23.11.2020 10:56 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

"Schwache Phase" der Frisch Auf Frauen hält auch bei Buchholz 08-Rosengarten an

6 Tore: Kim Berndt6 Tore: Kim Berndt
Quelle: HL Buchholz 08-Rosengarten
Es gibt Rückfahrten, die sich ewig in die Länge ziehen. Die einem vorkommen, als stünde man im Stau, obwohl man fährt. Speziell nach Niederlagen. Eine solche Rückfahrt mussten die Frisch Auf Frauen am Samstag aus dem knapp 700 Kilometer entfernten Landkreis Harburg hinter sich bringen nach dem 26:30 (12:16) bei Aufsteiger HL Rosengarten-Buchholz. "Das war sehr bitter heute, keine Frage. Wir haben viel zu einfache Tore kassiert und vorne einige Großchancen nicht verwertet", sagte Spielmacherin Pascale Wyder, die dreimal traf. "Wir müssen jetzt die richtigen Schlüsse aus der Partie ziehen und gut trainieren, um nach der EM-Pause bereit zu sein."

In der Saison 2020/21 haben beide Teams jetzt zwei Siege auf ihrem Konto, allerdings verbleiben die Luchse mit 4:16 Punkten auf dem 14. Platz, da die Göppingerinnen erst acht Spiele austragen konnten und mit 4:12 Zählern weniger Minuspunkte auf ihrem Konto aufweisen. In dem schnellen und fairen Spiel konnten sich bei den Luchsen Kim Berndt, Jessica Oldenburg und Fatos Kücükyildiz mit jeweils sechs Toren als erfolgreichste Schützinnen auszeichnen, während bei Göppingen Roxana Ioneac und Anja Brugger mit jeweils fünf Treffern für ihre Mannschaft die meisten Tore erzielten.

Je länger die Partie im Luchsbau dauerte, desto weniger durfte man aus Göppinger Sicht auf einen positiven Ausgang hoffen. Und so musste das Team von Trainer und Geschäftsführer Aleksandar Knezevic am Ende der 60 Minuten den Aufsteiger nach Pluspunkten gleichziehen lassen. Zudem ist der Anschluss ans Mittelfeld nach den Siegen von Buxtehude und Bad Wildungen erst einmal verloren gegangen.

"Nach unserem guten Start ist Rosengarten stärker geworden und hat deutlich besser gespielt. Wir hingegen hatten Probleme in der Abwehr und dann auch im Angriff. Es ist momentan eine schwache Phase von uns", sagte Knezevic. "In den nächsten Wochen gibt es viel zu tun. Wir müssen einiges aufholen, sowohl im Bereich Fitness, als auch in spielerischer Hinsicht." Sein Gegenüber Dubravko Prelcec strahlte nach dem zweiten Sieg übers ganze Gesicht: "30 Tore haben wir schon lange nicht mehr geworfen." Als Schlüssel zum Erfolg führte er die starke Abwehrleistung seines Teams an. "Das hat uns Gegenstöße ermöglicht, die uns in den Begegnungen zuvor gefehlt haben."

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Von Beginn an entwickelte sich ein schnelles und spannendes Spiel auf Augenhöhe und die Gäste verdeutlichten ihre Bestrebungen, zwei wichtige Punkte aus dem Luchsbau entführen zu wollen, schafften es aber nicht, ihren Zwei-Tore-Vorsprung zu erhöhen, denn die flinke und kompromisslose 6:0-Abwehr der Heimmannschaft hielt dagegen. Zunächst sah es so aus, als könnten die Göppingerinnen zu ihrem dritten Saisonsieg gelangen. Nach acht Minuten führten sie 5:3, ehe sich erste Fehler einschlichen. Zum Rückstand von 5:8 (14.) trugen aber nicht nur sie bei, sondern auch eine schwache Wurfquote mit einem vergebenen Siebenmeter und einem an die Latte gesetzten Wurf bei einem Tempogegenstoß. Schon in dieser Phase deutete sich an, dass die Partie nicht zu gewinnen ist, sollte die Abwehr nicht kompakter stehen.

