04.10.2021 12:45 Uhr - DHB-Pokal - PM Vereine, red

"31 Gegentore sind deutlich zu viel": Leverkusen mit überraschendem Pokalaus in Waiblingen

Enttäuschung bei den WerkselfenEnttäuschung bei den Werkselfen
Quelle: Spielbilder Werkselfen TSV Bayer 04 Leverkusen / Jörg Dembinski
Eine faustdicke Überraschung gelang den Zweitliga-Handballerinnen des VfL Waiblingen am Sonntagabend: Die Tigers warfen in der 2. Runde im DHB-Pokal mit einem 31:28-Erfolg (14:14) den Erstligisten Bayer 04 Leverkusen aus dem Wettbewerb. Die Niederlage war unter dem Strich verdient. "Zu viele technische Fehler, kaum einfache Tore im Angriff sowie eine zu schwache Defensive - die Fehlerquote war vorne wie hinten zu hoch", resümierte man beim Rekordpokalsieger.

Der Waiblinger Trainer Thomas Zeitz musste seine Startformation umstellen, da Vanessa Nagler (Rückenprobleme) und VfL-Kapitänin Caren Hammer unter der Woche trainieren konnten. An deren Stelle standen im Angriff Samira Brand (Halbrechts) und Diana Sabljak (Halblinks) zum Anpfiff auf dem Parkett der Waiblinger Staufer-Halle. Sabljak, die in der Liga bislang wenig Einsatzzeiten hatte, nutzte ihre Chance und gehörte mit zehn Treffern am Ende des Abends zu einer der Heldinnen auf Waiblinger Seite.

Daneben glänzten in einer insgesamt sehr homogenen VfL-Mannschaft Sinah Hagen als Spielgestalterin und sechsfache Torschützin. Und während die Tigers aus Waiblingen mit Torhüterin Celina Meissner und ihren zwölf Paraden einen Aktivposten zwischen den Pfosten hatten, bekam das Bayer-Gespann Kristina Graovac und Nela Zuzic zusammen nur drei Bälle zu fassen.

"Wir haben bereits in der Startphase unzählige Chancen ausgelassen, sodass Waiblingen dann Oberwasser bekam. Mit der von mir geforderte Emotionalität der Mannschaft war ich genau so wenig einverstanden, wie mit dem Abwehr-Torwart-Paket. 31 Gegentore sind deutlich zu viel", so Elfentrainer Martin Schwarzwald.

Beiden Teams war eine hohe Anfangsnervosität anzumerken. Sinah Hagen erzielte erst nach zwei Minuten den ersten Treffer des Abends, die Gäste benötigten für ihr erstes Tor sogar knapp fünf Minuten. Leverkusen schien dann aber beim 1:3 seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Die ungewohnte Formation des VfL benötigte erst noch einige Zeit, sich aufeinander ein- und abzustimmen, doch schon früh nutzte Diana Sabljak ihre Chance auf die längere Einsatzzeit mit viel Biss und Drang zum Tor.

Bei Leverkusen blitzte immer wieder die individuelle Klasse des Teams auf. Vor allem Mareike Thomaier und Zivile Jurgutyte fanden die Lücken in der VfL-Abwehr. Da Waiblingen sich aber nicht aus der Ruhe bringen ließ und erneut auf die starke Leistung seiner Torhüterin Celina Meißner bauen konnte, entwickelte sich ein völlig ausgeglichenes Spiel. Jule Schraml warf in der 20. Minute sogar zur ersten Zwei-Tore-Führung (9:7) für den Gastgeber ein. Bis zur Halbzeit hatte Leverkusen allerdings wieder ausgeglichen (14:14).

