22.03.2021 12:57 Uhr - 2. Bundesliga - Sebastian Schmidt - HNA, SG09

Kirchhof nach 22:30 gegen Spitzenreiter Zwickau auf Abstiegsplatz

Greta Kavaliauskaite Greta Kavaliauskaite
Quelle: Richard Kasiewicz, SG09
Erleichterte Gesichter und eine Niederlage passen eigentlich nicht zusammen. Zumal wenn diese das Abrutschen auf einen Abstiegsplatz zur Folge hat. Dennoch gibt es gute Gründe, warum im Lager der SG 09 Kirchhof nach dem 22:30 (7:16) gegen den BSV Sachsen Zwickau in der 2. Handball-Bundesliga die Zuversicht überwog.

Zu klar war die Rollenverteilung im Vorfeld. Hier personell arg gebeutelte Gastgeberinnen ohne die Stammkräfte Nela Zuzic, Jana Schaffrick, Hannah Kamp, Katharina Hufschmidt (alle verletzt) und Klara Schlegel (zog mit Österreich in die 2. Runde der WM-Qualifikation ein). Dort der Gast als frisch gebackener Tabellenführer mit einem breiten Kader und der Option, jederzeit gleichwertig tauschen zu können.

Kein Wunder, dass es für den BSV ein Start-Ziel-Sieg wurde. Da hatte jede Parade von Ela Szott Hand und Fuß. Da war gegen die Erstliga erprobte Pia Adams und Alisa Pester im Mittelblock kein Kraut gewachsen. Und da trafen die Außen Anna-Lena Hausherr (links) und besonders sehenswert Rebeka Ertl nach Belieben im Gegenstoß. Über 7:2 (10.) war bereits nach 22 Minuten und Hausherrs Tor zum 12:3 nur noch die Höhe der Kirchhöfer Niederlage fraglich. "Wir wollten dem Gegner früh die Hoffnung nehmen und zeigen, dass wir die bessere Mannschaft sind", sagte Zwickaus Trainer Norman Rentsch.

Allerdings - und da kommen die Lichtblicke der SG 09 - diesmal fielen die Löwinnen nicht wie beim 19:37-Debakel in Lintfort und beim 14:24 in Berlin auseinander. Nein, Trainer Martin Denk machte aus der Not eine Jugend. Nahm seine Kapitänin Diana Sabljak von der Platte ("Sie sollte sich nicht weiter aufreiben. Wir brauchen sie in den nächsten Spielen.") und schenkte den Jüngsten im Aufgebot Vertrauen.

Die zahlten es eindrucksvoll zurück. Die 19-jährige Ida Evjen glänzte erstmals als Torjägerin, warf sieben blitzsaubere Treffer und behielt dabei zweimal vom Siebenmeterpunkt die Nerven. Die aufmerksame 17-jährige Marie Sauerwald zeigte eine komplette Halbzeit auf Linksaußen, dass sie eine Alternative sein kann. Der 18-jährigen Emilia Prauss gelang ihr erstes Zweitliga-Tor.

Besonders aber machte die gleichaltrige Katharina Koltschenko auf sich aufmerksam. Völlig unbekümmert gab der Sommer-Neuzugang von Landesligist Eintracht Baunatal den Terrier. Belohnte den Mut zur Umstellung auf eine aggressive 5:1-Deckung, in der sie an der Spitze gehörig die Wege des Spitzenreiters einengte. "Da haben wir gesehen, woran wir noch arbeiten müssen. Für uns zählt jedes Tor, um vorne zu bleiben", erklärte Rentsch, dass dessen Team nichts zu verschenken hatte.

Doch die SG 09 wehrte sich nicht nur defensiv nach Kräften, sondern fand auch im Angriff wieder in die Spur und gewann die zweite Halbzeit. Daran hatte nicht nur die junge Norwegerin Evjen ihre Aktien, sondern vor allem auch Greta Kavaliauskaite. Die Abwehrspezialistin aus Litauen, die auf die WM-Quali verzichtete, um der SG 09 zu helfen. Das tat sie unermüdlich auf ihrer Zweitposition am Kreis.

So hielten die Gastgeberinnen das Resultat über 10:16 (36., Spatz) und 14:25 (49. Kavaliauskaite) mit 22:30 ((60., Evjen) im erträglichen Rahmen. Und schöpften neuen Mut für die "Wochen der Wahrheit" (Zitat Trainer Denk).