24.11.2021 14:21 Uhr - Weltmeisterschaft - HP DHB

Erst EM-Gold im Sand, jetzt WM-Debüt in der Halle: Nationaltorhüterin Katharina Filter im Interview

Katharina Filter blickt ihrem WM-Debüt in der Halle entgegen.Katharina Filter blickt ihrem WM-Debüt in der Halle entgegen.
Quelle: Heinz Zaunbrecher
Im April Debüt im Frauen-Nationalteam, im Juni Beachhandball-Europameisterin und als beste Torfrau ins Allstar-Team gewählt, im November Nominierung für die erste Hallen-Weltmeisterschaft - für Katharina Filter (22) ging es 2021 steil bergauf. Mit der WM in Spanien folgt der Saisonhöhepunkt mit dem ersten großen Turnier aber erst noch. Im Interview mit dhb.de zum Start des Vorbereitungslehrgangs in Großwallstadt spricht die gebürtige Hamburgerin, die seit August auch Kapitänin des Buxtehuder SV ist, über Sand, WM-Erwartungen und ihre Vorbilder.

Sie wurden im Sommer Beachhandball-Europameisterin, stehen jetzt im WM-Aufgebot für die Halle - was macht Ihnen mehr Spaß?

Katharina Filter:
Das ist eine schwierige Frage, die mir aber oft gestellt wird. Es macht beides Spaß, jedes auf seine Weise. Beachhandball ist natürlich etwas ganz anderes, das ist am Strand in der Sonne, eine andere Mentalität, aber es bringt mir viel.

Also eine Abwechslung für die ansonsten handballlosen Sommermonate?

Katharina Filter:
So kann man das einerseits sagen, denn schließlich muss ich mich auch in der trainingsfreien Zeit fithalten. Ich habe aber auch meinen Spaß dabei und kann auch einiges für die Halle mitnehmen, zum Beispiel ist Handball im Sand toll für die Sprungkraft in der Halle, aber es gibt natürlich auch ganz andere Abläufe. Ich denke, ich profitiere definitiv von beiden Varianten.

Wenn Ihnen jemand zum Jahreswechsel 2020/21 gesagt hätte, Sie würden erst Beach-Europameisterin und dann für die Hallen-WM nominiert - was hätten Sie gesagt?

Katharina Filter:
Ich hätte das gerne genommen, da hätte ich eingeschlagen. Natürlich war 2021 ein unglaubliches Jahr für mich, da kam so viel zusammen, wovon ich vorher nur geträumt hätte. Zudem wurde ich mit 22 Jahren noch neue Kapitänin in Buxtehude, was für mich ein ganzer toller Vertrauensbeweis vom Trainer und der Mannschaft ist, und ich wurde beim BSV zur Spielerin der Saison gewählt, alles irgendwie unfassbar.

Wie haben Sie von Ihrer WM-Nominierung erfahren?

Katharina Filter:
Ich habe vor dem Training Debbie Kljin getroffen, die ja nicht nur im Nationalteam, sondern auch in Buxtehude meine Torwarttrainerin ist. Und die hat es mir verkündet. Ich hatte so darauf gehofft, aber ich konnte natürlich nicht sicher sein, dass ich dabei bin, deswegen war die Freude umso größer.

Sie haben im April Ihr Debüt im Frauen-Nationalteam gegeben, wie bewerten Sie Ihre Entwicklung seither - immerhin haben Sie in der EM-Qualifikation gegen Griechenland in 30 Minuten nur zwei Gegentore kassiert?

Katharina Filter:
Das ist richtig gut gelaufen, natürlich sind Portugal und Griechenland jetzt keine so großen Nationen, aber ich denke, ich habe mich gut präsentiert.

Im WM-Team stehen Sie mit Dinah Eckerle - wie ist Ihr Verhältnis zu ihr und was können Sie noch lernen?

Katharina Filter:
Wir kommen sehr gut miteinander aus, sie ist natürlich schon viel länger dabei und hat ganz andere Erfahrungen, deswegen werde ich noch viel von ihr lernen können. Ich freue mich drauf.

Haben Sie eigentlich ein besonderes Vorbild?

Katharina Filter:
Eigentlich nicht. Als Hamburgerin war früher natürlich Johannes Bitter so was wie ein Vorbild, aber heute schaue ich mir natürlich von den Torhütern aus der Champions League einiges ab, ein echtes Vorbild gibt es aber nicht.

Wie wichtig war für Ihren Start im Nationalteam, dass Sie Debbie Kljin schon kannten?

Katharina Filter:
Ganz wichtig, ich trainiere ja schon seit fünf Jahren im Verein mit ihr. Das macht einen Start im neuen Umfeld immer einfacher, wenn man jemanden kennt. Dadurch kam ich gut rein ins Nationalteam. Debbies Meinung ist mir sehr wichtig, sie gibt mir viele Ratschläge.

Und was war ihr spezieller Ratschlag für die WM in Spanien?

Katharina Filter:
Ruhig bleiben, mein Ding machen, nicht verrückt machen.

Und welche Tipps gab Ihnen Ihr Vereinstrainer Dirk Leun mit auf den Weg, der als früherer Junioren-Nationaltrainer ja auch Turniererfahrung hat?

Katharina Filter:
Er wünschte Lisa Antl und mir, dass wir viele Spielanteile erhalten, unsere Erfahrungen machen und, dass die WM gut für unsere Entwicklung sein werde.

Was sind Ihre persönlichen Erwartungen an die WM?

Katharina Filter:
Ich will natürlich möglichst viel spielen, ein konkretes Ziel, was das Abschneiden betrifft, habe ich noch nicht, da halte ich es wie der Rest des Teams - wir denken erst einmal von Spiel zu Spiel.

In der WM-Vorrunde geht es gegen nur gegen europäische Gegner, Tschechien, die Slowakei und Ungarn - nicht einfach, oder?

Katharina Filter:
Nicht einfach, aber machbar. Wichtig ist es, gut ins Turnier zu starten und dann in einen Flow zu kommen. Unser erstes Ziel ist das Weiterkommen, dann sehen wir weiter.

Sie sind neu im Team - wie trainieren Sie speziell die Abstimmung mit der Abwehr?

Katharina Filter:
Dafür haben wir jetzt die Trainingseinheiten und die Testspiele beim Turnier in Madrid. Diese Abstimmung kann man ja nicht alleine einstudieren oder von Zuhause aus trainieren.

Gibt es ansonsten eine spezielle Vorbereitung für die Torhüterinnen, zum Beispiel mit intensiven Videoanalysen?

Katharina Filter:
Es ist ja meine erste WM-Vorbereitung, ich lasse es auf mich zukommen. Aber wir haben uns schon im Vorfeld intensiv per Video mit den Gegnern befasst. Aber ich denke, wir werden uns auch als Torhüterinnen erst einmal auf uns fokussieren.