07.02.2022 18:30 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

"Leidenschaft und Kampfgeist": TSV Nord-Harrislee feiert Heimsieg gegen Regensburg

Lara Fischer erzielte acht Tore für die Nordfrauen.Lara Fischer erzielte acht Tore für die Nordfrauen.
Quelle: TSV Nord Harrislee
Der TSV Nord-Harrislee gewinnt mit 33:30 (17:17) gegen das Zweitliga-Spitzenteam des ESV Regensburg. Ohne mehrere Leistungsträgerinnen und Trainer Csaba Szücs waren die Zweitliga-Handballerinnen des ESV 1927 Regensburg an die dänische Grenze zum TSV Nord Harrislee gereist. Kurzfristig konnte auch Golagetterin Franziska Peter nicht eingesetzt werden. In der Schlussphase hatten die Gastgeberinnen etwas mehr Spielglück und holten sich den Heimsieg. "Ich weiß nicht, ob es der Heide-Effekt war, dass wir am Ende die zwei Punkte geholt haben. Aber das ist mir auch egal, wir haben verdient gewonnen", sagte ein erleichterter Olaf Rogge nach dem Spiel.

Bei den Regensburgerinnen stand bereits die Trainingswoche nach vielen Ausfällen unter dem Oberbegriff "Improvisation". Erst meldete sich Kreisläuferin Sara Mustafic ab, kurz vor dem Training am Montag ereilte Cheftrainer Csaba Szücs die Nachricht eines positiven Testergebnisses. Dazu verzögert sich weiterhin das für die Rückrunde geplante Comeback von Linksaußen Anika Bissel, die weiterhin auf ihren ersten Auftritt im ESV-Trikot warten muss, und auch für Stammkeeperin Natalia Krupa (Handverletzung) kam ein Einsatz noch zu früh.

Die Bunkerladies rückten sinnbildlich noch enger zusammen und wollten trotz der widrigen Umstände die mit knapp 900 Kilometern weiteste Auswärtsfahrt hinter sich bringen. Die PCR-Pooltestungen am Donnerstagabend sowie weitere Schnelltests vor der Abfahrt am Freitagnachmittag und am Samstagmorgen im Hotel hielten keine weiteren Hiobsbotschaften parat. Doch der nächste Nackenschlag sollte nicht lange auf sich warten lassen: Bei der Mannschaftstestung in Harrislee nur wenige Stunden vor dem Anpfiff erhielt Goalgetterin Franziska Peter ein positives Testergebnis und konnte nicht eingesetzt werden. Die Linkshänderin war beim 31:24-Hinspielerfolg mit elf Treffern die überragende Spielerin gewesen.

So mussten Aufstellung und Taktik kurzfristig über den Haufen geworfen werden, da die einzige Linkshänderin im Rückraum und gleichzeitig Fixpunkt in der Deckung nicht mehr zur Verfügung stand. Auch der TSV Nord Harrislee ging ersatzgeschwächt in die Partie und mussten mit Madita Jeß (99 Tore) auf ihre beste Schützin verzichten. Trotzdem agierten beide Mannschaften mit viel Leidenschaft und unbändigem Kampfgeist.

Die Nordfrauen legten eine 3:1-Führung vor (4.). Nach einer kurzen Findungsphase fanden die Oberpfälzerinnen dann aber gestützt auf einige Paraden von Johanna Ziegler besser in die Partie: Defensivspezialistin Franziska Höppe gelang in der 14. Minute das 7:5 aus ESV-Sicht. In der Folgezeit versuchten die ESV-Angreiferinnen es zu häufig mit Kreisanspielen und die Ballverluste brachten auch die Defensive etliche Male in Schwierigkeiten. Harrislee nutzte den breiteren Kader konsequent zu Tempohandball. Ein 10:5-Lauf bis zur 23. Minute war die beste Phase der Gastgeberinnen, drei Minuten vor der Pause lag Nord noch mit 17:13 in Front.

Dann aber hatte der ESV hatte eine ganz starke Phase, spielte sich hervorragende Möglichkeiten heraus und verwandelte eiskalt. Diana Stefan sorgte mit zwei Treffern auf Rechtsaußen für Entlastung und Linksaußen Johanna Brennauer mit der Sirene für den 17:17-Halbzeitstand. Nach Wiederanpfiff stellten dann auch die von der neunfachen Torschützin Amelie Bayerl angeführten Regensburgerinnen das leicht bessere Team. Durch sehr abgeklärtes Angriffsspiel lagen die Bunkerladies in der 43. Minute (24:21) und 51. Minute (27:24) mit drei Toren in Front.

"Bei minus drei Toren nach gut 40 Minuten habe ich Bedenken gehabt, dass uns die Zeit wegläuft. Wir haben zum Teil haarsträubende Fehler gemacht, da habe ich mich gefragt, ob das gut geht", gewährte Rogge Einblick in sein Innenleben. Die Nordfrauen kamen zurück und lagen beim 27:28 letztmalig hinten. Rahn, Fischer und Stine Jansen mit einem nervenstark verwandelten Siebenmeter stellten auf 30:28 für die Gastgeberinnen. Nur elf Sekunden nach dem 32:30 für Harrislee durch Jane Andresen gelang Nicole Lederer der Anschlusstreffer. In der Schlussminute war der ESV gezwungen, einen Ballgewinn zu schaffen, doch das Heimteam behielt die Nerven und siegte letztlich mit 33:30.

"Am Ende war es die Abwehr, die kämpferisch Großes geleistet und das Spiel entschieden hat", befand Olaf Rogge nach dem zweiten Sieg seines Teams in Folge. "Wenn man so lange im zweiten Durchgang führt, dann ist eine Niederlage bitter, da das Spiel zweier Teams auf Augenhöhe auch für viele neutrale Beobachter eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hatte", bilanzierte Robert Torunsky.

"Die Mädels haben aber alles gegeben und diesmal hat der Gegner in der Schlussphase einfach keinen Fehler gemacht, das muss man dann auch anerkennen", gratulierte er seinem gegenüber Olaf Rogge zum Sieg. ESV-Trainer Szücs, der symptomfrei zu Hause auf der Couch mitgefiebert hatte, lobte sein Team für den Kampf. "Unter diesen skurrilen Voraussetzungen war das eine bemerkenswerte Leistung."

TSV Nord Harrislee:
Tiedemann, Fasold - Volquardsen (2), Mettner, Jane Andresen (8/1), Albers, Johanna Andresen (2), Rahn (3), Jeß, Fischer (8), Jansen (3/1), Klingenberg, Schleemann (7).

ESV Regensburg:
Ziegler, Mestyan - Drachsler, Vetter, Schiegerl (6/1), Höppe (2), Lederer (4), Brennauer (5/3), Bayerl (9), Stefan (2), Fuhrmann (2).