12.10.2020 08:53 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

"Zu viele Fehler" bei HSG Bensheim/Auerbach, "absolute Mannschaftsleisstung" bringt Bad Wildungen den Derbysieg

Die Vipers punkteten mit einer aggressiven AbwehrDie Vipers punkteten mit einer aggressiven Abwehr
Quelle: Andrea Müller/Flames Handball
Am 5. Spieltag hat es die Flames der HSG Bensheim/Auerbach dann doch erwischt. Ausgerechnet im Hessenderby gegen die HSG Bad Wildungen Vipers kassierte das Team von Trainerin Heike Ahlgrimm die erste Saisonniederlage. Mit 27:30 (15:16) mussten sich die Flames am Ende durchaus verdient geschlagen geben. Die Flames belegen nun den 4. Tabellenplatz mit 8:2 Punkten, die Vipers sind mit 4:6 Punkten auf dem 9. Tabellenplatz. Erfolgreichste Torschützinnen in der Begegnung waren Lisa Friedberger mit 8/3 Toren bei den Flames und Maxime Struijs mit 8/2 bei den Vipers.

Die Flames wollten eigentlich nach 8:0 Punkten die nächsten Punkte einfahren und mit 10:0 Punkten wieder die vorrübergehende Tabellenführung übernehmen, da der bisher ebenfalls verlustpunktfreie Meisterschaftsfavorit Borussia Dortmund dieses Wochenende in der Champions League antritt und sein Ligaspiel erst am Mittwoch bestreitet. Allerdings gelang es den Flames zu keinem Zeitpunkt des Spiels an die gezeigten Leistungen der bisherigen Saison anzuknüpfen und sind gegen die Vipers vielleicht auch an der zu hohen Erwartungshaltung gescheitert.

"Ich glaube, heute hat jeder gemerkt, dass der Druck groß ist, wenn man da oben steht. Alle reden nur noch von Tabellenführung und wir brauchen nur zwei Punkte, dann haben wir 10:0. Meine Mannschaft ist damit, glaube ich, nicht klar gekommen. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass jetzt wieder etwas Ruhe einkehrt", sagte daher auch Heike Ahlgrimm nach dem Spiel.

Vor dem Derby warnte Heike Ahlgrimm bereits eindringlich, dass der Gegner stärker ist, wie die Tabelle aussagt und die Spiele gegeneinander immer stark umkämpft waren - sie sollte recht behalten. "Wir wussten, dass es ein starker Gegner ist. Für mich ist Bad Wildungen stärker, als letztes Jahr und sie sind stärker, als die Tabelle aussagt. Sie hatten vorher nur zwei Punkte und zwei Spiele verloren, die sie gewinnen hätten müssen. Das haben sie nicht gemacht. Aber trotzdem war uns klar, dass es heute hart und ein schweres Spiel wird. Die Spiele gegen Bad Wildungen sind immer umkämpfte Spiele. Aber wir haben einfach unsere Leistung nicht abgerufen und damit ist es auch klar, dass man nicht als Sieger vom Platz geht", bilanzierte sie nach dem Spiel.

Vipers standen kompakter in der Abwehr




Vipers-Trainerin Tessa Bremmer lobte ihre Mannschaft nach dem Sieg: "Ich habe heute eine absolute Mannschaftsleistung gesehen. Ich habe durchwechseln können und jeder der hereingekommen ist, hat etwas dazu beitragen können. Wir haben uns deutlich gesteigert und den Tabellenführer geschlagen."

Und sie brachte es auf den Punkt. Über die gesamte Spielzeit fanden die Flames kein Mittel gegen die kompakte Abwehr der Vipers und wenn doch, dann stand dort auch noch die ehemalige Flamme Manuela Brütsch im Tor und parierte den Ball, vor allem in der Schlussphase des Spiels ein mitentscheidender Faktor. Auf der anderen Seite wurden den Vipers zu viele leichte Tore aus dem Rückraum, mit zu wenig Gegenwehr, ermöglicht.

Hinzu kommt, dass die Flames auch zu wenig aus der eigenen Überzahl machten. Während die Flames drei Zeitstrafen bekamen, waren es, als Folge der aggressiveren Abwehr, bei den Vipers insgesamt acht. Doch selbst in doppelter Überzahl (Jana Scheib und Anna-Maria Spielvogel erhielten eine Zeitstrafe) zwanzig Minuten vor dem Ende konnte man kein Kapital schlagen. Lisa Friedberger und Maxime Struijs erzielten jeweils ein Tor für ihr Team in dieser Zeit.

