23.05.2022 12:01 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

Nürtingen verliert gegen "einen maximal motivierten Gegner", Meenzer Dynamites bejubeln Klassenerhalt

Mainz bejubelt den KlassenerhaltMainz bejubelt den Klassenerhalt
Quelle: Axel Kretschmer - Mainz 05
Der 1. FSV Mainz 05 musste lange zittern, am Ende konnte allerdings mit einem 27:22 (14:11) über die TG Nürtingen der Klassenerhalt bejubelt werden. Dennoch kann die TGN auf eine sehr gute Saison 2021 / 2022 zurückblicken und zeigt sich mit dem erreichten siebten Tabellenplatz in der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands mehr als zufrieden.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. "Wir sind auf einen maximal motivierten Gegner getroffen", so TGN-Chefcoach Simon Hablizel nach der Partie. Vor 350 Zuschauern gingen die Meenzer Dynamites in den "Alles oder Nichts"-Showdown um den Klassenerhalt. Trainer und Team hatten sich vorgenommen, nahtlos an die Leistung aus der 2. Hälfte gegen Göppingen anzusetzen. Dies gelang von Anfang an, und schon der erste Angriff der Gäste verpuffte. Mainz ging in Führung und sollte diese auch nicht mehr abgeben.

Die Abwehr arbeitete gut gegen den starken Nürtinger Rückraum, und was durchkam, wurde oft Beute von Nina Kolundzic, die im Mainzer Tor begann. Die 05erinnen puschten sich für jede gute Aktion und hatten sich in der 21. Minute mit 10:5 schon einen soliden Vorsprung erarbeitet. Mit einen 14:11 ging es die Pause.

Doch die TG Nürtingen hielt in Halbzeit weiter dagegen und gab sich noch nicht geschlagen. Es entwickelte sich eine kampfbetonte rassige Partie, in der sich beide Mannschaften nichts schenkten. Und auch die übliche Mainzer Zitterphase folgte. Nürtingen kam beim 20:19 (48. Minute) gefährlich nah heran. Doch Leah Schulze, die sich nach ihrem Mittehandbruch rechtzeitig zum Saisonfinale zurückmelden konnte, legte das 21:19 vom Kreis nach.

Dann schlug die Stunde von Torfrau Kristin Schäfer, die den erneuten Nürtinger Anschluss mit einer starken Parade verhinderte. Diesmal verloren die Dynamites nicht den Kopf, der Fokus war wieder da und fünf Minuten später stand wieder der Fünf-Tore- Vorsprung (24:19) und wurde bis zum 27:22 Endstand nicht mehr abgegeben. Dass auch der MTV sein Heimspiel gegen Solingen gewonnen hatte, spielte damit keine Rolle mehr. Es brachen alle Dämme, Jubelschreie und Freudentränen ließen die ganze Last von den Spielerinnen abfallen. "Wir wollten das Spiel gewinnen, einen erfolgreichen Saisonabschluss erreichen und haben alles in die Waagschale geworfen. Hat leider nicht funktioniert - vielleicht wollte es Mainz doch einen Tick mehr", so Hablizel kurz und knapp rückblickend zum Spiel.



"Ich habe den Mädels nach dem Spiel in der Kabine gesagt, dass wir eine tolle Saison gespielt haben! Wir haben einige unserer Ziele erreicht, die wir uns vorgenommen hatten. Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, hätte ich es sofort unterschrieben. Wir sind eine tolle Mannschaft, eine gute Gemeinschaft. Da trübt es auch nicht, dass wir die letzten Spiele nicht gewonnen haben. Die Stimmung ist gut, wir sind weiter uns am Entwickeln - Die TG Nürtingen lebt", so dass umfassende Fazit von Simon Hablizel.

Nach der obligatorischen Original Mainzer Humba gab es lobende Worte von Stefan Hofmann, Vorstandsvorsitzender des 1. FSV Mainz 05: "Hut ab, Mädels! Heute habt ihr einen rausgehauen. In jeder Phase des Spiels habt ihr ausgestrahlt heute gewinnt nur einer und das sind wir! Das habt Ihr großartig gemacht. Und deswegen ist der verdiente Lohn der Klassenerhalt, Strich drunter. Ihr habt es geschafft, in einem Abwärtsstrudel den Schalter wieder umzulegen. Gerade wenn man eigentlich andere Ambitionen hatte, ist das viel schwieriger, als wenn man von vorneherein davon ausgeht, gegen den Abstieg zu spielen."

Und auch der sportlichen Leiterin Eva Federhenn merkte man an, welche Last abgefallen war: "Mein kurzes Fazit zur Saison: das war eine Seuchensaison! Ich kann mich in 40 Jahren Handball nicht erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben. Wir hatten sechs Wochen kein Spiel wegen diverser Corona-Serien, unzählige Verletzungen und dann auch die Doppelbelastung 3. Liga/2. Liga mit dem Ziel Klassenerhalt für beide Teams. Ihr habt alles in mehreren englischen Wochen durchgezogen, nicht einmal gejammert. Mit einem unfassbaren Zusammenhalt habt ihr das gewuppt, und deshalb sind wir alle unglaublich stolz auf Euch!", so Federhenn.



"Was das Trainerteam und die Mannschaft diese Saison geleistet haben ist erstaunlich. Ich kann da wirklich nur den Hut ziehen", so Abteilungsleiter Gunnar Fischer. Die Corona-Pandemie brachte viele Abläufe durcheinander und bescherte jede Menge Komplikationen. Der zeitliche und finanzielle Mehraufwand hinterließen Wunden, die es nun mit der Neuausrichtung auf die kommende Saison zu heilen gilt. "Ich denke wir sind in der Saison gut mit den entstandenen Problematiken umgegangen. Wir konnten zum größten Teil den Spielplan einhalten, auch wenn das bedeutete, dass wir manchmal kaum Auswechselspielerinnen hatten. Die Mädels haben das super gemacht", erklärt sportlicher Leiter Philipp Henzler.

"Für die erste Saison nach einem so großen Umbruch den es strukturell, sportlich und finanziell in Nürtingen gegeben hat kann man einfach nur stolz sein!", zeigen sich die Verantwortlichen der Neckarstadt glücklich und deuten damit unter anderem auf den familiären Austausch mit Cheftrainer Hablizel. "Es wuchs ein erfolgreiches Team hinter der Mannschaft heran, indem es riesig Spaß macht zu arbeiten und in dem jetzt schon die Vorfreude auf die nächste Saison da ist".

Nach den bereits verkündeten vier Abgängen von Julia Bauer (SG Schozach-Bottwartal), Lena Schmid (FSV Mainz 05), Verena Breidert (Karriereende) und Kapitänin Delia Cleve (Frauen 2, TG Nürtingen) werden Anfang Juli die Neuzugänge zum Team stoßen. Mit Maileen Seeger (H2Ku Herrenberg), Hannah Hönig (SG Schozach-Bottwartal), Bettina Woike (Thüringer HC) und Sem Schade sehen sich die Verantwortlichen der Turngemeinde für die sicherlich sehr spannende und mitreißende Saison 2022/23 gut gerüstet.