01.03.2021 11:46 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

HSG Blomberg-Lippe kämpft sich mit letzter Kraft zum Unentschieden gegen Handball-Luchse

Kamila Kordovska setzt sich durchKamila Kordovska setzt sich durch
Quelle: Matthias Wieking, HSG
Keine 48 Stunden nach dem vielumjubelten Sieg im Topspiel gegen den Thüringer HC, musste sich die HSG Blomberg-Lippe am Sonntagnachmittag mit einem Punkt gegen Aufsteiger Buchholz 08-Rosengarten begnügen. Dabei deutete anderthalb Minuten vor dem Ende beim Stand von 25:28 sogar vieles auf eine Heimniederlage hin. Mit letzter Kraft erkämpfte sich der lippische Handball-Bundesligist dann jedoch noch ein 28:28 (14:15)-Unentschieden gegen den Tabellendreizehnten.

"Wenn mir jemand vor dem Spiel gegen Blomberg einen Punktgewinn angeboten hätte, dann hätte ich das bedingungslos angenommen. Doch bei dem Spielverlauf bin ich doch ein wenig traurig. Wir müssen mit dem einen Punkt leben, auch wenn mehr möglich gewesen wäre. Beängstigend finde ich allerdings die Tatsache, dass wir jeden Erfolg mit einer verletzten Spielerin bezahlen müssen. So wird unsere Personaldecke immer dünner und ein erfolgreicher Abstiegskampf immer schwerer", so Sven Dubau, Geschäftsführer der Handball-Luchse.

Keine 15 Minuten nach dem Spielende richtete sich bei Blomberg der Fokus am Freitagabend nach dem Sieg gegen den THC bereits auf die kommende Aufgabe gegen Buchholz 08-Rosengarten. HSG-Trainer Steffen Birkner ließ die komplette Mannschaft noch einmal zum gemeinsamen Auslaufen antreten und warnte vor einer "sehr schwierigen Aufgabe" gegen den Aufsteiger. Nicht nur weil das direkte Duell in der Hinrunde bereits eine knappe Angelegenheit war (die HSG siegte hauchdünn mit 27:26), sondern auch, weil die Handball-Luchse am Freitag spielfrei hatten und gut erholt in die Begegnung mit der HSG starten konnten.

Dass das Team aus der Nelkenstadt das Duell gegen die Thüringerinnen noch in den Knochen hatte, wurde schnell deutlich. Zwar konnte Ann Kynast nach elf Minuten mit dem Treffer zum 6:4 eine knappe Führung für ihr Team erzielen, von der Spritzigkeit und dem hohen Tempo vom Freitag fehlte jedoch auch in der Anfangsphase bereits jede Spur. Dies merkten auch die Gäste aus Niedersachsen, welche ihre Chance witterten und nach 16 Minuten durch die ehemalige Blombergerin Kim Berndt erstmals mit 6:7 in Führung gingen. Zum Ende des ersten Abschnitts unterliefen der HSG zunehmend mehr einfache Fehler, welche die Handball-Luchse aus HSG-Sicht mit einem 1:5-Lauf bestraften und Blomberg mit einem 14:15-Rückstand in die Halbzeit ging.

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Auffällig in der ersten Halbzeit war die effektive Wurfquote der Luchse, die sehr geduldig spielten und meistens nur abschlossen, wenn sie in aussichtsreicher Position waren. Besonders Sarah Lamp erkannte bei ihrem dynamischen Spiel jede Lücke und traf dann sicher. Bei weniger technischen Fehlern wäre eine deutlichere Führung, des Aufsteigers möglich gewesen, denn die Deckung stand gut und die Mannschaft war von Duvravko Prelcec blendend auf die Herausforderungen in Blomberg eingestellt."

Auch im zweiten Abschnitt bot sich über weite Phasen ein ausgeglichenes Spiel. Bei einem Abwehrversuch verletzte sich Luchse-Torhüterin Mareike Vogel und konnte nicht mehr eingesetzt werden. Als HSG-Spielmacherin Nele Franz nach 44 Minuten zum 20:20 traf, war es in der Folge jedoch der Aufsteiger, der noch einmal das Tempo anzog und sich bis zur 50. Minute beim Stand von 21:24 eine Drei-Tore-Führung erspielte. Als die starke HLBR-Spielmacherin Kim Berndt, welcher am Ende 12 Treffer gelingen sollten, anderthalb Minuten vor dem Ende der Begegnung zum 25:28 traf, glaubten wohl nur noch die wenigstens Fans der Lipperinnen an einen Punktgewinn.