Schon bis dahin konnte das Waiblinger Team auf seine Leistung stolz sein, egal wie der zweite Durchgang auch laufen sollte. Da aber einerseits der VfL weiterhin sehr diszipliniert auftrat, Sabljak und Hagen weiterhin trafen und Leverkusen immer wieder beim Torabschluss an Meißner oder den eigenen Nerven scheiterte, dämmerte den Waiblinger Anhängern allmählich, dass die Pokalüberraschung drin sein könnte. Emilia Rongess Treffer zum 19:20 nach 36:45 Minuten sollte dann tatsächlich auch der letzte Leverkusener Führungstreffer der Partie sein.

Spielentscheidend war die Phase zwischen der 40. und 50. Minute, als die Werkselfen zu viele Fehler und Fehlwürfe produzierten, während bei Waiblingen die Einwechselung von Lena Klingler einen nötigen Schub brachte. Bezeichnend, dass Mareike Thomaier genau in dieser Phase beim Stand von 21:24 (46.) mit einem Siebenmeter an der starken Meissner scheiterte. Zuvor hatte die Nationalspielerin vom Strich viermal sicher verwandelt.

Noch waren mehr als fünfzehn Minuten zu spielen, und aus Waiblinger Sicht stand zu befürchten, dass die Kraft ausgehen und der Erstligist mit seiner individuellen Klasse und Routine die Partie noch drehen würde. Doch dies trat nicht ein, denn Celina Meißner war in sensationeller Verfassung. Als Krönung ihrer Leistung fing die Torhüterin in der Schlussphase sogar zwei Würfe der Gäste.

Und so nahm die Pokalüberraschung ihren Lauf, da der VfL mit einer nahezu schon frappierenden Kaltschnäuzigkeit und Souveränität seinen Vorsprung bis ins Ziel brachte. Was sich vor dem Spiel wohl nur kühne VfL-Optimisten erhofft hatten, leuchtete am Ende als Realität auf der Anzeigetafel auf: Der VfL Waiblingen bezwingt den Erstligisten Bayer 04 Leverkusen mit 31:28.

"In der Schlussphase haben wir es mit einer offensiven Deckung versucht, doch kam meine Mannschaft nicht mehr näher als auf zwei Tore heran. Der VfL hat das dann intelligent gelöst, ist nicht nervös geworden und hat verdient gewonnen", so Schwarzwald abschließend.

Der Waiblinger Trainer Thomas Zeitz zeigte sich stolz auf seine Truppe: "Jede in diesem Team hat heute Abend ihren Job hervorragend gemacht und ihren Anteil zum Sieg beigetragen. Es stimmt in der Truppe absolut, und dann sind auch solche Leistungen möglich."

VfL Waiblingen - TSV Bayer 04 Leverkusen 31:28 (14:14)


Waiblingen: Wunsch, Meissner;
Sabliak (10), Nagler, Schraml (1), Hagen (6), Klingler (3), Brand (2), Hammer, Wulf, Henkel (2), Ridder (1), Jager (3), Pollakowski (3/2)

Leverkusen: Graovac, Zuzic;
Thomaier (9/4), Jurgutyte (5), Hinkelmann (1), Sprengers (3/2), Holste (2), Klein (6), Cormann, Bruggeman (1), Ronge (1), Veit

SR: Brodbeck/Reich (Reutlingen/Metzingen)
Strafminuten: 6/6 (Klingler, Henkel, Jager - Hinkelmann/zweimal, Ronge)
Siebenmeter: 2/4 ; 6/7 (Pollakowski an den Pfosten/25., Zuzic hält gegen Sabljak/28. - Thomaier scheitert an Meissner/46.)

Spielfilm:
1:0, 1:3 (7.), 4:4 (9.), 5:6 (12.), 7:6 (15.), 9:7 (19.), 10:10 (22.), 12:12 (24.), 14:13 (30.), 14:14 (HZ)
16:16 (33.), 17:18 (36.), 18:19 (37.), 20:20 (40.), 22:21 (42.), 26:21 (49.), 26:23 (52.), 27:25 (54.), 28:26 (55.), 30:26 (56.), 30:28 (59.), 31:28 (EN)