01.12.2007 01:30 Uhr - Weltmeisterschaft - Martin Kloth (dpa) und dhb.de

Kathrin Blacha: "Wir sind eine gute Mannschaft"

Kathrin Blacha in der Vorbereitung gegen SchwedenKathrin Blacha in der Vorbereitung gegen Schweden
Quelle: Christian Ciemalla
Kathrin Blacha kommt unverhofft zu ihrer fünften Weltmeisterschaft. Drei Jahre nach ihrem Rücktritt feiert die 37-jährige Kreisläuferin als Ersatz für die an der Schulter operierte Anja Althaus (Viborg) ihr Comeback. Beim Auftaktspiel an diesem Sonntag in Nantes gegen die Ukraine bestreitet die WM-Dritte von 1997 ihr 211. Länderspiel. Im Interview der Deutschen Presse Agentur dpa spricht Kathrin Blacha über den Vergleich mit Christian Schwarzer, der als WM-Nachrücker Weltmeister wurde, das Alter und WM-Chancen für die deutsche Mannschaft.

Kathrin BlachaKathrin Blacha
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Kathrin Blacha hat die Chance auf ihre fünfte WM-Teilnahme durch die Schulteroperation von Anja Althaus (Viborg) bekommen, die sich intensiv auf ihr Comeback noch während der WM vorbereitet. So sieht sich die Schwäbin ebenso nur «als Aushilfe» wie beim Thüringer HC, wo sie kurzfristig zu Saisonbeginn eingesprungen war, nachdem sie bereits ihre aktive Laufbahn beendet hatte. Fortan hatte sie sich mehr auf ihre neue Tätigkeit als Interviewerin für das Internet-Fernsehen HBL.TV in der Männer-Bundesliga konzentrieren wollen. Eine weitere Parallele zu Christian Schwarzer: Er hat als ZDF-Experte ebenfalls fürs Fernsehen gearbeitet.

Essen Sie gern Salzstangen?

Kathrin Blacha:
Wegen "Blacky" Schwarzer, nicht wahr? Noch nicht, aber man lernt auch noch in meinem Alter dazu. Wenn es was bringt, lässt man sich ja belehren.

Schwarzer kam wie Sie unerwartet zur WM, war damals 37 Jahre alt, ist wie Sie Kreisläufer. Da wären die Salzstangen, die er nach jedem WM-Spiel in sich reingestopft hat, eine weitere Parallele. Setzt sich das bei der WM fort?

Kathrin Blacha:
Wenn das jetzt auch noch so einen parallelen Verlauf nehmen würde, wäre das gigantisch. Und das ist ja ganz witzig: Wir haben auch noch am gleichen Tag Geburtstag.

Vor drei Jahren war ja schon Schluss für Sie. Damals wurden Sie bereits «Inge Meysel des Handballs» genannt. Wie ist das heute?

Kathrin Blacha:
Das hat zum Glück nachgelassen. Wobei wir dann schon mal über das Alter frotzeln. Da ergeben sich witzige Situationen.

Zum Beispiel?

Kathrin Blacha:
Als wir letztens in Alfeld gespielt haben, sagte jemand zu Grit und zu mir: Ihr wart ja schon vor zehn Jahren hier. Da habt ihr gegen Jugoslawien gespielt. Da sagen wir natürlich auch: Oh Gott, da gab es noch Jugoslawien.

Wie hat sich die Frauen-Nationalmannschaft während Ihrer Abwesenheit entwickelt?

Kathrin Blacha:
Das Spiel ist schneller geworden. Und es ist ein Vorteil, dass die Mannschaft schon lange in dieser Besetzung zusammenspielt. Das merkt man einfach. Und einige Spielerinnen, die zu meiner Zeit noch ganz jung dabei waren, haben sich sehr gut entwickelt und sind inzwischen durch ihre Rolle in den Vereinen und die Verantwortung in der Nationalmannschaft enorm erfahren.

Welche Beispiele können Sie nennen?

Kathrin Blacha:
Es sind viele. Gerade Anja Althaus, die jetzt leider verletzt fehlt. Oder Anne Müller, die ich noch als ganz junge Spielerin aus Leverkusen kenne. Und Nora Reiche. Die kannte man 2004 noch gar nicht, aber sie hat sich super entwickelt und den Schritt ins Ausland gemacht. Nadine Krause hält sich schon so lange auf hohem Niveau. Sie hat ihr Können einfach bestätigt. Und Grit Jurack kann ich nicht mehr als junge Spielerin bezeichnen – die ist schon so lange dabei…



Wie sehen Sie als mit Abstand älteste Spielerin Ihre Rolle?

Kathrin Blacha:
Ich bin schnell wieder in die Mannschaft gekommen und kein Fremdkörper. Und ich hoffe, dass ich gerade für die wichtigen Spiele einiges an Erfahrung mitgeben kann.

Bei welcher Bezeichnung fühlen Sie sich geschmeichelt?

Kathrin Blacha:
Ich finde es immer schön, wenn was Anerkennendes kommt. Wenn jemand sagt: Hey, bist du in deinem Alter aber noch fit. Das schmeichelt einem dann schon.

Bis auf Sie, Grit Jurack und Steffi Melbeck sind alle anderen Spielerinnen 80er Jahrgänge. Kommen sie mit den "Juniorinnen" klar?

Kathrin Blacha:
Das ist kein Problem. Man kennt sich ja auch. Es sind nur drei Spielerinnen, mit denen ich nicht zusammen gespielt habe.

Die Nationalmannschaft ist seit rund drei Jahren zusammen. Was kann sie bei der WM erreichen?

Kathrin Blacha:
Das Mannschaftsgefüge ist total klasse. Aber es ist schwer zu sagen, was man erreichen kann. Man ist auf jeden Fall gefestigter. Dann kommt man leichter über irgendwelche Hürden hinweg, wenn welche auftreten.

Erinnern Sie sich noch, wie es bei der WM vor zehn Jahren war, als Sie die Bronzemedaille gewonnen haben?

Kathrin Blacha:
Ja, ja, Wahnsinn. Das war wirklich klasse. Ich sehe da immer noch so ein Bild vor mir, wo wir im Kreis waren und gejubelt haben. Mein Mund war nur noch offen, und der Kopf hat geschüttelt, und ich habe geschrien.

Trauen Sie der deutschen Mannschaft eine Medaille zu?

Kathrin Blacha:
Es kommt darauf an, wie sich eine Mannschaft im Turnier entwickelt. Die Mannschaften, die zum Schluss oben sind, sind gute Mannschaften - und wir sind eine gute Mannschaft. Aber es sind auch die Mannschaften, die sich im Turnier am meisten entwickelt haben. Dass man eine schlechte Phase super überstanden hat und da wieder rauskommt. Solche Momente helfen, um am Schluss ganz oben zu sein.