Doch die Mannschaft tat es, löste die Abwehr komplett auf und ging fortan volles Risiko. Nur wenige Sekunden nach dem Treffer von Berndt schlug es durch HSG-Linksaußen Cara Reiche bereits wieder auf der anderen Seite ein. In einer sehr hektischen Schlussphase bekam im Gegenzug Marleen Kadenbach die große Chance für die Niedersachsen, den Sieg für die Handball-Luchse perfekt zu machen. Doch die Topscorerin der Gäste scheiterte frei durch an Torfrau Melanie Veith. Nun ging es Schlag auf Schlag. Auf der Gegenseite fackelte HSG-Youngster Ann Kynast nicht lange und verkürzte 50 Sekunden vor dem Ende auf 27:28.

Wieder frei durch bekam im Anschluss Gäste-Spielerin Fatos Kücükyildiz den Ball, vertendelte den Ball jedoch auf den letzten Metern vor dem HSG-Tor ohne Bedrängnis. Und so bat sich dem Team aus der Nelkenstadt dann doch noch einmal die nicht mehr für möglich gehaltene Chance auf den Ausgleich. Während den Luchsen völlig die Nerven fehlten, behielt die 19-jährige Ann Kynast kühlen Kopf, fasste sich zehn Sekunden vor dem Ende noch einmal ein Herz und versenkte den Ball zum 28:28 im Tor der Gäste.

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Rosengarten-Trainer Dubravko Prelcec nahm acht Sekunden vor dem Ende noch einmal eine Auszeit, um den letzten Angriff in Ruhe zu planen. Doch nach Wiederanpfiff scheiterte erneut Kucukyildiz aus dem Rückraum an Veith, welche den Punktgewinn für die HSG festhielt. Beste Werferin auf Seiten der HSG war mit 9/5 Treffern einmal mehr Nele Franz.

Enttäuscht zeigte sich nach Spielende Prelcec, welcher vor der Begegnung jedoch nicht zwingend mit einem Punkt in Blomberg gerechnet hätte: "Natürlich haben wir gehofft, dass die HSG heute etwas müde ist und ich glaube, dass war sie auch. Nun stehe ich hier und bin nach dem Spielverlauf natürlich enttäuscht, nur einen Punkt mitzunehmen. Wir haben das heute über 58 Minuten sehr gut gemacht. Am Ende fehlt uns die Abgezocktheit. Auf dieser Leistung und der Hingabe meines Teams können wir aber aufbauen und werden in den kommenden Wochen weiter für den Ligaerhalt kämpfen", so der Trainer der Gäste.

HSG-Trainer Steffen Birkner zeigte sich auf der Pressekonferenz unzufrieden mit der erbrachten Leistung: "Am Freitag machen wir noch ein überragendes Spiel, heute machen wir viele Dinge falsch. Da möchte ich mich auch gar nicht rausnehmen. So eng liegt das manchmal beieinander. Es war klar, dass wir auf einen Gegner treffen, der um jeden Ball fightet und ausgeruhter sein wird, als wir es nach der Material-Schlacht gegen den THC waren. Dass heute bei uns der ein oder andere Prozentpunkt im Kopf und Körper fehlt, ist klar, darf am Ende des Tages aber keine Ausrede sein."

Den Blomberger Coach stimmte vor allem der Schlusssprint versöhnlich. "In den letzten anderthalb Minuten muss ich jedoch den Hut vor meiner Mannschaft ziehen. Zu diesem Zeitpunkt noch dran zu glauben, dass noch etwas möglich ist, beweist die großartige Moral meines Teams. Nach diesem Verlauf bin ich natürlich froh, diesen Punkt noch mitgenommen zu haben. Natürlich war es unser Ziel, die Punkte gegen den THC heute zu vergolden. Am Ende haben wir sie nun nur versilbert", so Birkner.