30.05.2021 08:24 Uhr - 2. Bundesliga - PM TVB, red

"Fast ein bisschen schade, dass jetzt Sommerpause ist": Wuppertals Trainer Schlechter zieht Bilanz

Wuppertals Trainer Dominik Schlechter zieht im Interview Bilanz.Wuppertals Trainer Dominik Schlechter zieht im Interview Bilanz.
Quelle: TVB Wuppertal
Eine ereignisreiche Spielzeit liegt hinter dem TVB Wuppertal. Der junge, neue Trainer Dominik Schlechter hat mit seinen Handballgirls in der Rückrunde eine echte Serie hingelegt und am Ende war der Klassenerhalt zwei Spieltage vor dem Saisonende bereits sicher. Mit ein wenig Abstand blickt Dominik Schlechter im Interview an dieser Stelle auf die Saison zurück und zieht die Bilanz seiner ersten Spielzeit beim Wuppertaler Zweitligisten.

Dominik, du hast als "Trainer-Rookie" beim TVB in dieser Saison schon eine ganze Menge erlebt. Wie ist jetzt kurz nach dem letzten Saisonspiel deine Gefühlslage?

Dominik Schlechter:
Ich bin glücklich und stolz, dass wir es unter den bekannten Voraussetzungen im vergangenen Sommer geschafft haben, die Klasse halten. Hätte mir jemand vor der Saison gesagt, dass wir dies zwei Spieltage vor Schluss mit einem 15:1-Lauf schaffen, hätte ich das wahrscheinlich nicht für möglich gehalten. Insofern ist es fast ein bisschen schade, dass jetzt Sommerpause ist. Auf der anderen Seite waren die vergangenen Monate für uns alle sehr herausfordernd und kräftezehrend, sodass wir uns nun auch darauf freuen, im Juni unser Leben mal mit anderen Dingen zu verbringen.

Hättest du nach der Niederlage in Harrislee am 6. März noch damit gerechnet, dass sich das Blatt derart wenden wird?

Dominik Schlechter:
In der Form, mit dem gerade angesprochenen 15:1-Lauf, wahrscheinlich nicht, das kann ich zugeben. Zumal ich damit gerechnet habe, dass Kirchhof mit seiner vorhandenen Qualität irgendwann die Kurve bekommt. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mehr an den Klassenerhalt geglaubt habe.

Wir hatten zu Beginn der Rückrunde schwierige Spiele, hatten mit Michi verletzungsbedingt eine zentrale Spielerin unserer Deckung verloren und im Rückraum mussten wir ohne Jule und zeitweise ohne Anna-Lena auskommen. Insofern war dieser Lauf von sechs Niederlagen am Stück nicht schön, für mich aber dennoch erklärbar.

Welche Entwicklungsschritte haben deiner Meinung dabei eine Hauptrolle gespielt, dann die Kurve zu bekommen?

Dominik Schlechter:
Ich denke, dass es viele verschiedene Faktoren waren, die diesen Umschwung begünstigt haben. Dieter Trippen hat als Sportdirektor eine vorher vorhandene Lücke gefüllt und natürlich mit seiner Expertise uns allen viel geholfen. Ob Mannschaft, ob Trainerteam - wir können von Dieter alle viel mitnehmen und lernen.

Hinzu kam, dass durch die großartige Unterstützung vieler Menschen die pandemiebedingte finanzielle Schieflage wieder geradegerückt werden konnte. Beide Faktoren, verbunden mit den dann eintretenden sportlichen Erfolgen, haben für eine Aufbruch-Stimmung gesorgt, die uns bis zuletzt getragen hat.

Hat dich irgendwas an deiner Mannschaft in der vergangenen Saison überrascht?

Dominik Schlechter:
Positiv überrascht hat mich, wie viele Mädels aus unserem Kader es im Laufe der Saison dann tatsächlich geschafft haben, sich an das Niveau in der 2. Liga heranzutasten. Wir haben viele junge Mädels - größtenteils sogar aus der Oberliga - geholt. Wenn ich dann schaue, wie eine Leonie Schmitz, eine Zoe Stens, eine Insa Weisz, eine Lina Hovenjürgen und vor ihrer Verletzung auch Jule Kürten ihren Job erledigt haben, dann bin ich stolz auf die Mädels.

Stolz auch deshalb, weil ich weiß, wie viel diese Mädels in den letzten Wochen und Monaten trainiert haben. Zudem fand ich es über die ganze Saison hinweg beeindruckend, wie die Mädels in den entscheidenden, wichtigen Spielen gegen die direkte Konkurrenz die Nerven behalten haben.

Was war dein Highlight und was war dein persönlicher Tiefpunkt der Saison?

