21.11.2020 18:12 Uhr - EHF European League - PM Vereine, dpa, red

Thüringer HC dreht das Duell in Blomberg dank "überragender Abwehr" und bucht Ticket in die Gruppenphase der European League

Nina Neidhart - hier im Bundesligaspiel im Oktober - erzielte im Rückspiel acht TrefferNina Neidhart - hier im Bundesligaspiel im Oktober - erzielte im Rückspiel acht Treffer
Quelle: Franziska J. Braun, Thüringer HC
Nach der 27:31-Niederlage in eigener Halle konnte der Thüringer HC das Duell um den Einzug in die Gruppenphase der European League im Rückspiel bei der HSG Blomberg-Lippe noch drehen. Mit dem 15:12 zur Pause war der Rückstand bereits so gut wie aufgeholt, nach dem Seitenwechsel übernahm der THC dann auch in der Addition die Führung und steuerte mit einem 30:20 in die nächste Runde.

Von Beginn an entwickelte sich am Samstag ein intensives Handballspiel, bei dem zu jeder Sekunde die besondere Bedeutung für beide Mannschaften spürbar war. Die HSG machte jedoch zunächst dort weiter, wo sie im Hinspiel aufgehört hatten. Nele Franz (21 Jahre), Ndidi Agwunedu (20 Jahre) und Ann Kynast (19 Jahre) sorgten dafür, dass die Blombergerinnen nach sechs gespielten Minuten mit 4:2 in Front lagen.

Doch der THC präsentierte sich hochkonzentriert und wild entschlossen, den nun sechs Tore betragenden Vorsprung zu egalisieren. Die erneut glänzend aufgelegte THC-Spielmacherin Marketa Jerabkova sorgte mit ihrem Treffer zum 5:6 nach zehn Minuten für die erste Führung der Gäste.

Die zunehmend hitziger werdende Begegnung kippte dann langsam in Richtung des THCs, welche ab der 20. Minuten leichte Unkonzentriertheiten der Lipperinnen eiskalt ausnutzten und ein 9:9 bis zur 25. Minute in ein 10:14 verwandelten. Zur Pause fehlte den Gästen beim 12:15 noch ein Treffer, um das Hinspielresultat zu egalisieren. Doch wer sich auf eine dramatische zweite Hälfte eingestellt hatte, erlebte eine Überraschung.

Dass der Vorsprung aus dem Hinspiel schon zur Halbzeit nahezu egalisiert war, schien dem jungen Blomberger Team auch in der Pause nicht aus den Köpfen zu gehen. Mit vielen technischen Fehlern startete die HSG in den zweiten Abschnitt und musste zusehen, wie sich der THC Tor für Tor absetzte. Mit einem 8:0-Lauf setzte sich der siebenfache Deutsche Meister bis zur 41. Minute auf 12:23 ab und sorgten damit bereits für eine Vorentscheidung. Quälend lange 12 Minuten dauerte es, bis der HSG durch Rechtsaußen Lisa Rajes der erste Treffer im zweiten Abschnitt gelang. Näher als bis auf neun Tore kamen die Gastgeberinnen in der Folge nie mehr heran. Beste Werferin des THC beim 30:20 war die 19-jährige Nina Neidhart mit acht Toren.

"Heute war unser Angriff nicht so erfolgreich und in der Abwehr lief es auch nicht so perfekt. Ich kann meiner Mannschaft aber keinen Tadel aussprechen, sie haben trotz dem Rückstand bis zum Schluss gekämpft. Heute hatte der Thüringer HC einfach die besseren Antworten. Wir müssen jetzt daraus lernen und den Fokus auf die Aufgaben in der Bundesliga richten", analysierte HSG-Trainer Steffen Birkner.

THC-Trainer Herbert Müller meinte: "Ich bin froh und glücklich, wie wir heute ins Spiel gekommen sind und es hat trotz des intensiven Spiels Spaß gemacht. Besonders die Abwehr in der 2. HZ war überragend und ein großes Dankeschön an die angeschlagenen Spielerinnen, die zum Teil nicht einmal trainieren konnten."

HSG-Coach Steffen Birkner zeigte sich nach dem Spiel gefasst: "Wir haben einfach nicht gut angegriffen. Acht Tore im zweiten Abschnitt sprechen für sich. Auch in der Abwehr haben wir keinen Zugriff gefunden und insgesamt zu viel mit verschiedenen Dingen gehadert. Wir wollten es vielleicht zu sehr und sind dann verkrampft. Ich kann meiner Mannschaft aber keinen großen Vorwurf machen. Wir haben alles gegeben und mussten heute gegen einen starken, international erfahrenen Gegner Lehrgeld zahlen. Das fühlt sich im ersten Moment beschissen an und tut definitiv weh, aber wir werden daraus lernen und können auch an solchen Spielen wachsen. Herzlichen Glückwunsch an den Thüringer HC zum verdienten Weiterkommen und viel Erfolg in der Gruppenphase."

HSG-Torfrau Marie Andresen, welche ihr Team im zweiten Abschnitt mit starken Paraden über Wasser hielt, äußerte sich nach Spielende wie folgt: "Vielleicht waren wir noch nicht bereit für so ein wichtiges Spiel. Wir haben viele junge und unerfahrene Spielerinnen. Das ist unglaublich schade. Dennoch werden wir uns von dieser Niederlage nicht beirren lassen. Der Start war bislang richtig gut und wir werden den Fokus nun auf Liga und Pokal richten."

Blomberg: Rüffieux 1, Kynast 4, Rajes 1, Agwunedu 1, Franz 7, Michalczik 5, Schoenaker 1.

Thüringer HC: Scheffknecht 1, Iskit 3, Großmann 1, Kündig 4, Jakubisova 4, Neidhardt 8, Jerabkova 6, Huber 3

15.11.2020 - Blomberg siegt im Kampf um den Einzug in die Gruppenphase der European League beim Thüringer HC