04.09.2021 09:43 Uhr - 2. Bundesliga - PM SG H2Ku

SG H2Ku Herrenberg: Harter Brocken gleich zum Auftakt

Bei der SG H2Ku gab es zum Ende der vergangenen Saison mehrere VerabschiedungenBei der SG H2Ku gab es zum Ende der vergangenen Saison mehrere Verabschiedungen
Quelle: Kreiszeitung Böblingen, H2Ku
Nach dem Pokalsieg am letzten Wochenende in Freiburg geht es am Samstag (18 Uhr, Neurotthalle Ketsch) für die Bundesligafrauen der SG H2Ku Herrenberg erstmals um Punkte in der Saison 2021/22. Dabei hängen die Trauben beim Bundesligaabsteiger Kurpfalzbären Ketsch gleich zum Auftakt besonders hoch.

In den letzten Tagen haben sich die SG H2Kuties auf ihren sozialen Netzwerken den Fans präsentiert und ihre Wünsche für die kommende Spielzeit geäußert. Fast alle Spielerinnen hatten ganz oben auf ihrer Wunschliste nur das Eine: das gemeinsame Erlebnis Handball mit den Zuschauern.

Allein hier zeigt sich schon das Dilemma, in denen die Bundesligafrauen aus Herrenberg gesteckt haben. Als Zweitligateam war es ihnen in der abgelaufenen Spielzeit erlaubt, trotz der Corona-Pandemie den Wettkampfbetrieb aufrechtzuerhalten. Und gerade in dieser Zeit erzielte die Mannschaft um das Trainergespann Mike Leibssle und Sarah Neubrander mit dem dritten Platz einen geradezu historischen Erfolg.

Gleichwohl, feiern mussten die Kuties dies zuhause im stillen Kämmerlein. Da passt es fast folgerichtig hinein, dass die Verantwortlichen des Vereins schon im Vorfeld des Meisterschaftsendspurts ihr Veto für einen möglichen Aufstieg in die Beletage des deutschen Frauenhandballs einlegten. Das finanzielle Risiko 1. Bundesliga war den Verantwortlichen ganz einfach zu hoch.

Dessen ungeachtet geht die Mannschaft der SG H2Ku Herrenberg in eine Saison, die sicherlich unter anderen Vorzeichen steht wie die letztjährige. Mit gleich acht neuen Spielerinnen muss Leibssle gemeinsam mit seiner Co-Trainerin Sarah Neubrander innerhalb kürzester Zeit ein schlagkräftiges Team formen. Die Schwierigkeit darin liegt vor allem im Alter und der damit resultierenden Erfahrung der Zugänge begründet. Mit Tanja Padutsch vom VfL Waiblingen konnte zwar für die rechte Außenbahn eine gestandene Spielerin mit Erfahrung verpflichtet werden, alle anderen Akteurinnen haben aber noch nicht oder gerade erst das zweite Lebensjahrzehnt abgeschlossen.

Das geringe Alter hat dabei aber trotzdem nichts mit der dazugewonnenen Qualität zu tun. Mit Ronja Slawitsch, Rebecca Rott, Anna Albeck und Britt van der Baan kamen gleich vier junge Handballerinnen vom Bundesligadritten TuS Metzingen ins Gäu, zwei davon (Albeck und van der Baan) mit Zweitspielrecht im Rahmen eines Kooperationsvertrages beider Vereine. Allerdings erlitt Rückraumspielerin Ronja Slawitsch gleich in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss und wird den Beweis ihrer vorhandenen Klasse in absehbarer Zeit nicht liefern können.

Erfreulich aus Sicht des Gäu-Clubs ist allerdings, dass mit Torhüterin Sophia Holzner, Rechtsaußen Maileen Seeger und Linksaußen Ronja Bühler drei Eigengewächse den Sprung in den Bundesligakader geschafft haben. Von den gestandenen Spielerinnen um Annika Blanke, Marie Beddies, Lea Neubrander oder die neue Kapitänin Aylin Bok werden also vermehrt Führungsqualitäten eingefordert werden. Sollte dies gelingen, darf auch von dieser blutjungen Truppe einiges erwartet werden. Ein Erfolg wie im letzten Jahr ist für Mike Leibssle aber noch meilenweit entfernt: "Wir wollen in jedem Spiel unser Optimum erreichen. Dann schauen wir weiter", muss selbst der Coach ein wenig im Nebel stochern.

Eine echte Standortbestimmung gibt es dabei gleich am ersten Spieltag. Bei den Ketscher Kurpfalz Bären bleibt den Kuties gleich im Auftaktspiel nur die Rolle des Außenseiters. Der Erstligaabsteiger hat in der abgelaufenen Saison zwar nur zwei Siege in der 1. Liga einfahren können, zum Favoritenkreis darf die Mannschaft aus dem Rhein Neckar Kreis aber durchaus gezählt werden. Was auf die Kuties am Samstag zukommt, hat in der Vorwoche das Pokalspiel gegen den Ligakontrahenten TG Nürtingen gezeigt.

Beim 24:17 dominierten die Kurpfalzbären zumindest eine Halbzeit lang eindrucksvoll. Drei Spielerinnen standen dabei im besonderen Fokus. Lara Eckardt netzte gleich neun Mal ein, an Torhüterin Johanna Wiethoff war kein Vorbeikommen und die spanische Spielmacherin Mireia Torres Parera, gekommen aus Granollers, feierte ihr Debüt in Ketsch. Zudem ist Mike Leibssle vor allem die offensive 3:2:1- Abwehr natürlich nicht entgangen. "Hier wird der Schlüssel liegen, ob wir in Ketsch eine Chance haben". Mike Leibssle hat in den letzten beiden Trainingstagen gerade hier angesetzt, um dieses Bollwerk zu knacken.

Aus Leibssles Kader stehen neben der langzeitverletzten Ronja Slawitsch mit Anna Albeck und Britt van der Baan zwei weitere Spielerinnen wegen derer Einsätze für Metzingen nicht zur Verfügung. Für die beiden stehen zwei andere Akteurinnen, ebenfalls Neuzugänge, aus der eigenen zweiten Mannschaft bereit. Marie Thiwissen stieß von den Junior-Elfen, der zweiten Vertretung von Bayer Leverkusen zur Württembergligamannschaft der SG H2Ku. Die mit Nachwuchs-Bundesligaerfahrung ausgestattete Rückraumrechte erlebt am Samstag ebenso ihre Feuertaufe wie Svenja Graebling, die schon im Laufe der letzten Saison aus Mainz-Bretzenheim zur zweiten Mannschaft der Kuties wechselte, hier allerdings wegen der Corona-Pandemie noch nicht zum Einsatz kam.