24.11.2020 16:15 Uhr - 1. Bundesliga - dab

Neustart nach dem zweiten Kreuzbandriss: Delaila Amega auf dem Weg zum Comeback

Delaila Amega in der RehabilitationDelaila Amega in der Rehabilitation
Quelle: Delaila Amega
Vor knapp zwei Monaten erlitt Delaila Amega den zweiten Kreuzbandriss ihrer Karriere. Für die Nationalspielerin von Borussia Dortmund ein Schock - gerade nach der positiven Entwicklung der letzten zwölf Monate. Mit positiver Energie arbeitet sie derzeit in der Reha an ihrem erneuten Comeback - und für ihren Traum von den Olympischen Spielen.

Eigentlich war Delaila Amega zuletzt auf einem guten Weg. Mit dem niederländischen Nationalteam gewann die 23 Jahre alte Spielmacherin vor einem Jahr die Weltmeisterschaft - und der Wechsel von der TuS Metzingen zu Borussia Dortmund bot ihr die Chance, erstmals auch in der Champions League aufzulaufen.

Doch schnell kam der Schock. In ihrer zweiten Partie in der Königsklasse ende September verletzte sich Amega gegen Brest Bretagne HB am rechten Knie. Sofort machten sich die ersten Befürchtungen breit: Bereits vor knapp zwei Jahren hatte Amega sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen, die Verletzung war daher bekannt. Schon einen Tag später, ausgerechnet an ihrem Geburtstag, kam die Diagnose: Der zweite Kreuzbandriss bedeutet eine erneute Zwangspause von mindestens acht Monaten. Ihren Ehrentag hatte die 23-Jährige sich sicherlich anders vorgestellt.

Nur vier Tage nach der Diagnose fand die Operation bei einem Kniespezialisten im bayrischen Straubing statt; seitdem erholt sich Amegaa in ihrer Heimat Heerhugowaard im Norden der Niederlande. "Anfangs hatte ich starke Schmerzen." Der Vergleich zu ihrem ersten Kreuzbandriss fällt ihr jedoch schwer: "Wahrscheinlich habe ich es verdrängt."

Reha in Arnhem




Bereits in der vierten Woche begann für die Spielmacherin schon die Rehabilitation - von montags bis freitags arbeitet Amega seitdem im National Sports Centre Papendal, in Arnhem an ihrem Comeback. "Hier gibt es wirklich alles, was man benötigt, um wieder fit zu werden", betont die 23-Jährige.

Anfangs standen hauptsächlich die physiotherapeutische Behandlung des verletzen Knies sowie Krafttraining für den Oberkörper auf dem Programm. Mittlerweile trainiert Amega bereits mit reduziertem Körpergewicht auf dem Anti-Schwerkraft-Laufband und nimmt für das Wurftraining schon wieder den Ball in die Hand.

Neben einem eigenen Physiotherapeuten steht Amega auch ihr früherer Krafttrainer Auke Klarenbeek aus der Jugendnationalmannschaft zur Seite. "Wir sprechen die Wochenziele immer gemeinsam ab", berichtet die Niederländerin. "Ich habe in meiner Reha-Zeit gelernt, auf mich und meinen Körper zu hören. Es ist extrem wichtig zu wissen, was gut für mich ist."

Einige Einheiten absolvierte Amega gemeinsam mit Teamkollegin Estavana Polman aus der niederländischen Auswahl und deren Personaltrainer. Auch die 28-jährige Mittelspielerin hatte sich im August in einer Trainingseinheit mit dem Team Esbjerg einen Kreuzbandriss zugezogen. Von der aktuellen Corona-Lage bekommt Amega in der Reha hingegen nicht viel mit. "Hier in Papendal bin ich relativ isoliert", sagt sie. "Es tut gut, nicht jede Sekunde mit dem Thema konfrontiert zu werden."

Auch mental eine Herausforderung




Denn aktuell hat die die 23-Jährige mit ihrer Verletzung bereits genug zu kämpfen - nicht nur die körperliche Rehabilitation ist anstrengend, auch mental ist die Situation eine Herausforderung. "Ich brauchte nach der Verletzung den Abstand zum Handball, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen und die Reha mit Spaß anzutreten".

Ganz besonders viel Kraft habe ihr auch die Zeit zu Hause bei ihrer Familie und ihren Freunden gegeben. "Ich verfolge jedes Spiel meines Teams und merke, wie sehr ich es vermisse, auf dem Feld zu stehen". Gerade die Champions League treibt sie an: "Die Erinnerung an diese Momente gibt mir Kraft, die Reha durchzuziehen."

In wenigen Tagen kehrt Amega in Begleitung von Hündchen Nola zurück nach Dortmund. "Ich freue mich unglaublich, die Mädels nach so langer Zeit wieder zu sehen", betont die Niederländerin. Bei Borussia Dortmund wird sie weiterhin im Kraftbereich und läuferisch an sich arbeiten. Der nächste Schritt ist die langsame Heranführung an das Mannschaftstraining. "Wann genau ich wieder dran teilnehmen darf, weiß ich noch nicht. Diese Entscheidung treffe ich dann in Abstimmung mit dem Trainerteam."

In ungefähr sechs bis sieben Monaten - so ihr Ziel - will Amega auf das Handballfeld zurückkehren. Die Olympischen Spiele in Tokio im Sommer 2021 hat sich die junge Nationalspielerin als Ziel gesetzt; die Niederlande sind bereits qualifiziert. "Rein zeitlich gesehen, könnte ich es schaffen, rechtzeitig wieder fit zu sein", hofft Amega. Druck machen wolle sie sich jedoch nicht: "Ich nehme mir so viel Zeit, wie mein Knie braucht."

Angst, sich erneut zu verletzten, hat Amega nicht - obwohl sie aufgrund ihres ersten Kreuzbandrisses, des Abbruchs der vergangenen Spielzeit und der erneuten Verletzung schon länger keine komplette Saison mehr durchspielen konnte. "Ich sehe es als einen persönlichen Neustart an", gibt sie sich optimistisch. "Vielleicht brauchte ich einfach zwei neue Kreuzbänder und kann jetzt erst richtig loslegen."

22.09.2020 - Borussia Dortmund bestätigt schwere Verletzung bei Weltmeisterin Delaila Amega