22.12.2021 17:39 Uhr - 1. Bundesliga - PM SG BBM, red

"Wir arbeiten gemeinsam an einem Ziel": Gaugisch über seine Vertragsverlängerung bei der SG BBM

Markus Gaugisch spricht im Interview über seine Vertragsverlängerung.Markus Gaugisch spricht im Interview über seine Vertragsverlängerung.
Quelle: Marco Wolf
Cheftrainer Markus Gaugisch hat seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei der SG BBM Bietigheim um eine weitere Spielzeit verlängert. Im Interview spricht der 47-Jährige über seine Beweggründe, beim zweifachen deutschen Meister sowie amtierenden Pokalsieger zu verlängern und nennt seine Ziele für die Zukunft.

Markus, deine erfolgreich begonnene Arbeit in Bietigheim geht nun weiter. Was waren für Dich die ausschlaggebenden Gründe, das Angebot der SG BBM anzunehmen?

Markus Gaugisch:
Zunächst ist entscheidend, dass ich mich mit der Mannschaft und unseren Zielen gut identifizieren kann. Auch mit unserer Entwicklung bin ich zufrieden. Wir kommen der Art und Weise, wie ich mir unser Spiel vorstelle, immer näher. Diesen Weg möchte ich gerne weitergehen. Unser Trainerteam ist gut aufgestellt und ich spüre, dass wir gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

Vor zwei Jahren bist Du quasi als Neuling ins Thema Frauenhandball gestartet. Was war rückblickend so wie Du es erwartet hast und was hat Dich komplett überrascht?

Markus Gaugisch:
Extrem positiv hat mich die Einsatzbereitschaft aller Spielerinnen überrascht. Es gab sehr wenige Trainingseinheiten, nach denen ich aus Gründen des Einsatzes und der Bereitschaft alles aus sich herauszuholen unzufrieden war. Verblüfft war ich über die große Lücke zwischen nationalem und internationalem Niveau. Dass hier eine solch immense Lücke klafft, ist bedenklich und war für mich im Vorfeld kaum vorstellbar.

Unter Deiner Regie wurde 2021 erstmals der DHB-Pokal sowie im Anschluss der HBF-Supercup gewonnen, so kann es gerne weitergehen, oder?

Markus Gaugisch:
Der Pokalsieg beim OLYMP Final4 war für den Verein extrem wichtig und hat sich entsprechend bedeutend angefühlt. Dass wir dann den Supercup holen konnten, gab uns Rückenwind für die neue Runde. Leider kann man sich auf den Titeln der Vergangenheit nicht ausruhen, sondern muss weiter liefern. Unser Titelhunger ist auf jeden Fall da und ich hoffe, dass wir ihn auch in diesem Jahr stillen können.

Tabellenführer der Bundesliga, DHB-Pokal Viertelfinale und die Gruppenphase der European League - was ist in dieser Spielzeit möglich für Dein Team?


Markus Gaugisch:
Möglich ist Vieles, ein Selbstläufer wird der Rest der Runde allerdings nicht. Für uns geht es jetzt erst richtig los. Mit der Doppelbelastung aus European League und Bundesliga müssen wir klarkommen. Körperlich und vor allem mental sind wir nun ganz anders gefordert als in der Hinrunde. Gleich nach Weihnachten wird beim Auftakt mit dem schweren Auswärtsspiel in Buxtehude und dem Kracher gegen Dortmund sofort Höchstleistung verlangt. Im internationalen Wettbewerb wollen wir Deutschland erfolgreich vertreten und möglichst weit kommen. Zunächst geht es darum, in der schweren Gruppe einen der ersten beiden Plätze zu belegen. Ich träume schon heute von einem Play-Off-Spiel in der vollen MHPArena im März.

Du bist ein Trainer, der nicht nur die Entwicklung seines Vereins sieht, sondern auch immer den Blick auf das Produkt "Frauenhandball" richtet. Was muss getan werden, damit dieser Sport in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird?

Markus Gaugisch:
Erfolge sind die beste Werbung. Darum ist es wichtig, die Nationalmannschaft zu stärken und mit diesem Team hoffentlich bald ein Halbfinale zu erreichen. Sie ist das Flaggschiff unserer Sportart und muss den Frauenhandball für die breite Öffentlichkeit interessant machen. Wenn wir es schaffen, Namen und Gesichter unserer Nationalspielerinnen für viele Sportbegeisterte zu wiedererkennbaren Persönlichkeiten zu machen, wird das Interesse auch in die Liga transportiert.

Aufgabe der Liga und der Vereine ist es dann, die Vermarktung fortzusetzen. Wenn Topspiele, in denen viele Nationalspielerinnen aktiv sind, bei Eurosport ausgestrahlt werden, wird sich dieser Wiedererkennungswert auszahlen. Dafür müssen handballerische Attraktivität und Rahmenbedingungen stimmen. Volle Hallen, einheitliche Bodenbeläge und emotionsgeladene Stimmung machen interessante Übertragungen aus. In der HBL ist dieses Format bereits gegeben und damit ein gutes Vorbild.

Auch der Weg zur TV-Präsenz der Männerliga war steinig. Zu Beginn wurden lediglich Spiele der Topmannschaften übertragen. Dort waren bekannte Nationalspieler zunächst wöchentlich zu sehen, die Begeisterung der attraktiven Arenen übertrug sich in die Wohnzimmer und begeisterte auch neutrale Zuschauer. Davon sind wir in der HBF noch ein Stück weit entfernt. Wir alle können in diesem Bereich besser werden. Warum gibt es zum Beispiel bereits jetzt Werbung für den HBL-Supercup 2022 und für den Supercup der Frauen im August 2021 musste man in den Tiefen des Internets suchen, um einen Eintrag zu finden.

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende. Blicken wir zuversichtlich auf das nächste Jahr. Was sind Deine persönlichen Wünsche und Ziele?

Markus Gaugisch:
Für uns persönlich wünsche ich mir eine weiterhin verletzungsfreie Saison. Alles andere müssen wir selbst regeln. Für alle Sportlerinnen und Sportler wünsche ich mir volle Hallen und allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, unbeschwert Sport zu verfolgen und auch aktiv treiben zu dürfen.