Dominik Schlechter:
Mein Highlight war unser Auswärtssieg beim Vizemeister in Berlin. Wir hatten im Saisonverlauf bis dahin einige Spiele, in denen wir als "Underdog" den Favoriten lange ärgern konnten, uns aber schlussendlich nicht belohnt haben. Mit der Schlusssirene dann in Berlin den Siegtreffer zu werfen, war ein sehr emotionaler Moment.

Mein Tiefpunkt - wenn man es so nennen möchte - war nach dem Auswärtsspiel in Bremen. Die Mädels haben eine Woche nach der schweren Verletzung von Michelle Stefes über 50 Minuten ein bärenstarkes Auswärtsspiel abgeliefert, um dann in der Schlussphase das Spiel noch aus der Hand zu geben. Dieses Spiel hat uns alle lange beschäftigt und tat richtig weh. Ich bin bis heute der festen Überzeugung, dass die Saison frühzeitig sorgenfrei verlaufen wäre, wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten.

Welches Team in der Liga hat dich - abgesehen von deinen Handballgirls - am meisten beeindruckt?

Dominik Schlechter:
Den BSV Sachsen-Zwickau nach den großen Verletzungssorgen und etwas Startschwierigkeiten in der Rückrunde spielen zu sehen, war sicherlich beeindruckend. Wir hatten bei unserem Auswärtsspiel das Gefühl, dass selbst die vermeintliche "zweite Sieben" derart viel Qualität hat, dass man als Trainer beinahe bunt durchwechseln kann. Ich bin gespannt, wie sich Zwickau in der 1. Liga schlägt.

Ansonsten ist der 4. Tabellenplatz des TuS Lintfort sicherlich erwähnenswert. Lintfort hatte auch einen großen Umbruch im Sommer 2020. Bettina Grenz-Klein hat in dieser Saison mit ihrem Team sicherlich einen riesigen Job gemacht.

Hast du die Befürchtung, dass aufgrund der Serie deiner Mannschaft nun Begehrlichkeiten geweckt werden, die das Team nicht erfüllen kann?

Dominik Schlechter:
Intern mache ich mir dort keine Sorgen. Wir haben eine selbstkritische, reflektierte Mannschaft, die zuletzt zu Recht sehr selbstbewusst aufgetreten ist, aber auch genau weiß, woran wir noch arbeiten müssen und dass die Liste auch nicht gerade kurz ist. Zudem weiß jeder, dass wir mit Ramona Ruthenbeck unsere zentrale Angriffsspielerin verlieren. Damit verlieren wir nicht nur viel Qualität, sondern werden unser Angriffsspiel komplett neu ordnen müssen. Dass das nicht von heute auf morgen gelingen wird, kann jeder mit ein wenig Sachverstand ganz gut einschätzen.

Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Kaderplanung für die neue Saison?

Dominik Schlechter:
Ich denke, dass wir nach dem vergangenen Sommer nun Kontinuität brauchten. Insofern bin ich sehr zufrieden, dass uns nur drei Spielerinnen verlassen werden, weil wir dadurch sichergestellt haben, dass wir in der kommenden Vorbereitung auf vieles Bestehende aufbauen können. Mit Lea Flohr und Nele Eckert haben wir zudem zwei Mädels für uns gewinnen können, die gut zu uns und unserem Konzept passen.

Apropos neue Saison - Wie stehst du zur Aufstiegsrunde der Drittligisten?

Dominik Schlechter:
Wir haben die Dinge so genommen, wie sie dann entschieden wurden und dort innerhalb der Mannschaft gar nicht so viel drüber gesprochen. Schlussendlich ist diese Corona-Pandemie für uns alle Neuland, so dass am Ende auch auf Funktionärsebene vielleicht mal Dinge entschieden werden, die man selber anders entscheiden würde.

Ich möchte aber mit den hierfür Verantwortlichen nicht tauschen. Was ich aber sagen kann: Wenn man sich die Aufstiegsrunde sportlich anguckt, sieht man, dass dort Mannschaften mit viel Qualität aufsteigen werden. Darauf freuen wir uns!

Abschließend noch die Frage, wie du die kommenden Wochen ohne Handball verbringen wirst?

Dominik Schlechter:
Für einen Trainer ist es ja so, dass eine Sommerpause etwas anders, als für die Spielerinnen ist. Es gibt einiges im Hinblick auf die Vorbereitung zur neuen Saison zu tun, auch weil wir in den letzten Wochen uns ausschließlich auf den Klassenerhalt konzentriert haben. Natürlich werde ich trotzdem mehr Zeit für Freunde und Familie haben - und Mitte Juni für ein paar Tage in den Urlaub fahren.