16.10.2007 12:25 Uhr - Jugend/Juniorinnen - Matthias Kornes - hbvf.de

"Müssen den Leistungssportgedanken forcieren" - Dirk Leun im Gespräch

"Bringt alles mit": Elisabeth Garcia-Almendaris"Bringt alles mit": Elisabeth Garcia-Almendaris
Quelle: Jürgen Pfliegensdörfer
Die deutschen Juniorinnen müssen nach dem neunten Platz bei der Europameisterschaft in Izmir in der Qualifikation zur WM gegen die Ukraine, Litauen und Italien ran. „Wir gehen selbstbewusst in die Qualifikation“, sagt DHB-Trainer Dirk Leun, der bei einigen seiner Spielerinnen gute Chancen, sieht den Sprung in die Bundesliga langfristig zu schaffen. Leun mahnt allerdings eine bessere Planung unter den unterschiedlichen Akteure in der Jugend-Ausbildung an.

„Mit Litauen - die letzter der EM waren - aus Lostopf zwei haben wir sicher ein günstiges Los erwischt“, meinte Dirk Leun nach der Auslosung. Deutschland muss beim Qualifikationsturnier in der Ukraine gegen Litauen, Italien und die Gastgeberinnen antreten. „Man muss aber auch sehen, dass wir gegen zwei osteuropäische Länder in Osteuropa spielen“, warnt Leun. „Das wird schwer genug. „Die Ukraine hatte sich gar nicht für die EM qualifiziert, das kann ich also nicht beurteilen“, ist sich Leun unsicher über den Gegner.

Nach dem personellen Entwicklungen in der Bundesliga, die eine große Fluktuation sah, herrschte einhellig die Meinung vor, dass nun die große Chance der Nachwuchsspielerinnen schlagen würde. Eine Entwicklung, auf die auch Leun setzt: „Wir müssen in Zukunft noch mehr den Weg forcieren, unsere Talente in der ersten Liga spielen zu lassen. Der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist riesengroß. Wir müssen in der Ausbildung und Förderung den Leistungssportgedanken forcieren“, fordert Leun.

In seiner Mannschaft sieht der ehemalige Coach des damaligen Erstligisten TV Mainzlar durchaus einige Spielerinnen mit großem Potential. „Susann Müller hat sicher die derzeit größten Chancen, ins A-Nationalteam aufzurücken, sie war ja auch schon mal dabei. Sie ist ein starker Shooter und kann mit den entsprechenden Nebenspielerinnen, wie man in Leipzig sieht, einiges bewegen“, so Leun über die rechte Rückraumspielerin. „Auch Nadja Nadgornaja hat die Perspektive. Es war vor der WM sicher unser Vorteil, dass sie sich in der Bundesliga freigeschwommen hat, bis sie dann ihre Daumenverletzung außer Gefecht setzte. Wenn die Angst vor der Verletzung wieder weg ist und sie wieder ihre Stärke ausspielen kann, dass auf die Lücke gehen, dann wird sie sicher wieder Fuß fassen.“

Auch Rechtsaußen Kira Eickhoff spielt mittlerweile bei der DJK MJC Trier in der ersten Liga. „Kira Eickhoff muss sicher noch einige wichtige Schritte machen. In Sachen Sprungkraft oder Sprungtechnik fehlt ihr noch einiges. Außerdem sind ihre Leistungen sehr schwankend, sie wirft gegen Polen 11 Tore bei 12 Versuchen und dann gegen Slowenien, als es zählte, trifft sie nichts mehr. Sie muss noch an ihrem Sprung arbeiten, sie springt sehr flach“, zählt Leun auf. „Für sie ist es gut, dass sie in der ersten Liga spielt“, sieht der Trainer auch hier Potential.

Mit der TSG Ketsch kommt auch Elisabeth Garcia-Almendaris zu vielen Spielanteilen in der Bundesliga. „Sie hat alle Voraussetzungen, um modernen Handball zu spielen. Sie muss in der Deckung noch zulegen, aber in Sachen Technik und Athletik bringt sie alles mit“, stellt Leun fest. Überhaupt lobt Leun die Arbeit der TSG, die in dieser Runde schon für einiges Aufsehen mit ihrer jungen Mannschaft gesorgt hat: „Ketsch ist da sicher eine positive Ausnahme, die Spielerinnen sind athletisch topfit, es gibt ein durchdachtes System mit dem die jungen Spielerinnen aufgebaut werden. Das ist bemerkenswert, mit welchen Mitteln da Karin Euler diese Arbeit leistete Es ist ja auch kein Wunder, das mit Marlene Zapf, Elisabeth Garcia-Almendaris und Friederike Gubernatis gleich drei Spielerinnen aus Ketsch im Kader sind.“

Dirk Leun sieht derzeit die größten Probleme nicht in der sportlichen Entwicklung, sondern im Terminplan und daraus folgend aus der Organisation der Nachwuchsförderung. „Wir müssen uns fragen: Was soll ein Talent können, was fordern wir? Auswahltraining kann keine individuellen Defizite aufarbeiten, deshalb ist es wichtig, dass die Spielerinnen viel Spielpraxis in der ersten Liga haben“, stellt Leun fest. „Unser Etat für Auswahlmaßnahmen steht und ist auch auseichend. Natürlich hätte man immer gerne mehr Auswahlmaßnahmen, wichtiger wäre es aber, einen sorgfältig aufeinander abgestimmten Plan auf die Beine zu stellen“, so Leun.

Es sei eine kaum zu stemmende Aufgabe, den Ausgleich zwischen Ligaplan, Jugendspielen und internationalem Terminplan zu schaffen. Entscheidend ist die Frage, wann und wo die Spielerinnen belastet sind. Die meisten davon sind in der ersten und zweiten Liga gefordert und müssen dann auch noch zum denkbar ungünstigsten Termin in den Jugendmeisterschaften ran“, zählt Leun auf.

„Das war sicher auch ein Grund, warum wir bei der EM im Sommer schlechter drauf waren als bei der Qualifikation an Ostern. Die Anzahl der Lehrgänge auf DHB-Ebene ist also OK, aber der Termin der Jugendmeisterschaften ist unhaltbar. Kein Trainer, der Ahnung von seiner Arbeit hat, würde so einen Plan akzeptieren, da ist keine vernünftige Regeneration möglich“ kritisiert der Trainer.

„Der DHB wäre gut beraten, wenn man in Zukunft einen festen Termin setzt, zu dem die Meister der Regionalverbände feststehen müssen., Es kann nicht sein, das wie in der letzten Saison der Westdeutsche Meister zur deutschen Meisterschaft sieben Woche Pause hat und dass weil der Süden keine Regionalliga hinbekommt und deshalb viel länger braucht, bis ein Meister feststeht“, bemängelt Leun, der sich in diesem Zusammenhang eine besser auf die Bedürfnisse der Spielerinnen abgestimmten Rahmen wünscht.