Kreisläuferin Evelyn Schulz und Rückraumspielerin Jessica Oldenburg nutzten die Lücken konsequent aus. Die 1,82 Meter große Comebackerin Oldenburg avancierte nicht nur in der Offensive zu einem entscheidenden Faktor, sondern auch im Mittelblock. Dennoch gelang es den Göppingerinnen, den Rückstand bis zur 25. Minute bei zwei Toren Differenz zu halten, da sich auch Rosengarten einige Fehlabspiele erlaubte. Zur Pause war der Rückstand der Frisch Auf Frauen jedoch auf 12:16 angewachsen, da Rosengartens Torhüterin Mareike Vogel zur Stelle war, die es aufgrund der sattelfesten Defensive wesentlich einfacher hatte als Anne Bocka auf der Gegenseite, die häufig im Stich gelassen wurde.

"Sehr auffällig in der ersten Halbzeit war, dass die Luchse trotz der Bedeutung der Begegnung sehr spielfreudig auftraten und sich auch nicht durch den zeitweiligen Rückstand beirren ließen. Das Konzept von Dubravko Prelcec mit einer kompakten 6:0-Deckung zu agieren und mit dem großartigen Mittelblock Jessica Oldenburg und Evelyn Schulz das sonst so erfolgreiche Rückraumspiel von Frisch Auf! Göppingen zu unterbinden, klappte hervorragend und hat den Gegner sicherlich überrascht. Im Angriff nutzte die Heimmannschaft ihre Torchancen viel konsequenter als sonst. Dennoch war die Partie noch nicht entschieden, denn es war fraglich, ob das hohe Tempo und die Konzentration ausreichen würden, da etliche Spielerinnen durch die kaum überstandene Grippe noch geschwächt waren", bilanzierten die Handball-Luchse.

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Nach dem Wechsel blieb die Göppinger Abwehr löchrig. Die Absprachen passten nicht und nach 35 Minuten hieß es 13:18, obwohl Bocka zuvor zweimal pariert und man auf eine Initialzündung gehofft hatte. Doch diese stellte sich nicht ein und mit einer starken Fatos Kücükyildiz (sechs Treffer bei sechs Versuchen) zogen die Luchse vorentscheidend auf 24:17 davon (45.). Zwar kam Frisch Auf durch seine zuverlässigste Chancenverwerterin Anja Brugger und die vom Punkt aus treffsichere Roxana Ioneac noch einmal auf 22:26 (54.) heran, doch war der Zug zu diesem Zeitpunkt bereits abgefahren.

Es zeigte sich, welche Qualitäten die Luchse entfalten können, wenn neben Spielmacherin Kim Berndt als Alternative Fatos Kücükyildiz zur Verfügung steht, die ihr bisher bestes Spiel für ihre Mannschaft absolvierte und immer mehr mit ihren Mitspielerinnen harmoniert. Nach ihrer Babypause zeigte Jessica Oldenburg ihr großes Können sowohl im Angriff als auch in der Abwehr, obwohl sie durch den Trainingsrückstand noch nicht ihr volles Potential erreicht hat. Aber ihr Auftritt im Luchsbau macht Mut für die Zukunft.

Matthias Steinkamp vom Luchse-Trainer-Team fasst das Geschehen noch einmal zusammen: "Heute hat die Freude am Spiel, den Druck siegen zu müssen, bezwungen. Eine sehr bewegliche und gut organisierte 6:0-Abwehr mit einer starken Mareike Vogel im Tor legten die Basis des zweiten Erfolges dieser Saison. Sehr erfreulich war die Leistung von Jessica Oldenburg vorne auf Halblinks sowie hinten neben Evelyn Schulz im Mittelblock. Zusätzlich haben sich offensiv Schulz und Kücücyildiz ein Sonderlob verdient. Nun freuen wir uns auf die EM-Pause, in der wir uns akribisch auf die kommenden Aufgaben vorbereiten werden."

HL Rosengarten-Buchholz: Vogel, Löbig, Ludwig;
Cronstedt, Lamp (3/1), Berndt (6/3), Axmann, Borutta, Hauf (2), Kücükyildiz (6), Nielsen (1), Herbst (1), Oldenburg (6), Schulz (5), Geist

Frisch Auf Göppingen: Bocka (1.-45.), Kaminska (ab 46.);
Andjic (3/1), Brugger (5), Ioneac (5/4), Hrbkova (3/1), Morf (3), Tinti, Marcikova (1), Wyder (3), Krhlikar (2), Welter (1)

Schiedsrichter: Jannik Otto / Raphael Piper
Strafminuten: 4/2
Zuschauer: 0

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