22.02.2021 10:19 Uhr - 2. Bundesliga - Denis Geger, SVW und Vanessa Frey - Kreiszeitung Böblingen

Werder Bremen punktet nach Aufholjagd in Herrenberg

3 Tore: Merle Heidergott3 Tore: Merle Heidergott
Quelle: Hansepixx, SVW
In einem nervenaufreibenden Spiel holen die Werder-Handballerinnen, beim Tabellendritten aus Herrenberg, am Ende einen Punkt. Nach einer zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Führung im ersten Durchgang und einem Sechs-Tore-Rückstand in der zweiten Halbzeit heißt es am Ende 26:26-Unentschieden zwischen dem SV Werder und der SG H2Ku Herrenberg.

"Bis zur 48. Minute war es ein gefühlter Punktverlust für uns, betrachtet man die Schlussphase, war es tatsächlich ein Punktgewinn", resümierte Kuties-Coach Mike Leibssle. "Das Unentschieden wäre sicherlich vermeidbar gewesen. Aber es war auch klar, dass wir daheim nicht komplett mit einer weißen Weste durch die Runde kommen." An ihrer Platzierung hat sich dadurch nichts geändert, die SG steht mit 26:6 Punkten weiterhin auf einem soliden dritten Platz.

Die Partie war zu Beginn ausgeglichen, doch Werder-Trainer Robert Nijdam sah Verbesserungspotenzial und nahm beim Stand von 3:4 (9.) die erste Auszeit. Diese zeigte auch die erhoffte Wirkung und Werder ging beim 6:5 (13.) durch Alina Defayay erstmals in Führung. Durch zwei Treffer von Naomi Conze konnten die Bremerinnen die Führung sogar auf 8:5 (16.) ausbauen. "Nachdem wir ordentlich begonnen hatten, hatten wir in der Defensive überhaupt keinen Zugriff mehr", haderte Leibssle.

Werder war nun sehr gut drin im Spiel. Nach dem 12:7 für die Gäste (23.) reagierte Leibssle mit einer offensiveren Abwehrvariante und beorderte die flinke Marie-Christin Beddies nach vorne. "Ich wollte damit das Timing von Werder stören und ihre mannschaftstaktische Ausrichtung unterbrechen", erklärte der Coach. Werders Spielfluss war unterbrochen und so kassierte Bremen kurz vor dem Pausenpfiff noch den 14:13-Anschlusstreffer.

Auch nach Wiederanpfiff hielt Mike Leibssle an seiner offensiven 5:1-Abwehrformation fest. "Marie-Christin hat das gut gelöst", lobte der Reutlinger, "bis dahin hatten wir diese Variante kaum trainiert, deshalb können wir sehr zufrieden sein."

Den besseren Start in die zweite Halbzeit hatten dann die Gastgeberinnen und Bremen geriet mit 15:18 (37.) in Rückstand. Nijdam nahm das Time-Out, um wieder Ruhe in seine Mannschaft zu bringen, doch der SVW tat sich auch in der Folge schwer gegen die gute 5:1-Deckung der Gastgeber und nur rund zweieinhalb Minuten später musste Nijdam bereits seine letzte grüne Karte ziehen.

Auch die Angriffsleistung der Kuties nahm in der zweiten Halbzeit zunehmend Fahrt auf. "Die Bremerinnen hatten ihrerseits kaum noch Lösungen gegen unsere Abwehr", schilderte Leibssle, "das hat uns natürlich Aufwind gegeben." Herrenberg schien immer die passende Antwort auf die Bremer-Angriffe zu haben und so geriet Werder mit 18:24 (49.) in Rückstand.

Wer dachte, das Spiel sei nun entschieden, der täuschte sich. "Wir nehmen uns ungenaue Würfe, produzieren technische Fehler und haben auch noch Pech mit drei Pfostentreffern", ärgerte sich Leibssle über die Schlussphase seiner Mannschaft.

Werder holte Tor um Tor, Nina Engel und Merle Heidergott sorgten für die Tore im Angriff und Danique Trooster vernagelte das Tor. Beim 24:24 (57.) durch Engel fiel dann der Ausgleich und die 17-jährige Rückraumspielerin war es dann auch, die Werder mit 25:24 in Führung brachte. Am Ende reichte es aber für keines der Teams zum Sieg und Werder trennt sich mit einem 26:26-Unentschieden von der SG H2Ku Herrenberg. "Ein Wechselbad der Gefühle", so Leibssle, "in der letzten Minute muss Bremen das Spiel gewinnen, deshalb sind wir umso glücklicher über diesen Punkt."

"Ich bin stolz auf die Mannschaft", freute sich Werders Cheftrainer Robert Nijdam nach dem Spiel. "Wir haben den Punkt verdient. In der ersten Halbzeit spielen wir sehr stark. Die Unterzahl-Situation und unsere eigenen Fehler bringen Herrenberg erst zurück ins Spiel", so Nijdam. Der Niederländer war insbesondere froh darüber, dass seine Mannschaft sich nicht aufgegeben hat: "Wir sind zu hektisch geworden, ich musste die frühen Auszeiten nehmen, um wieder Ruhe ins Spiel zu bringen. Es war noch viel Zeit auf der Uhr und wir haben es dann kämpferisch sehr gut gemacht."

Die Werder-Damen sind in dieser Saison das erste Team, das überhaupt einen Punkt aus der Markweghalle in Herrenberg entführen konnte und verbessert das Punktekonto auf 13:19 Punkte. Nächstes Wochenende müssen die Kuties beim HSV Solingen-Gräfrath 76 ran. "Und der ist angesichts eigener Leistungschwankungen vermutlich ebenso verunsichert wie wir nach dieser Partie", wagte der Kuties-Trainer gleich einen vorsichtigen Ausblick.