15.10.2020 08:47 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

Thüringer HC feiert "glücklichen Sieg" beim VfL Oldenburg

Der VfL Oldenburg präsentierte sich auf Augenhöhe mit dem Thüringer HC.Der VfL Oldenburg präsentierte sich auf Augenhöhe mit dem Thüringer HC.
Quelle: Thorsten Helmerichs, VfL
Mit einem knappen 30:29 (13:14) gewann der Thüringer HC das Auswärtsspiel gegen den VfL Oldenburg. Die Gastgeberinnen nutzten die vielen Fehler in Angriff und Abwehr des Tabellenersten und verteidigten lange die Führung. Mit einer gehörigen Portion Glück und Cleverness setzte sich der THC in letzter Sekunde durch und brachte den Siegtreffer im Oldenburger Tor unter. Beste Werferin aufseiten des VfL war Merle Carstensen mit acht Treffern, Marketa Jerabkova erzielte elf Tore für den Thüringer HC.

"Wenn mir das Ergebnis vor dem Spiel jemand gesagt hätte, hätte ich es wahrscheinlich dankend angenommen. Aber nach dem Spielverlauf bin ich natürlich enttäuscht", gestand VfL-Coach Niels Bötel nach Abpfiff. Sein Team war dem Sieg nah gewesen, hatte fast die komplette zweite Halbzeit in Front gelegen. Doch kurz vor dem Ende machte der THC mit einem Tor Sekunden vor der Schlusssirene den Erfolg perfekt. "Das war ein glücklicher Sieg für uns", gestand Helfried Müller, der seinen Bruder Herbert Müller in Oldenburg als THC-Coach am Spielfeldrand vertrat. "Es war schon abenteuerlich wie der Ball dort in die Mitte gekommen ist. Das hatte mit strukturiertem Spielaufbau nichts zu tun."

Das Spiel begann fahrig, beide Mannschaften leisteten sich mehrere Fehlwürfe. Erst nach vier Minuten gelang den Gastgeberinnen der erste Torerfolg. Zwei Minuten später glich Marketa Jerabkova per Strafwurf zum 2:2 aus und Nina Neidhart brachte von der Außenposition den THC erstmals in Führung. Der Thüringer HC hatte Probleme, sein schnelles Spiel aufzubauen und somit den VfL unter Druck zu setzen. Nach elf Minuten netzte Kathrin Pichlmeier mit einem gewaltigen Wurf aus dem Rückraum zum 3:3 ein.

Der VfL blieb dran und das junge Team zeigte sich im Angriff von seiner offensiven Seite. Eine zwischenzeitliche Zwei-Tore-Führung für den THC egalisierte Merle Carstensen mit ihrem Strafwurf zum 6:5. Die Thüringer Gäste schlugen prompt zurück und eroberten die Führung nach einem Treffer von Josefine Huber zurück. Es blieb in der ersten Halbzeit das erwartete kämpferische Spiel, in dem sich keine Mannschaft einen Vorteil herausspielen konnte.

Auf den Auftritt der Oldenburgerinnen reagierte der THC zunehmend genervt - entweder mit vorschnellen Abschlüssen, ungenauen Zuspielen oder technischen Fehlern. "Wir waren pomadig, schläfrig. Mit jeder Minute, die das Spiel länger dauerte, hat Oldenburg die Oberhand übernommen", sagte Helfried Müller. Oldenburgs Lana Teiken, die einen guten Auftritt auf Linksaußen hinlegte, sorgte kurz vor dem Halbzeitpfiff mit viel Übersicht für die VfL-Führung (12:11). Und die blieb bis zum 14:13-Seitenwechsel bestehen.


Das erste Tor in der zweiten Halbzeit gelang dem VfL, denn Toni-Luisa Reinemann netzte zum 15:13 ein. Die Gastgeberinnen schienen fest entschlossen, die Punkte in der eigenen Halle zu behalten - per Strafwurf stellten sie die erneute Drei-Tore-Führung zum 17:14 her. Der THC zeigte sich auch in der Abwehr unsicher und ließen dem VfL viel Platz. Nach einer starken Parade von Marie Skurtveit Davidsen konnte Lydia Jakubisova mit einem Tempogegenstoß auf 18:16 verkürzen. Torhüterin Laura Kuske parierte in der 42. Minute einen wichtigen Strafwurf und ermöglichte so Marketa Jerabkova auf 20:19 zu verkürzen.

