02.11.2020 10:23 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

Michalcziks finaler Wurf bringt HSG Blomberg-Lippe den Sieg bei Bayer 04 Leverkusen

Malina Marie MichalczikMalina Marie Michalczik
Quelle: HSG Blomberg-Lippe
"Am Ende des Tages sind wir die glücklichen Sieger. Dass wir noch einmal den Ball bekommen und dann noch gewinnen, ist auch nicht jedes Wochenende so. Da ist auch etwas Glück dabei", freute sich Steffen Birkner, Trainer der HSG Blomberg-Lippe, nach einem hauchdünnen 27:26-Sieg in letzter Sekunde beim TSV Bayer Leverkusen.

Es war die erst 18-jährige Malina Michalczik, die mit ihrem siebten Treffer den Auswärtssieg in letzter Sekunde sicherte und so ihre starke Vorstellung krönte. So bleiben die Lipperländerinnen mit 12:4-Punkten erster Verfolger des Führungsduos aus Dortmund und Bietigheim, während sich die Werkselfen mit nunmehr 8:6-Punkten auf Rang acht wiederfinden.

Neun Sekunden vor dem Ende nahm Birkner beim Stand von 26:26 noch mal eine Auszeit. Zuvor hatte HSG-Torfrau Marie Andresen erneut glänzend pariert und ihrem Team somit die Möglichkeit eröffnet, mit einem letzten Angriff als Siegerinnen vom Feld zu gehen. Doch von vorne.

Die von beiden Teams im Vorfeld als Duell auf Augenhöhe bezeichnete Partie entwickelte sich von Beginn an tatsächlich wie erwartet. Kein Team konnte sich entscheidend absetzten. Lediglich einmal lagen die Werkselfen beim 14:12 (27.) mit zwei Toren in Front, die Seiten wurden schließlich bei 14:13 gewechselt.

In der zweiten Hälfte führten die Leverkusenerinnen schnell mit drei Treffern (17:14, 35. Minute), konnten diesen Vorsprung aber nicht lange halten, denn das junge Blomberger Team biss sich zurück in die Begegnung. Als sich Fanta Keita zu Beginn der zweiten Hälfte am Knie verletzte und nicht mehr weiterspielen konnte, fehlten dem TSV zunehmend die Alternativen im Rückraum.

Mit einer deutlich stabileren Abwehr und einer stark parierenden Andresen im Tor war es in der 38. Minute Marie Michalczik, die, mit einem ihrer sieben Treffer, das 18:18 erzielte und den Spielstand erneut ausglich. Von Minute zu Minute wurde die Spannung in der Ostermann-Arena, in der leider keine Zuschauer zugelassen waren, greifbarer. In der 58. Minute brachte Jennifer Souza die Handballelfen aus Leverkusen mit 25:26 in Front. Nele Franz konterte wenige Sekunden später eiskalt. Und so kam es zum absoluten Herzschlagfinale.

Bei ihrem letzten Angriff gerieten die Leverkusenerinnen ins Zeitspiel. Bayer-Spielmacherin Zivile Jurgutyte fasste sich ein Herz, scheiterte jedoch mit einem Unterarmwurf an Andresen. HSG-Trainer Birkner eilte anschließend zum Zeitnehmertisch und zog seine letzte zur Verfügung stehende Auszeit. Zwar glänzten bei Leverkusen erneut Mia Zschocke mit acht sowie Zivile Jurgutyte mit fünf Treffern, doch kam von den restlichen Positionen diesmal zu wenig.

Neun Sekunden blieben seinem Team um den goldenen Treffer des Abends zu erzielen. "Unser Ziel war es Marie mit einem Doppelschirm in Wurfposition zu bringen. Dass das am Ende dann auch so geklappt hat, ist sicherlich auch mit etwas Glück verbunden", schilderte Birkner rückblickend die letzte Szene des Spiels. Cara Hartstock und Laura Rüffieux sperrten die Leverkusener Abwehr erfolgreich weg, und Michalczik pfefferte den Ball in den Winkel. Der anschließende Jubel kannte keine Grenzen.

