01.11.2021 13:27 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

Sieg über Herrenberg: Regensburg kann sich "nach der Pause steigern"

11/1 Tore: Franziska Peter11/1 Tore: Franziska Peter
Quelle: Hans-Christian Wagner, ESV
Es war ein hartes Stück Arbeit für den ESV 1927 Regensburg: Die Bunkerladies taten sich gegen den Vorjahresdritten SG H2Ku Herrenberg lange schwer. Nach einem 14:17-Rückstand zu Beginn des zweiten Durchgangs drehte der Zweitliga-Aufsteiger die Partie und spielte sich im Schlussdrittel der Partie in einen kleinen Rausch. Am Ende durfte der ESV beim 31:26 (13:13) den zweiten Sieg in Serie bejubeln.

Die Formkurven beider Teams hätten vor dem Anpfiff kaum unterschiedlicher sein können: Während die Oberpfälzerinnen nach dem Auswärtserfolg in Bremen vor Wochenfrist das dritte Spiel in Folge unbesiegt blieben, mussten die Gäste eine 29:42-Heimklatsche gegen Aufsteiger MTV Heide verkraften. Die Partie in Regensburg wurde also zum Charaktertest für das Team von Trainer Mike Leibssle, der ein anderes Gesicht seines Teams nach dem "kompletten Stromausfall" gegen Heide angekündigt hatte.

Die Gäste aus der Nähe von Tübingen präsentierten sich auch kämpferisch. Das Team um Goalgetterin Lea Neubrandner hatte kürzlich Sarah Neubrandner und die ehemalige Totschützenkönigin Sulamith Klein reaktiviert. Das erfahrene Trio fand immer wieder Lücken in der ESV-Deckung und dazu hatten die "Kuties" mit Laura Waldenmaier einen überragenden Rückhalt im Kasten. Die Keeperin war im Alleingang dafür verantwortlich, dass ihre Farben zwischenzeitlich mit drei Treffern (4:7, 7:10) in Front lag.

Mit einer Auszeit nach zwanzig Minuten versuchte Mike Leibssle zwar gegenzusteuern, es wurde aber auch deutlich, dass es an diesem Abend ein Spiel zweier Teams auf Augenhöhe wird. Zudem war allein aus der Statistik ablesbar, wie umkämpft die Punkte in der Oberpfalz waren. 13 Zeitstrafen sollten die Unparteiischen am Ende gegen beide Teams verhängen. Für Trainer Leibssle waren dies dann doch etwas zu viele: "Auch wenn wir acht Hinausstellungen erhielten, waren die Schiedsrichter kein Grund für die Niederlage", stellte er aber klar.

Die Regensburgerinnen hatten diesmal nicht viel Wurfglück und vergaben unter anderem drei Siebenmeter. Jedes Tor musste an Waldenmaier und der beherzt, aber nicht unfair zupackenden Herrenberger Deckung vorbeigekämpft werden. So konnte das Heimteam trotz eines vergebenen Strafwurfs mit der Pausensirene insgesamt mit dem 13:13-Unentschieden zur Pause noch halbwegs zufrieden sein.

Nach dem Seitenwechsel wurden die in der Kabine gefassten guten Vorsätze noch nicht direkt umgesetzt und ein 14:17-Rückstand war die Konsequenz. Nun hatte Franziska Peter aber die Faxen dick: Die Linkshänderin war nicht mehr zu stoppen und setzte sich ein ums andere Mal durch. Am Ende war Peter mit elf Toren beste Werferin des Abends. Großen Anteil an der Wende hatte auch Keeperin Natalia Krupa, die unter anderen tollen Paraden einen Heber von Linksaußen spektakulär wegfischte und einen Treffer ins verwaiste Tor erzielte.

Sinnbildlich für die Wende stand Linksaußen Johanna Brennauer: Die 19-Jährige hatte im ersten Durchgang total verwachst, traf nach Wiederanpfiff aber alle Würfe - darunter auch vier Siebenmeter. Die Bunkerladies steckten auch eine diskutable Rote Karte gegen Rückkehrerin Nicole Lederer in der 45. Minute weg. Vier Brennauer Tore in Reihe brachten beim 22:21 nach 48 Minuten die erste Führung nach einer gefühlten Ewigkeit.

Das ESV-Team, bei dem alle Spielerinnen - exemplarisch Carina Vetter in der Deckung und Kreisläuferin Sara Mustafic mit vielen herausgeholten Siebenmetern - zum Erfolg beitrugen, war nun nicht mehr zu stoppen. Angetrieben von der tollen Kulisse nutzten die quirligen Rückraumspielerinnen Amelie Bayerl und Anna Fuhrmann die sich nun bietenden Lücken in der notgedrungen immer offensiver werdenden SG-Abwehr eiskalt aus. 98 Sekunden vor dem Ende machte Bayerl mit dem 30:25 den Sack endgültig zu.

Auch eine am Ende mit dreizehn Paraden überzeugende Laura Waldenmaier stand nun das eine oder andere Mal auf verlorenen Posten. Zumindest gelang es der Abwehr trotzdem, die hochaufgeschossene Kreisläuferin Julia Drachsler bei nur zwei Toren zu halten. Unzufrieden war Mike Leibssle nach dem 31:26 aber dennoch nicht: "Unser oberstes Ziel, die Abwehr zu stabilisieren, hat funktioniert. Hätten wir in der Endphase nicht Harakiri spielen müssen, wären es auch sicher einige Gegentore weniger geworden", nahm der Trainer seine Mannschaft später in Schutz.

ESV-Trainer Csaba Szücs war sichtlich erleichtert: "Herrenberg hat gut gespielt, und ich bin froh, dass wir uns nach der Pause steigern konnten und die Punkte behalten haben." Kuties-Coach Mike Leibssle war einverstanden mit der Vorstellung seines dezimierten Teams und gratulierte fair zum Sieg. "Der ESV hat verdient gewonnen", sagte Leibssle. Das sahen auch die begeisterten Fans im Bunker so und feierten ihr Team mit Standing Ovations.