09.11.2021 09:15 Uhr - 2. Bundesliga - PM Herrenberg, red

SG H2Ku Herrenberg unterliegt im Württembergderby der TG Nürtingen

Britt van der BaanBritt van der Baan
Quelle: Tobias Baur, H2Ku
Der erhoffte Sprung ins Mittelfeld der 2. Bundesliga muss für die Frauen der SG H2Ku Herrenberg noch warten. Im Heimspiel setzte es für die Kuties mit dem 25:26 (15:14) gegen die TG Nürtingen die dritte Niederlage in Folge. Für das Team von Trainer Mike Leibssle spitzt sich die Lage im Tabellenkeller mit nunmehr 4:12 Punkten weiter zu.

Es war alles angerichtet für ein großes Derby. Mehr als 400 Zuschauer, von denen etliche den kurzen Anfahrtsweg von Nürtingen nutzten, gaben der mit Spannung erwarteten Partie einen würdigen Rahmen. Nach den sechzig emotionsgeladenen Minuten konnte man dann konstatieren, dass auch die Akteurinnen auf dem Parkett ihren Teil zu einem stimmungsvollen Handballabend beitrugen. Um das Ganze aus Gastgebersicht abzurunden, hätte es lediglich ein oder zwei Tore mehr bedurft.

Beide Trainer waren sich im Nachgang einig, dass die Partie auch gut und gerne mit einem Herrenberger Sieg hätte enden können. Dass es letztlich beim Konjunktiv blieb, hatten sich die Hausherrinnen allerdings in erster Linie selbst zuzuschreiben.

Vor dem Anpfiff gab es aber erst einmal eine weitere schlechte Nachricht zu verdauen. Durch einen Infekt gehandicapt konnte Sulamith Klein nur bedingt eingesetzt werden. Dafür begann Routinier Sarah Neubrander auf der Spielmacherposition. Und das Spiel machten erst einmal auch nur die Kuties. Nürtingens Coach Simon Hablizel ließ sein Team mit einer offensiven Abwehr beginnen, die so ganz nach dem Geschmack der Gastgeberinnen war. Die Freiräume nutzten Ronja Bühler und Britt van der Baan auf den beiden Außenpositionen mit bis dahin zusammen sieben Toren zu ihrer ganz eigenen Show zum 11:6 nach einer Viertelstunde.

Danach war es allerdings erst einmal vorbei mit den Festspielen von außen. Nürtingen stellte auf eine defensive Abwehr um und hatte zumindest einen Teilerfolg damit. Teilerfolg deshalb, weil nun mit Anna Albek eine Rückraumspielerin in die Partie kam, die dank ihrer Körpergröße ohne Probleme über den Abwehrblock werfen konnte. Ihre Treffer sorgten auch dafür, dass neun Minuten vor der Halbzeit ein komfortables 14:9 zu Buche stand. "In dieser Phase haben wir uns extrem schwergetan", hatte Gästecoach Hablizel Schlimmes befürchtet.

Die Kuties taten bis zur Halbzeit aber mit Fehlwürfen und technischen Fehlern einiges, um doch wieder Spannung ins Spiel zu bringen. Beim 15:14 zu Pause war wieder alles offen. Erst recht, als Benitta Quattlender nach dem Wiederanpfiff erstmals auf Remis stellte.

Noch wehrte sich die SG H2Ku aber erfolgreich. Auch wenn die Torerfolge nun nicht mehr so leicht von der Hand gingen, lagen die Kuties nach knapp 40 Minuten wieder mit 20:17 vorn. Doch die mit Abstand stärksten Nürtingerinnen, Nina Fischer und Kerstin Foth sorgten für den erneuten Ausgleich. Die Ex-Kutie Foth ließ es sich dann auch nicht nehmen, kurz danach für die erstmalige Führung zu sorgen.

Wie erwartet war die Rückraumspielerin der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der TG Nürtingen. Mit am Ende 12 Toren war sie dann auch die beste Torschützin auf der Platte. Dabei reiste sie mit etwas Ungewissheit an die alte Wirkungsstätte: "Natürlich war es ein besonderes Spiel. Ich hatte schon sehr viel Respekt. Ich wusste ja im Vorfeld nicht, was mich hier erwartet", so eine zufriedene Kerstin Foth.

Tatsächlich schien sich jetzt die Waage eindeutig in Richtung Gäste zu neigen. Beim 21:23 neun Minuten vor dem Schlusspfiff schwammen der SG H2Ku so langsam die Felle davon. Doch ein Kraftakt mit zwei Strafwurftoren von Sarah Neubrander und dem sechsten Treffer von Britt van der Baan zum 24:23 ließ die Halle wieder kochen.

Die letzten sechs Minuten bezeichnete Mike Leibssle dann auf der Pressekonferenz als fehlende Cleverness, in denen er mehr von seiner Mannschaft erwarte. In der Tat leisteten sich seine Mädels gerade zur Unzeit eine Mischung aus vergebenen Chancen und falschen Entscheidungen. Dies nutzten die Gäste zum eigenen 26:24 zwei Minuten vor dem Ende. Ein Knackpunkt war dabei ein vergebener Wurf von Sarah Neubrander mit einer anschließenden Zeitstrafe für Stefanie Schoeneberg beim Stand von 24:24.

Und doch war das nur der vorläufige Höhepunkt. Denn nach einem Treffer von Sarah Neubrander und einem Fehlwurf von Lea Schuhknecht für die TG hatte H2Ku tatsächlich noch den letzten Angriff und die Ausgleichschance. Doch dieser Versuch verpuffte wirkungslos. Zurück blieben enttäuschte Kuties, feiernde Nürtingerinnen und eine vom Spielfeld humpelnde Britt van der Baan, die zu allem Überfluss in der Schlussphase noch auf die Hüfte fiel und gestützt das Feld verlassen musste.

Für Kerstin Foth war es dagegen vor allem sportlich eine gelungene Rückkehr: "Vielleicht ist es besonders schon, gegen sein früheres Team zu gewinnen. Heute waren aber nur die zwei Punkte wichtig". Der Blick auf die Tabelle mit Platz sechs dürfte ihr Recht geben.