26.11.2021 08:56 Uhr - Weltmeisterschaft - HP DHB

Julia Maidhof im Interview: DHB-Frauen sind "heiß auf die Weltmeisterschaft"

Julia Maidhof war bei der EM im letzten Jahr beste deutsche Torschützin.Julia Maidhof war bei der EM im letzten Jahr beste deutsche Torschützin.
Quelle: Heinz Zaunbrecher
15 Länderspiele, 54 Tore - und überraschend beim ersten großen Turnier gleich beste deutsche Werferin bei der EM 2020 mit 24 Treffern: Julia Maidhof ist einer der Shootingstars in der DHB-Frauen-Nationalmannschaft. Nun wartet auf die 23-jährige Linkshänderin, die 2020 von der HSG Bensheim/Auerbach zur SG BBM Bietigheim wechselte, die erste Weltmeisterschaft. Wie sie ihre eigene Entwicklung beschreibt, was sie von der WM erwartet und warum ein eingespielter Block so wichtig ist, berichtet die Rückraumspielerin im Interview mit dhb.de.

Sie stammen aus Aschaffenburg, ist da ein Nationalmannschaftslehrgang in Großwallstadt so etwas wie ein Heimspiel?

Julia Maidhof:
Auf jeden Fall. Im Vorjahr hatten wir mit Bietigheim unseren Saisonvorbereitungslehrgang schon hier, mit dem Nationalteam ist es das erste Mal in Großwallstadt.

Die EM 2020 war Ihr erstes großes Turnier, nun steht die erste WM vor der Tür. Ist eine Weltmeisterschaft noch einmal eine Stufe höher?

Julia Maidhof:
Eine WM ist Neuland für mich, speziell, weil man dort ja auch ganz andere Länder sieht, auch wenn wir jetzt in eine rein europäische Vorrundengruppe gelost wurden. Aber ich bin schon auf die anderen Länder gespannt. Aber mit Rückblick auf die EM 2020 sage ich auch: das ist jetzt ein neues Team und ein neues Turnier.

Wenn Ihnen jemand vor drei Jahren gesagt hätten, dass Sie 2021 Ihre erste Weltmeisterschaft spielen, was wäre Ihre Reaktion gewesen?

Julia Maidhof:
Ich hätte sofort zugesagt, da wäre ich dabei. Eine WM oder eine EM zu spielen, war immer mein Ziel, dafür habe ich hart gearbeitet, jetzt ist es so weit.

Wie wichtig war der Wechsel von Bensheim/Auerbach zur SG BBM Bietigheim für Ihre Entwicklung?

Julia Maidhof:
Es war ein wichtiger Schritt, um auf internationalem Niveau zu spielen. Es war eine Herausforderung für mich, aber es war auch wichtig, zunächst solange in Bensheim zu spielen. Dort habe ich viel Spielpraxis gesammelt, dort konnte ich schon früh Verantwortung übernehmen, dort wurde ich richtig ausgebildet. Nun kann ich eben auf dieser Ausbildung aufbauen und auf Topniveau in der Liga und international spielen. Bezeichnen Sie Ihren Aufstieg seit dem Wechsel im Jahr 2020 als steil oder normal?

Julia Maidhof:
Das gab Höhen und Tiefen. In der Hinrunde der Champions League und auch bei der EM lief es sehr gut bei mir, dann fiel es ab, aber das gehört in meinem Alter sicherlich auch dazu. Es gab von allem etwas, deswegen würde ich nicht von einem steilen Aufstieg sprechen.

Wie bewerten Sie zum Lehrgangsstart die Stimmung im Nationalteam?

Julia Maidhof:
Richtig gut. Man merkt, dass alle heiß sind auf die Weltmeisterschaft. Ich denke, es ist optimal, dass wir zur Vorbereitung noch das Turnier in Spanien spielen, damit wir dann auf den Punkt fokussiert sind auf die WM. Momentan arbeiten alle sehr, sehr konzentriert.


Im Rückraum hat die deutsche Mannschaft gefühlt mehr Optionen als in der Vergangenheit, sehen Sie das ähnlich?

Julia Maidhof:
Ich denke, dass es von Vorteil ist, dass wir viele auf unterschiedlichen Positionen spielen können, und dass wir auch unterschiedliche Spielertypen sind, die einen sind eher Shooter, die anderen stark im Eins-gegen-Eins. Diese Breite im Kader ist positiv, das ist gut, denn bei einer WM muss man die Kräfte verteilen.

Die deutsche Mannschaft ist noch recht jung - wie sehen Sie die Hierarchie im Team?

Julia Maidhof:
Jede hat ihre Rolle, jede kann ihre Meinung sagen, das Alter und die Zahl der Länderspiele sind dabei echt egal. Natürlich haben wir eine Hierarchie im Team, aber Verantwortung übernimmt jede, nicht nur eine oder zwei Spielerinnen.

Wie schlägt sich das neue Kapitäninnen-Duo Alina Grijseels und Emily Bölk?

Julia Maidhof:
Sehr gut! Im letzten Lehrgang war Emmy ja nicht dabei, da hat Alina diese Rolle alleine übernommen. Und beide zusammen machen die Sache super.

Sie bilden mit Xenia Smits, Antje Lauenroth und Luisa Schulze einen Bietigheimer Block, zudem haben Sie mit auch Amelie Berger zusammengespielt - wie wichtig ist dieses Eingespieltsein?

Julia Maidhof:
Ich denke, davon kann das ganze Team profitieren. Vor allem Amelie als Positionsnachbarin weiß, was ich mache und umgekehrt. Das ist wichtig für das Timing.

Bundestrainer Henk Groener fordert für die WM vor allem eine Steigerung im Tempospiel - sehen Sie das auch als Schlüssel zum Erfolg?

Julia Maidhof:
Das ist auch meine Vorstellung, das liegt auch meinem Spielstil und es ist keine Umstellung, weil wir im Verein ebenfalls auf Tempo setzen. Aber: die Grundlage für dieses Tempospiel ist eine gute Abwehr, das muss der erste Fokus drauf liegen.

Tschechien, die Slowakei und Ungarn - wie bewerten Sie die WM-Vorrundengruppe?

Julia Maidhof:
Da dürfen wir keinen Gegner unterschätzen. Die EM-Qualifikationsspiele im Oktober haben gezeigt, dass alle drei ein ähnliches Niveau haben. Ziel ist das Weiterkommen mit möglichst vielen Punkten, also müssen wir von Spiel zu Spiel denken und den Fokus erst einmal auf uns legen.