08.02.2021 15:39 Uhr - 2. Bundesliga - Vanessa Frey - Kreiszeitung Böblingen

SG H2Ku Herrenberg hat gegen Red Sparrows Freiburg den längeren Atem

Die Kuties um Annika Blanke (Szene aus dem Hinspiel) setzten sich durchDie Kuties um Annika Blanke (Szene aus dem Hinspiel) setzten sich durch
Quelle: Red Sparrows Freiburg
Hartes Stück Arbeit: Das 28:26 der SG H2Ku Herrenberg in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen gegen Abstiegskandidat Freiburg hing phasenweise am seidenen Faden. "Ich bin in erster Linie glücklich über die zwei Punkte", freute sich Trainer Mike Leibssle, blieb seine Mannschaft doch weiterhin ungeschlagen in eigener Halle. Um aber auch kritisch anzumerken: "Das war wieder keine souveräne Leistung gegen eine Mannschaft von weit unten."

Wie es ist, auf einen Gegner zu treffen, der als Vorletzter mit dem Rücken zur Wand steht und fast nichts mehr zu verlieren hat, dennoch aber hochmotiviert zu Werke geht, bekamen die Kuties von der ersten Minute an zu spüren. Vor allem die extrem offensive Abwehr der HSG Freiburg, die phasenweise den kompletten SG-Rückraum an die kurze Leine zu legen versuchte, bereitete den Gastgeberinnen mit zunehmender Dauer immer mehr Probleme.

Dabei sorgten Kerstin Foth und Saskia Hiller für die schnelle 2:0-Führung, erneut Hiller baute den Vorsprung beim 7:4 erstmals auf drei Tore aus. "Mit der Anfangsphase konnte ich noch zufrieden sein", so Leibssle, "danach schlich sich immer mehr der Schlendrian ein." Spätestens nach dem 11:8 von Annika Blanke stockte das Angriffsspiel.

Zu wenig Bewegung, zu statisch - so war den Freiburgerinnen nicht beizukommen, die beim 11:11 den Ausgleich schafften, weil sich die SG H2Ku einige unnötige Zeitstrafen leistete. "Auch unsere Wurfqualität war mangelhaft." Die Angreiferinnen der Gäste waren zwar nicht sonderlich großgewachsen, dafür wuselig und dadurch schwer in den Griff zu bekommen. Wobei sie auch ihren von Herrenberg großzügig gewährten Freiraum zu nutzen verstanden.

In den letzten zehn Minuten vor der Pause wurde die Partie immer zerfahrener. Aus dem 14:12 von Annika Bissel machte Freiburg ein 14:14. Marie-Christin Beddies traf zwar ins leere Tor, als die Gäste aus dem Breisgau auf eine zusätzliche Feldspielerin setzten, doch den nachfolgenden Tempogegenstoß und damit die Chance zum 16:14 setzten die Kuties wieder in den Sand.

Das rächte sich. Freiburg ließ sich nach dem Wechsel nicht abschütteln, glich jeweils postwendend aus und hatte nach zwei unnötigen Ballverlusten der SG beim 17:16 das Spiel gedreht. "Uns ist fünf Minuten lang kein gescheiter Angriff gelungen", haderte der SG-Trainer. Für seine Mannschaft war dieser Rückstand der überfällige Weckruf, vor allem Laura Waldenmaier war mit starken Paraden ein wichtiger Rückhalt. Carolin Tuc egalisierte, Annika Bissel legte vor, ein Doppelpack von Saskia Hiller bedeutete das 20:17, und Lea Neubrander machte mit dem 21:17 den 5:0-Lauf perfekt. War das schon eine Vorentscheidung?

Die nächste Aufgabe bei Kellerkind Wuppertal wird auch unangenehm


Freiburg ließ nicht locker, wirkte auch über weite Strecken der zweiten Hälfte giftig, marschierte unermüdlich übers Parkett der Markweghalle, zeigte kämpferisch eine bemerkenswerte Leistung. Die SG H2Ku verteidigte zwar ihre Führung, konnte sich aber selbst nach dem 24:20 (48.) von Kerstin Foth nicht sicher sein. Ruck, zuck waren die Gäste nach zwei Tempogegenstößen und einem weiteren Treffer wieder dran - 24:23. Vor allem Kerstin Foth war es zu verdanken, dass die Gastgeberinnen nicht vom Kurs abkamen. Drei der nächsten vier Tore erzielte sie selbst, dazwischen nutzte Youngster Ronja Bühler eine Überzahlsituation mit einem Tor von außen - 28:24.

Das war für Freiburg nicht mehr aufzuholen. Das kraftraubende Spiel der Gäste forderte Tribut, die Würfe wurden unplatzierter und die Anfeuerungsrufe von der Bank leiser. Die Kuties bewiesen den längeren Atem, verteidigten gut gegen sieben Feldspielerinnen, die beiden Gegentore zum 28:26-Endstand waren allenfalls Ergebniskosmetik aus Sicht der Gäste. "Ich wusste, dass Freiburg das nicht bis zum Schluss durchhalten konnte", sah sich auch Mike Leibssle bestätigt.

Damit ist die SG H2Ku weiterhin Dritter, drei bleibt in Tuchfühlung zu den führenden Teams Füchse Berlin und Sachsen Zwickau. Nächster Gegner am Samstag: TVB Wuppertal. Wieder ein Kellerkind, wieder eine unangenehme Aufgabe.

SG H2Ku Herrenberg: Waldenmaier, Elbert;
Blanke (4), Foth (7), Neubrander (4), Hiller (4), Bissel (4), Bok (1), Beddies (1), Schoeneberg (1), Tuc (1), Bühler (1)

Die Partie im Livestream auf Sportdeutschland.TV