Die Gastgeberinnen verteidigten ihre Führung, der THC vergab vorn Chance um Chance zum Ausgleichstreffer. In der 49. Minute war es erneut Marketa Jerabkova, die den Anschluss zum 23:22 von der Strafwurflinie erzielte. Gute zehn Minuten vor Schluss gelang das langersehnte Tor zum 23:23-Ausgleich. Kerstin Kündig erkämpfte sich den Ball und brachte ihn sicher im leeren Tor unter. Die Thüringerinnen spielten in dieser Phase des Spiels oft in Unterzahl, was die Oldenburger Spielerinnen nicht nutzten, um sich deutlicher abzusetzen. Oldenburg legte vor, der THC antwortete und blieb dran.

Sechs Minuten vor Spielende kassierte Josefine Huber ihre dritte Zeitstrafe und erhielt somit die Rote Karte. Den Rest der Begegnung musste sie vom Spielfeldrand verfolgen. Den anschließenden Strafwurf verwandelten die Oldenburgerinnen sicher. Vier Minuten vor Schluss glich Marketa Jerabkova, ebenfalls per Siebenmeter zum 26:26 aus. Petra Blazek parierte anderthalb Minute vor dem Ende einen Strafwurf des VfL. Bis in die letzten Sekunden blieb das Spiel spannend. Lydia Jakubisova ergriff die Gelegenheit und erzielte die erste THC-Führung seit dem 10:11 (28:29). Oldenburg glich im Gegenzug aus. 15 Sekunden vor dem Ende nahm Helfried Müller noch eine Auszeit, um die Taktik für den letzten Angriff zu besprechen, mit Erfolg. Schön freigespielt erzielte Beate Scheffknecht den Siegtreffer vom Kreis zum 29:30 und ließ die Mannschaft nach diesem sehr schweren Spiel jubeln.

"Das war ein sehr glücklicher Sieg für uns. Wir waren heute mitunter sehr langsam und schläfrig. Am Anfang waren wir nur in der Abwehr präsent und Marie hat stark gehalten. Das konnten wir aber nicht nutzen. Oldenburg hätte vielleicht sogar noch weiter in Führung gehen können. Am Ende hatten wir dann das Glück auf unserer Seite. Marketa ist dann noch aufgewacht und konnte viel zum Sieg beitragen. Riesen Respekt an den VfL, die heute eine unglaubliche Leistung gezeigt haben", bilanzierte Helfried Müller vom THC nach dem Spiel.

Sein Gegenüber Niels Bötel vom VfL zeigte sich trotz der knappen Niederlage zufrieden: "Zuerst einmal Glückwunsch an den THC. Wir hatten uns vorgenommen hier mitzuspielen. So wünschen wir uns das auch gegen andere Topmannschaften wie beispielsweise Dortmund. Es war sicherlich auch viel Glück beim THC dabei, aber sicherlich hat auch die Erfahrung eine Rolle gespielt. Wir sind trotzdem stolz auf unsere Leistung. Die Punkte waren nicht eingeplant, daher alles gut. Wir gehen hier erhobenen Hauptes aus der Halle."

Statistik:


VfL Oldenburg: Julia Renner, Nele Reese; Lisa-Marie Fragge 3, Lana Teiken 4, Toni-Luisa Reinemann 5/1, Kathrin Pichlmeier 4, Jane Martens, Marie Steffen, Merle Carstensen 8/6, Jenny Behrend 2, Luisa Knippert 3.

Thüringer HC: Laura Kuske, Marie Skurtveit Davidsen, Petra Blazek; Mariana Ferreira Lopes, Beate Scheffknecht 1, Anouk Nieuwenweg, Asli Iskit 4, Meike Schmelzer 1, Ina Großmann, Arwen Rühl, Kerstin Kündig 3, Lydia Jakubisova 3, Nina Neidhart 3, Marketa Jerabkova 11/4, Josefine Huber 4.

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