03.06.2021 12:59 Uhr - 1. Bundesliga - PM HL, dpa, red

Handball-Luchse nach Relegationserfolg: "Sprach alles gegen uns"

Die Handball-Luchse bejubeln den Klassenerhalt.Die Handball-Luchse bejubeln den Klassenerhalt.
Quelle: Michael Schmidt
Nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle hat es bei den Frauen der Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten am Mittwochabend kein Halten mehr gegeben. "Ich bin überglücklich", sagte Trainer Dubravko Prelcec. "Eigentlich sprach alles gegen uns, denn aufgrund der unglaublichen Belastung in den vergangenen Wochen war fast keine Spielerin beschwerdefrei."

Im zweiten Relegationsspiel besiegten die HL Buchholz 08-Rosengarten in der Sporthalle Charlottenburg in einem dramatischen Spiel die Füchse Berlin mit 27:25 und erkämpften sich nach der 22:24 Heimniederlage bei gleicher Tordifferenz aufgrund der auswärts mehr erzielten Tore glücklich, aber verdient den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga.

Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, da die Luchse mit etlichen angeschlagenen Spielerinnen antreten mussten, jedoch mental und physisch alle Kräfte freisetzen konnten. Dem Team des überglücklichen Dubravko Prelcec ist es im vierten Anlauf gelungen, den Verbleib in der höchsten Spielklasse zu erreichen. Für die unterlegenen Berlinerinnen war die überragende Nina Müller die erfolgreichste Torschützin mit 10 Treffern, bei den Luchsen traf Fatos Kücükyildiz sechsmal.

Die sehr nervösen Spreefüxxe erwischten einen klassischen Fehlstart und gerieten nach 10 Minuten bereits mit 1:6 ins Hintertreffen, so dass Susann Müller die erste Auszeit nehmen musste, um ihr verunsichertes Team zu beruhigen und neu einzustellen. Fünf Minuten später hatte sich die Heimmannschaft durch ihr nun weniger hektisches Spiel auf 6:8 herangekämpft als Nina Müller Zoe Ludwig überwand.

In der 19. Minute verkürzte Leona Svirakova mit ihrem einzigen Tor im gesamten Spiel auf 8:9, doch Maj Nielsen überwand anschließend die erneut großartig agierende Torhüterin Sofie Svarrer Hansen von den Füchsen. Aber in der Folgezeit kam der Zweitligist immer besser ins Spiel, da die Gäste vor allen Dingen die routinierte Nina Müller nicht in den Griff bekamen, die mit ihren verdeckten, unkonventionellen Aufsetzern, die sonst gute Zoe Ludwig überraschte.

So war es kein Wunder, dass den Spreefüxxen in der 27. Minute die erste Führung zum 12:11 gelang. Anschließend vergab Marleen Kadenbach noch einen Strafwurf, doch mit einem gekonnten Wurf von Außen stellte Melissa Luschnat wenige Sekunden vor Beendigung des ersten Abschnitts den Ausgleich her. 30 Minuten waren gespielt und an der Ausgangssituation hatte sich nichts geändert.

Die zweite Halbzeit musste die Entscheidung bringen und es war unklar, ob die Luchse nervlich und konditionell den Spreefüxxen gewachsen sein würden, denn in den letzten Minuten des ersten Abschnitts fiel es den Gästen trotz engagierter Abwehrarbeit, vorne sehr schwer zu gelungenen Abschlüssen zu kommen. Nach drei Minuten in der zweiten Halbzeit sah es schlecht aus für den Erstligisten, denn trotz einer frühen Auszeit von Dubravko Prelcec waren die Füchse auf 16:12 enteilt als die Portugiesin Anais Gouveia Zoe Ludwig überwand.

Jetzt betrug der Vorsprung der Schützlinge von Susann Müller aus beiden Begegnungen bereits sechs Tore. Aber die Luchse gaben sich noch nicht geschlagen und kämpften sich wieder in Schlagdistanz. Mit einem 3-0-Lauf blieben die Gäste im Spiel als zweimal Evelyn Schulz und aus dem Rückraum Jessica Inacio auf 16:15 verkürzten. In der 41. Spielminute hatten die Luchse durch einen erneuten 3-0-Lauf die Begegnung auf 18:19 gedreht, aber immer noch waren die Berlinerinnen im Vorteil, die es mit ihrer auf 5-1 umgestellten offensiven Abwehr den Gästen nicht gerade leicht machte, zu einfachen Toren zu kommen.

Doch die Luchse kämpften verbissen weiter und ließen sich auch durch die rote Karte von Kim Berndt in ihrem Siegeswillen nicht abbringen. In der 44. Spielminute erhöhte Fatos Kücükyildiz mit einem tollen Wurf aus dem Rückraum auf 18:21 für den Erstligisten, ein Vorsprung, der zum Klassenerhalt reichen würde, aber noch waren 15 Minuten zu spielen. Erneut traf drei Minuten später Fatos Kücükyildiz per Strafwurf zum 20:24 und in der 52. Minute durch eine tolle Einzelleistung zum 21:25.

