19.02.2021 17:45 Uhr - 2. Bundesliga - Ralf Ohm, HNA, Sport Schwalm-Eder, Melsungen

Kirchhofs Mittelblock gegen Solingen besonders gefordert

Udo HornUdo Horn
Quelle: Richard Kasiewicz, SG09
Hat die SG 09 Kirchhof ihre Lektion gelernt? Das ist die wohl spielentscheidende Frage vor dem Gastspiel des HSV Solingen/Gräfrath beim abstiegsbedrohten Handball-Zweitligisten (Sa. 18 Uhr, Stadtsporthalle Melsungen).

Im Grunde sind es zwei Lektionen: die aus der 23:35-Hinspielpleite und die aus der letzten 27:29-Niederlage beim Tabellenvorletzten HC Rödertal. Anderthalb Stunden hat sich Interimstrainer Horn am Montag im Training Zeit genommen, um den Sieben-Minuten-Fehlstart in Großröhrsdorf (1:6) aufzuarbeiten. Ein klares Versagen der Offensive, die mit der gegnerischen 5:1-Deckung überhaupt nicht zurecht kam, Dynamik und Tempo vermissen ließ, um in die sich bietenden Räume stoßen zu können.

Einzige Lichtblicke: Greta Kavaliauskaite, die besonders nach der Pause für mächtig Druck aus dem Rückraum sorgte. Und Linksaußen Zerin Özcelik, die ein passables Comeback feierte. Bei Rechtsaußen Iva van der Linden machte sich die (fast viermonatige) Verletzungspause wesentlich mehr bemerkbar, so dass morgen wohl Katharina Hufschmidt auf ihrer Position beginnen wird. Wieder zurück: Ida Evjen, die zumindest für das ein oder andere Tor aus der zweiten Reihe gut ist.

In Solingen war die SG-Abwehr das zentrale Problem, die Torjägerin Vanessa Brandt (13/7) nie in den Griff bekam. Die 21-jährige Halblinke kam immer wieder erfolgreich über die Mitte. In ihrem Windschatten gab Spielmacherin Mandy Reinarz (6) dem Gast aus Nordhessen den Rest. "Schnell verschieben und gut übernehmen", lautet daher das Motto des SG-Coaches für seine 6:0-Deckung, wobei es insbesondere darauf ankommt, "dass unser Mittelblock gut harmoniert." So gut, dass auch die gefährliche Kreisläuferin Carina Senel nicht zur Entfaltung kommt.

Ihre Lektion gelernt haben die Westdeutschen. Als Tabellenletzter der letzten (abgebrochenen) Saison starteten sie in der laufenden bis auf den vierten Platz durch. "Die Mannschaft hat eine tolle Entwicklung gemacht", freut sich Trainerin Kerstin Reckenthäler, die mit dem HSV 2019 in die 2. Liga aufstieg. Es war der zweite große Erfolg nach der Deutschen Meisterschaft mit der A-Jugend von Bayer Leverkusen (2014 und 2015) in der Trainerkarriere der 18fachen Nationalspielerin, die als Spielerin nach einer Knieoperation bereits mit 23 Jahren passen musste.

Allerdings: "Der Überraschungseffekt ist mittlerweile verpufft" (Reckenthäler). Unterschätzt wird der HSV nämlich nicht mehr, musste sich zuletzt in Bremen mit 24:26 beugen. Also spricht die Gymnasiallehrerin vor der Partie in Melsungen von einem "schwierigen Spiel, in dem wir alles geben müssen, um eine Siegchance zu haben."

Gegen eine Mannschaft, die an ihre starke Heimleistung gegen Bremen (33:21) anknüpfen will. Doch dazu muss sie, so Udo Horn, der die SG zum letzten Mal vorbereitet, weil Trainer Martin Denk wieder gesund ist, "ihr Potenzial abrufen." Also ihre beiden Lektionen lernen.

Die Partie im Livestream auf Sportdeutschland.TV