17.01.2022 18:31 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

"Unbändiger Wille": Regensburg belohnt sich mit Unentschieden gegen Ketsch

Sara Mustafic zeigte ein starkes Spiel.Sara Mustafic zeigte ein starkes Spiel.
Quelle: Hans-Christian Wagner, ESV
Im Spitzenspiel des 15. Spieltags der 2. Handball-Bundesliga holt der ESV 1927 Regensburg mit einer Energieleistung sechs Tore auf und einen Punkt. Das 27:27(14:17) gegen den Bundesligaabsteiger Kurpfalz Bären Ketsch ist das i-Tüpfelchen auf eine glänzende Hinrunde des Aufsteigers.

Angesichts einiger Spielabsagen in der Bundesliga waren die Bunkerladies froh, dass das Kräftemessen mit den Kurpfalz Bären wie geplant stattfinden konnte. Der ESV, der neben den Langzeitverletzten auch auf Kreisläuferin Julia Drachsler verzichten musste, startete mit viel Esprit in die Partie. In der Anfangsphase konnte sich Spielmacherin Anna Fuhrmann mehrfach in Szene setzen und drei Treffer erzielen. Ein früher Torhüterwechsel der Gäste aus dem Nordwesten Baden-Württembergs brachte den Motor der Regensburgerinnen dann gehörig ins Stottern.

Einige klare Möglichkeiten wurden von Keeperin Johanna Wiethoff vereitelt, obendrein ließen sich die Bunkerladies immer mehr von der aggressiven 5:1-Deckung der Bären abkochen. Die Oberpfälzerinnen leisten sich ungewohnt viele technische Fehler, die Ketsch zu einfachen Toren nutzen konnte. Ein 11:17-Rückstand war die logische Konsequenz und gleichzeitig ein ganz dickes Brett, das es zu bohren galt. In der Schlussphase des ersten Durchgangs machte sich die Einwechslung von Norá Mestyán bezahlt: Einige Paraden und ein Konterpass der 18-Jährigen sorgten dafür, dass die Gastgeberinnen noch auf den 14:17-Halbzeitstand verkürzen konnten.

Nach dem Seitenwechsel stellte der ESV eine gute Deckung und machte es Ketsch richtig schwer, Tore zu erzielen. Mit Fortuna war die Truppe von Csaba Szücs aber nicht gerade im Bunde: Jedes Mal wenn Regensburg die Chance auf den Ausgleich hatte, verhinderten vom Block ins Tor abgefälschte Würfe oder ärgerliche Gegentreffer in Überzahl das Erfolgserlebnis. Die aufwendige Abwehrarbeit hatte die Ketscherinnen aber viel Kraft gekostet: Das Team von Trainerin Franziska Steil, die 2009 selbst unter Szücs gespielt hatte, verlor nun viele Zweikämpfe und war häufig in Unterzahl.

Der ESV, bei dem Kreisläuferin Sara Mustafic ein ganz starkes Spiel machte, kam so in Schlagdistanz. In der spannenden Schlussphase bewies Linkshänderin Franziska Peter dann Nerven wie Drahtseile: Zwei Strafwürfe, den letzten wenigen Sekunden vor der Schlusssirene, brachte Peter an Torhüterin Leonie Moormann vorbei und sicherte ihren Farben das verdiente Unentschieden.

Trainer Csaba Szücs war begeistert vom Kampfgeist seines Teams: "Gegen einen Bundesligaabsteiger sechs Tore aufzuholen, ist beeindruckend. Die unangenehme Deckung Ketschs hat uns das Leben sehr schwer gemacht, aber die Mädels haben mit unbändigem Willen sich für ihren Einsatz am Ende doch noch selbst belohnt", zog der erfahrene Coach wieder einmal seinen Hut vor der Mannschaft. "20 Punkte hatten wir uns eigentlich als Saisonziel gesetzt gehabt, die haben wir nun schon nach der Hinrunde. Das ist sensationell für einen Aufsteiger, großes Kompliment an die Mannschaft und den Trainer", fasste der Sportliche Leiter Robert Torunsky die ersten 15 Spieltage des Abenteuers 2. Handball-Bundesliga zusammen.

"Wenn man sieht, wie wir die erste Halbzeit gespielt haben, und dass wir Regensburg eigentlich voll im Griff hatten beim 13:8 und 17:11, muss man am Ende dann doch sagen, dass wir enttäuscht darüber sind, nicht beide Punkte mitgenommen zu haben. Nichtsdestotrotz haben wir in dem Spiel sehr viel richtig gemacht, mal abgesehen von ein paar Minuten am Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Hälfte. Da haben wir Bälle leichtfertig weggeworfen und uns zu viele technische Fehler geleistet", analysiert Ketschs Franzi Steil nach dem Spiel.

"Wir können trotzdem sehr viel positives aus dem Spiel mitnehmen, gerade aus der Angriffsleistung in der zweiten Halbzeit müssen wir unsere Schlüsse ziehen. Ich bin sehr zuversichtlich und optimistisch, dass wir uns in den nächsten Partien wieder mit Siegen belohnen können", so Steil weiter.