07.04.2021 10:20 Uhr - 2. Bundesliga - Sport Schwalm-Eder, Lokalsport Melsungen Ralf Ohm

Remis statt Befreiungsschlag: Kirchhofs Wankelmütigkeit bestraft

Frederikke Siggaard und Greta Kavaliauskaite Frederikke Siggaard und Greta Kavaliauskaite
Quelle: Richard Kasiewicz, SG09
Beim 22:22 (12:8) gegen den VfL Waiblingen verspielte die SG 09 Kirchhof in den letzten 14 Minuten eine Sechs-Tore-Führung und damit die Chancen auf einen Befreiungsschlag in der 2. Handball-Bundesliga.

Nach 46 Minuten war die SG 09 Kirchhof dem ersehnten Befreiungsschlag sehr, sehr nahe. Klara Schlegel hatte gerade auf 19:13 für den heimischen Handball-Zweitligisten erhöht, als Waiblingens Trainer Zeitz den Angriffswirbel der Gastgeberinnen per Auszeit unterbrach. Was der Gegner, branchenüblich, mit Beifall quittierte, schließlich war er doch gerade dank eines 6:2-Laufs scheinbar vorentscheidend davongezogen.

Der Vorgeschmack auf den Jubel über den ersten Sieg nach fünf Niederlagen am Stück? Mitnichten. Nach 60 dramatischen Minuten gingen die Köpfe der Kirchhoferinnen nach unten. Freude kam nur bei den Baden-Württembergerinnen auf, die mit 22:22 (12:8) noch einen Zähler aus der Melsunger Stadtsporthalle entführt hatten.

"Wir haben einen Punkt verloren", bewertete SG-Coach Denk entsprechend das Remis. Während sich sein Kollege nach eigenen Angaben wohl geschämt hätte, "wenn wir hier noch gewonnen hätten." Denn: "Das wäre des Guten zu viel gewesen."

Und war in der Tat lange Zeit außer Reichweite. Zu kompakt stand Kirchhof in der 6:0-Deckung, die zusammen mit der glänzend aufgelegten Torfrau Siggaard dem VfL-Rückraum frühzeitig den Zahn zog. "Die Balance stimmte und wir haben sehr diszipliniert gearbeitet", lobte Martin Denk seine Defensivabteilung. Die steckte auch den frühzeitigen Ausfall von Jana Schaffrick (zwei Zeitstrafen nach 13 Minuten) problemlos weg.

An der eigenen Offensive gab?s ebenfalls zunächst wenig auszusetzen. Mit Geduld und Tempo ließen Beugels, Sabljak und Co. den Ball laufen, rissen so immer wieder Lücken in die Waiblinger Deckung oder schafften Raum für die Außen. Das 6:5 nach 13 Minuten schmeichelte den Waiblingerinnen erheblich, die allein die überragende Branka Zec im Spiel hielt. Doch gegen leichte Tore von Iva van der Linden (zum 9:6), Deborah Spatz (zum 11:7) und Zerin Özcelik (zum 12:7) war auch die ehemalige Erstliga-Torhüterin machtlos, als sich die Kirchhoferinnen endlich mal für ihre engagierte Abwehrarbeit belohnten.

Frederikke Siggaard gelang das mit ihrem Treffer zum 17:11, als die Dänin nach einer ihrer 13 Paraden gedankenschnell ins leere Waiblinger Tor traf (43.). Danach erhöhte die eingewechselte Klara Schlegel mit zwei Treffern auf 19:13, ging dann aber zusammen mit ihren Nebenleuten unter.

"Wir müssen weiter an uns glauben", gab Thomas Zeitz seinen Schützlingen mit auf dem Weg. Und wechselte Tanja Padutsch ein. Der Rechtsaußen gelangen in der Schlussphase drei blitzsaubere Tempogegenstoßtore, die jeweils aus Zecs Paraden resultierten.

Den Rest besorgte Rückraumstrategin Sinah Hagen. "Die haben wir einfach nicht mehr in den Griff gekriegt", bekannte SG-Spielmacherin Mariel Beugels.

Dazu gesellte sich "Kopflosigkeit" (Rückraumspielerin Greta Kavaliauskaite) bei den eigenen Abschlüssen. Zwei Sekunden vor Schluss hielt Frederikke Siggaard gegen Aaricia Smits zumindest noch einen Punkt fest. Sonst hätte sich der VfL-Coach wirklich schämen müssen.

Kirchhof: Siggaard (13 Paraden/22 Gegentore), Jurcevic (n.e.); Özcelik 3, Schaffrick 1, Harder, Evjen 3/3, van der Linden 1, Sabljak 7, Beugels 3, Immelnkämper, Kavaliauskaite, Schlegel 2, Prauss, Sauerwald, Spatz (1)

Waiblingen: Zec (19/22), Meißner; Tietjen, Nagler 1/1, da Silva, Schraml, Hagen 8, Klingler Hammer 3, Smits 3/2, Padutsch 3, Berisha, Ridder, Jäger 3