Nina Müller und Fem Boeters brachten die Füchse mit ihren Treffern wieder in Schlagdistanz, aber vier Minuten vor Beendigung der Partie parierte Zoe Ludwig einen Strafwurf und einen Wurf von Leona Svirakova, die völlig unbedrängt an der Torhüterin scheiterte. Nach einem großartigen Anspiel von Jessica Inacio zu Evelyn Schulz verwandelt die Kreisspielerin gekonnt zum 23:26. Die ebenfalls hervorragend spielende Bo Dekker verkürzt für die Füchse auf 24:26, aber die endgültige Entscheidung gelang Evelyn Schulz als sie die Berliner Torhüterin zum 24:27 überlistete.

Zwar konnte Nina Müller noch einmal auf 25:27 verkürzen, aber die verbleibenden 15 Sekunden spielten die Luchse routiniert herunter. Danach kannte der Jubel auf Seiten der Luchse keine Grenzen und alle lagen sich in den Armen. Der Gegensatz zur unterlegenen Mannschaft konnte nicht größer sein, denn die Berlinerinnen ließen sich zu Boden sinken und weinten bittere Tränen. Die HL Buchholz 08-Rosengarten haben in einem dramatischen Spiel in der Hauptstadt noch einmal alle vorhandenen Kräfte mobilisiert und trotz aller widrigen Umstände den Klassenerhalt gesichert.

Sie waren in diesem Krimi nicht die bessere Mannschaft, aber sie haben immer an sich und ihre Chance geglaubt. Zeitweise sah es danach aus, dass die Kräfte nicht reichen würden als die Füchse in der Addition beider Spiele bereits mit sechs Toren in Front lagen. Aber mit einer unglaublichen Willensstärke konnte sich die Mannschaft selbst belohnen. Nach diesen beiden Vorstellungen hätten es beide Teams verdient gehabt in der 1. Bundesliga zu spielen, aber die Luchse waren nicht unbedingt die bessere Mannschaft, aber sie konnten mit viel Glück und Geschick die Klasse halten - das verdient auf jeden Fall Respekt und Anerkennung.

"Ich bin überglücklich"


"Ich bin überglücklich, dass wir den Klassenerhalt noch geschafft haben. Eigentlich sprach alles gegen uns, denn aufgrund der unglaublichen Belastungen der letzten Wochen war fast keine Spielerin beschwerdefrei. Aber ähnlich wie beim Final4 waren trotz der misslichen Umstände die Mädels überzeugt, es schaffen zu können, was sie mit ihrer Körpersprache, Willenskraft und Nervenstärke auch zum Ausdruck gebracht haben", kann Dubravko Prelcec, der Trainer der HL Buchholz 08-Rosengarten, seine Freude kaum in Worte fassen.

"Schlüssel zum Erfolg war die überragende Abwehrarbeit der Mannschaft, die es den Schlüsselspielerinnen der Füchse sehr schwer gemacht hat zu Toren zu kommen. Der Sieg war eine geschlossene Mannschaftsleistung, dennoch muss ich Jessica Inacio hervorheben, die trotz ihrer Fußschmerzen mit ihren Toren und Anspielen zu Evi Schulz den Ausschlag zum Sieg gegeben hat", so Prelcec weiter.

Sven Dubau, der Geschäftsführer der Luchse erklärt: "Die Vize-Meisterschaft im DHB-Pokal und der kaum für möglich gehaltene Klassenerhalt beenden für uns eine goldene Saison. Ich bin unendlich stolz auf das Trainer-Team und die Mannschaft, die das möglich gemacht haben."

"Aufgrund unserer vielen verletzten Akteurinnen waren alle Trümpfe auf Seiten der Spreefüxxe, aber nach unserer Heimniederlage war die Mannschaft wild entschlossen das Ruder noch einmal herumzureißen. Dafür gebührt ihr Lob und Anerkennung, denn ehrlich gesagt habe ich mit diesem Erfolg nicht mehr gerechnet. In zwei Spielen auf Augenhöhe waren wir am Ende die Glücklicheren", so Dubau weiter.

Spreefüxxe: Hübner, Svarrer Hansen, Kolosove, Tolic, Kunde (1), Höbbel, Gouveia (2), Svirakova (1/1/0), Wagenlader (1), Müller (10), Matteus, Kruijswijk (1), Dekker (7/4/4), Boeters (2), Puls

Handball-Luchse: Löbig, Witthöft, Ludwig, Schulz (5), Nielsen (3), Kadenbach (3/2/4), Harms (1), Kücükyildiz (6/2/2), Lamp, Berndt (2), Inacio (3), Axmann, Luschnat (3), Hauf, Borutta, Herbst (1)

02.06.2021 - Auswärtstore entscheiden Relegationskrimi: Luchse Buchholz-Rosengarten jubeln in Berlin