelfinale entscheidet der morgige Spieltag, an welchem die DHB-Auswahl auf Angola trifft. Es ist nach dem heute vergebenen Matchball der zweite für die DHB-Juniorinnen: Ein Sieg bringt das Ticket in die nächste Runde. "Wir hatten gute Chancen, schon heute den Viertelfinaleinzug sicherzustellen, sind aber leider mehr an uns selbst als am Gegner gescheitert", so Bundestrainer Andre Fuhr.

Mit einem Sieg hätte die DHB-Auswahl den Einzug ins das Viertelfinale sicherstellen können. In der Golovec-Arena herrschten am Ende eines sehr heißen Sommertages auch bei Anwurf um 20:30 Uhr immer noch sehr schwüle Temperaturen. Deutschland galt als Favorit, das tschechische Team hatte sich allerdings mit einem starken 32:25 Sieg über Rumänien noch mit der Differenz von einem Tor in die Zwischenrunde gerettet und knüpfte an diese Leistung an.

Beim deutschen Team gab es eine personelle Veränderung im mittleren Rückraum: Während das Turnier für Lucy Jörgens aufgrund ihrer Schulterverletzung bereits beendet ist, kehrte Anika Hampel ins Aufgebot zurück und absolvierte ihren ersten Einsatz bei dieser WM.

Das deutsche Team kam gut in das Spiel und überzeugte vor allem mit einer guten Deckungsleistung. In der Offensive machte sich die Ankunft von Spielmacherin Annika Hampel bezahlt: Nach einem symptomfreien Corona-Verlauf war Hampel freigetestet worden und am Vortag angereist. Sie brachte das Spiel ihrer Mannschaft auf Touren und so ging die deutsche Mannschaft bis zur fünfzehnten Minute mit 9:5 in Führung. "Wir haben in der ersten Viertelstunde unsere bislang beste Leistung in diesem Turnier gezeigt. Die Abwehr war sehr beweglich und wir sind gut ins Tempospiel gekommen", so Fuhr.

Eine Auszeit des tschechischen Trainers brachte eine Besserung für seine Schützlinge. Es gelang den Tschechinnen jetzt immer besser über den Kreis und den erweiterten Gegenstoß Treffer zu erzielen. Als der Gegner auf 10:9 aufgeschlossen hatte, nahm Trainer Andrè Fuhr seine erste Auszeit. Doch die Abwehr stand weiterhin nicht so sicher wie zu Beginn. Kurz vor der Pause gelang den Tschechinnen der Ausgleich. 14:14 war auch der exakte Halbzeitstand des Spieles Tschechien gegen Rumänien, das Tschechien am Ende in die Hauptrunde gebracht hatte. "Wir haben den Faden verloren und zu viele freie Würfe verworfen", so Fuhr.

Nach dem Seitenwechsel ging das Team von Dusan Poloc durch ein Tor der großgewachsenen Natalie Kuchova mit 15:14 in Führung. Die deutsche Mannschaft tat sich im Angriff sehr schwer und erzielte bis zur 38 Minute nur ein Tor durch Kreisläuferin Marie Pfleiderer. Zu diesem Zeitpunkt lag Tschechien schon mit 18:15 in Front. Andrè Fuhr nahm seine zweite Auszeit. Im linken Rückraum spielte nun erstmals Tyra Bessert.

Doch drei klare Wurfgelegenheiten der DHB-Auswahl machte nun die sich steigernde Torhüterin Adela Srpova zu Nichte. Srpova war schon im letzten Spiel ein wichtiger Faktor für den Sieg über Rumänien gewesen. Ab der 41 Minute versuchte Andrè Fuhr mit der zweiten Kreisläuferin Jonna Schaube neben Marie Pfleiderer und später Sophie Weyers die Deckung der Tschechinnen zu überwinden.

Das Tor hütete nun Annabell Krüger, welcher sich in der Folge auch mit starken Paraden auszeichnen konnte. Mit Toren von Hampel und Tietjen konnte Deutschland so den Anschluss beim 17:18 kurzzeitig wieder hergestellt. Beide Teams kämpten verbissen um jeden Ball, doch die Fehler und auch die Zeitstrafen häuften sich. Zunächst ohne eine Vorentscheidung: Annika Hempel schaffte beim 18:19 den erneuten Anschluss, doch kurz darauf war dann wieder Srpova zur Stelle.



Die deutsche Deckung agierte über weite Strecke der zweiten Hälfte in einer 5:1-Formation, mit der noch 17-jährigen Leni Ruwe auf der Spitze. Kämpferisch war der DHB-Auswahl kein Vorwurf zu machen, doch im Angriff fehlten in der entscheidenden Phase die Ideen. Nach zwei Toren durch Denisa Holenakova und einen Strafwurf durch Charlotte Cholevova war der Abstand wieder auf vier Tore angewachsen - und es waren nur noch sieben Minuten zu spielen.

Annabell Krüger parierte zwar weiterhin großartig und entschärfte einen Strafwurf, doch im Angriff fehlten Deutschland weiterhin die Mittel, um die tschechische Abwehr zu überwinden. Mit dem 23:19 durch Barbora Kroftova war das Spiel entschieden, am Ende stand ein 24:20 auf der Anzeigetafel. Nur sechs Tore im zweiten Abschnitt waren der Hauptgrund für die erste Niederlage bei der WM-Endrunde in Slowenien.

Trainer Andrè Fuhr legte nach dem Spiel die Probleme seine Mannschaft offen: "Uns haben die Tore auf dem Rückraum gefehlt. Trotzdem waren genug Chancen vorhanden, um das Spiel zu gewinnen. Doch mit so einer Chancenverwertung kann man auf diesem Niveau nicht erfolgreich sein."

Sein Gegenüber Dusan Poloc war glücklich, hatte jedoch auch kein gutes Spiel gesehen: "Zu Beginn hatte meine Mannschaft viel Respekt vor dem großen Namen Deutschland. Es hat noch keine tschechische Nachwuchsmannschaft geschafft, die Deutschen zu schlagen. Es war wirklich kein schönes Spiel für die Zuschauern. Auf beiden Seiten wurden viele Fehler gemacht."



Deutschland - Tschechien 20 : 24 (14:14)

Deutschland:
Humpert, Krüger
Pfleiderer (2), Seidel (3), Hertha (1), Ziercke, Heider, Tietjen (1), Engel (6), E. Ruwe, L. Ruwe (3), Hampel (2), Schaube, Gerstweiler (2), Weyers, Bessert

Tschechien:
Srpova, Spurna
Königova (1), Melicharova (1/1), Dankova, Fararova (1), Kuxova (3/1), Roupcova, Vostarkova, Holenakova (6), Drzozdova, Kroftova (2), Kubalkova (1), Cholevova (8/5), Machacova, Smejova (1)

IHF-Video: Deutschland - Tschechien relive




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