22.11.2021 12:34 Uhr - 2. Bundesliga - Erdinc Özcan-Schulz-Alles Handball, PM Vereine, red

ESV Regensburg setzt Erfolgsserie in Wuppertal fort

10 Tore: Nicole Schiegerl 10 Tore: Nicole Schiegerl
Quelle: Hans-Christian Wagner, ESV
Ein vergebener Strafwurf des TVB Wuppertal nach der Schlusssirene sicherte den Zweitliga-Handballerinnen des ESV 1927 Regensburg am Samstagabend den 29:28-(13:9)-Erfolg. Damit geht die beeindruckende Serie der Bunkerladies weiter: Der dritte Auswärtssieg in Folge lässt den Aufsteiger auf den fünften Tabellenplatz des 16er-Feldes klettern. Beste Regensburgerin war Nicole Schiegerl, die ihren Karrierebestwert von zehn Toren aus allen Lagen und sensationeller Wurfquote erzielt hatte.

Es war das erwartet schwere Spiel: Der Tabellenvorletzte TVB Wuppertal hatte in zahlreichen Partien - auch gegen Topteams - nur knapp den Kürzeren gezogen und sich gegen den einzigen bayerischen Bundesligisten viel vorgenommen. Die Gäste aus der Oberpfalz wollten ihrerseits die Serie von fünf unbesiegten Spielen fortschreiben. Beide Teams mussten bei der Umsetzung ihres Vorhabens auf wichtige Spielerinnen verzichten.

In der warmen und nach einem Turnier von Auswahlmannschaften sauerstoffarmen Sporthalle Küllenhahn kam der ESV schwer in Tritt: Einige Ballverluste und Fehlwürfe sorgten für einen zähen Beginn. So stand es nach etwas über elf Minuten 4:4 und Wuppertals Trainer Dominik Schlechter bat seine "Handballgirls" zur Auszeit. Die Besprechungspause konnten aber die Bunkerladies besser nutzen.

Eine nun sehr sicher stehende ESV-Deckung erzwang Ballgewinne: Nicole Lederer und die überragende Rechtsaußen Nicole Schiegerl gelange einfache Treffer aus Kontern. Die 11:6-Führung sah dann komfortabel aus, doch zwei Zeitstrafen in kurzer Zeit brachten die Regensburgerinnen in Bedrängnis. Mit Kampf und Klasse überstand Regensburg die kritische Phase und sicherte sich ein 13:9 zur Pause.

In der Kabine erneuerte ESV-Coach Csaba Szücs seine Warnung vor den Gastgeberinnen aus dem Bergischen Land, die bis zum Schluss um die Punkte kämpfen würden. Die Bunkerladies nahmen sich das zu Herzen und waren auch nach Wiederanpfiff das etwas bessere Team. Ein Dreierpack von Nicole Schiegerl sorgte für eine 22:16-Führung in der 44. Minute.



Wuppertals Coach Dominik Schlechter legte die grüne Karte und unterbrach damit den Lauf der Gäste. Die spielten fortan ihre Angriffe nicht lange genug aus: Zu früh genommene Würfe und zu riskante Anspiele brachten die Gastgeberinnen einige Male in Ballbesitz. Das nutzten sie zu Treffern. Der Regensburger Vorsprung schmolz dahin dreieinhalb Minuten vor Ultimo erhielt die starke Nicole Lederer ihre dritte Zeitstrafe.

Da zwei Pfostentreffer die Vorentscheidung zu Gunsten des ESV verhinderten, sollte Wuppertal sogar noch die Chance zum Ausgleich bekommen. Im finalen Angriff verhängten die Schiedsrichter dann einen Siebenmeter. Die bis dato vom Punkt so sichere TVB-Spielmacherin Michelle Stefes durfte nach der Schlusssirene noch um das Unentschieden werfen. Ihr Versuch landete aber neben dem Tor und die Bunkerladies bejubelten den Auswärtssieg.

"Ich hätte der Mannschaft den Punkt so sehr gegönnt. Natürlich tut es jetzt gerade sehr weh. Aber die Mannschaft sieht auch, dass wir, wenn wir zusammenhalten und alle wieder gesund sind gegen jeden Gegner mithalten und die nötigen, wichtigen Punkte holen können", so Stefes, die sich nachdem sie ihre Tränen trocknen ließ, kämpferisch gab. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn die neben den Langzeitverletzten auch ohne Hannah Wagner (Quarantäne), Nika Matavs (Verletzt) und Leonie Schmitz (Polizeidienst) an getretenen Langerfelderinnen gegen die Regensburgerinnen um die gebürtige Wuppertalerin Anna Fuhrmann ihren Respekt etwas früher abgelegt hätten.

"Natürlich hätten wir aufgrund der letzten 25 Minuten den Punkt verdient, weil wir das gemacht haben, was wir uns vorgenommen hatten. Allerdings haben wir es auch 35 Minuten nicht getan. Dass bei so einer Aufholjagd Fehler passieren, die uns dann wehtun, müssen wir akzeptieren. Das ist dann auch mal Qualitäts- und Erfahrungsfrage. Wobei die Frage ist, ob die Mädels so viel derlei Erfahrung auf einmal haben müssen", analysierte ein sehr gefasster TVB-Coach Dominik Schlechter mit Blick auf die dünne Personaldecke.

"Wir haben heute nicht unser bestes Spiel gemacht und hätten es früher entscheiden müssen. Dass wir trotz allem auswärts beide Punkte gegen einen Konkurrenten geholt haben, ist natürlich schön, und das ist es, was unterm Strich zählt", so ESV-Trainer Csaba Szücs.