"Das war heute über 60 Minuten eine starke geschlossene Mannschaftsleistung. In den ersten 20 Minuten haben wir jedes Tor der Leverkusenerinnen sofort mit einem Konter bestraft. In dieser Phase hatten wir jedoch noch Schwierigkeiten in der Deckung. Hier sind wir zu spät rausgegangen, waren nicht konsequent am Arm der Gegnerin und haben unsere Torfrauen nicht ausreichend unterstützt", zeigt sich Birkner gewohnt kritisch.

Doch für die zweite Halbzeit fand der gebürtige Stralsunder nur lobende Worte: "Mein Team hat große Moral bewiesen und zwei Mal einen Rückstand aufgeholt. Das liegt in der DNA der HSG niemals aufzugeben und immer weiter zu kämpfen. So auch gestern. Dass wir dann in der letzten Sekunde den Siegtreffer erzielen freut uns alle ungemein", strahlt der HSG-Trainer. "Klar hätte das hier auch andersrum ausgehen können, im Moment zählen aber nur die Punkte, die wir uns gegen einen sehr starken Gegner erarbeitet, erkämpft und erspielt haben. Ich bin absolut stolz darauf, was meine Mannschaft geleistet hat", so Birkner weiter.

"Schade, dass wir auf der Zielgeraden noch die zwei Punkte abgeben. Sicherlich war das letzte Tor etwas glücklich, aber wir haben das Spiel selbst verloren durch zu viele technische und taktische Fehler in der Schlussphase", fasste Elfen-Trainerin Renate Wolf die erste Heimniederlage der Saison zusammen.

"Leider gehen uns nach der Verletzung von Fanta Keita, da befürchte ich nichts Gutes, die Alternativen aus. Jurgutyte und Zschocke mussten dann durchspielen und da passieren dann auch mal ein paar Fehler. Aber kein Vorwurf an die beiden. Blomberg war zum Schluss das eine Tor besser, das müssen wir anerkennen", zeigte sich Wolf als faire Verliererin.

Das Sahnehäubchen eines perfekten HSG-Abends war darüber hinaus noch das Comeback von Kamila Kordovská. Die tschechische Nationalspielerin musste sich im März einer Schulter-OP unterziehen und meldete sich nun nach über sechs Monaten zurück auf dem Feld. "Kamila konnte uns direkt helfen und hat einen wichtigen Teil dazu beigetragen, dass wir einen doppelten Punktgewinn erzielen konnten. Sie hat in den vergangenen Monaten unglaublich hart für ihr Comeback gearbeitet und ich bin sehr glücklich, zukünftig wieder auf sie zurückgreifen zu können", freut sich Birkner.

TSV Bayer 04 Leverkusen - HSG Blomberg-Lippe 26:27 (14:13)

Leverkusen: Fehr, Graovac;
Jurgutyte (5), Hinkelmann, Sprengers (2), Zschocke (8), Holste, Souza (2), Kämpf, Bruggeman, Keita (2), Einarsdottir (1), Huber (6/5)

Blomberg: Andresen, Veith
Rüffieux, Kynast (3), Jongenelen (2), Rajes (1), Wenzel, Kordosova, Agwunedu, Reiche, van Wingerden, Franz (7/4), Hartstock, Michalczik (7/2), Murer (5), Schoenacker (2)

SR: Kern/Kuschel (Bellheim/Karlsruhe). - Z: keine. - Zeitstrafen: 4:2 Minuten (Zschocke, Bruggeman - Hartstock). - Siebenmeter: 5/5:6/6

Spielfilm: 0:1 (1.), 2:3 (4.), 5:3 (8.), 5:4 (11.), 6:5 (11.), 11:5 (15.), 11:6 (16.), 13:6 (19.), 16:8 (21.), 16:11 (26.), 17:12 (HZ) - 22:14 (37.), 24:15 (39.), 27:15 (42.) 29:16 (46.), 29:18 (50.), 33:18 (EN)

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