Comeback von Spur Petersen




Dabei begann das Spiel gut für die Flames. Christin Kühlborn brachte in der 3. Spielminute ihr Team mit 1:0 in Führung. Mit einem Doppelschlag (Heusdens und Scheib) wechselte die Führung dann aber zu den Vipers und Annika Ingenpaß erhöhte auf 1:3 (6.). Der Vorsprung der Vipers hielt bis zum 7:9 durch Anna-Maria Spielvogel (15.). Dann schienen die Flames sich gefangen zu haben. Durch einen Doppelpack von Isabell Hurst gelang der 9:9 Ausgleich (15.), woraufhin Vipers-Trainerin Tessa Bremmer ein Team-Time-Out nahm.

Die nächsten beiden Treffer erzielten aber erneut die Flames. Alicia Soffel und Lisa Friedberger brachten ihr Team mit 11:9 (19.) und erstmals mit 2 Toren in Führung. Die hielt jedoch keine drei Minuten, denn durch drei Vipers-Treffer in Folge lag man wieder mit einem Tor zurück beim 11:12 (22.). Die starke Maxime Struijs lenkte das Team vorne, die eingewechselt Munia Smits zeigte wiederholt ihr Können und die Nordhessinnen gingen mit einer 16:15-Führung in die Halbzeit.

In den zweiten Spielabschnitt starteten die Flames mit einem Tor von Dionne Visser zum 16:16 (32.), was die Vipers jedoch nicht beirrte. Die zogen nämlich innerhalb der nächsten drei Minuten auf 16:20 (35.) davon. Flames-Coach Heike Ahlgrimm reagierte sofort mit einem Team-Timeout. Lisa Friedberger traf anschließend vom Siebenmeterpunkt zum 17:20. Die Vipers konnten ihren Vorsprung wieder auf 5 Tore beim 19:24 und 20:25 ausbauen.

Kein Tor in letzten neun Minuten




Nach dem 20:25 (43.) gerieten die Vipers aber nochmals unter Druck. Beim 27:28 durch Lotta Heider (52.) waren die Flames wieder bis auf ein Tor dran und hatten mehrmals die Möglichkeit auszugleichen und das Spiel zu drehen, doch es gelang ihnen in den letzten 9 Minuten kein Treffer mehr. Bad Wildungen erhöhte dann noch durch Treffer von Maxime Struijs und Anna-Maria Spielvogel auf 27:30 und besiegelten die erste Saisonniederlage der Flames.

"Wir kriegen heute 30 Tore, das ist einfach wahnsinnig viel. Wir machen 27, damit kann man zufrieden sein. Heute haben wir so viele Fehler gemacht und sind einem Rückstand hinterher gelaufen. Aber wir hatten ja noch die Möglichkeit gehabt und zwei oder dreimal die Chance zum Unentschieden. Gelingt uns das, dann weiß man nicht, was passiert. Aber dann kommt bei einigen wieder der Kopf ins Spiel und wir haben es einfach nicht geschafft. Wir haben heute zu viele Fehler gemacht, zu viele Fehler in der Abwehr, zu viele Fehler im Angriff und am Ende ist daher der Sieg für Bad Wildungen auch verdient", resümierte Heike Ahlgrimm abschließend.

"Die Freude und Erleichterung über den Sieg gestern ist riesig! Es war eine absolute Mannschaftsleistung und jede Spielerin konnte sich gut einbringen. Wir haben es endlich geschafft, sowohl im Angriff als auch in der Abwehr das umzusetzen, an dem wir seit Wochen und Monaten im Training arbeiten. Wir genießen den Moment, fokussieren uns aber auf die kommenden Spiele, in denen wir sicherlich noch ein paar Punkte holen möchten, die wir in der Vergangenheit liegen gelassen haben", kommentierte Vipers-Trainerin Tessa Bremmer das verdiente Resultat.

Aber es gab auch erfreuliches in diesem Spiel. Erstmals seit über eineinhalb Jahren saß der komplette Flames-Kader auf der Bank. Sarah Dekker kam nach ihrer in der Vorbereitung erlittenen Verletzung erstmals zurück und seit April 2019 feierte Simone Spur Petersen, die vom Publikum herzlich empfangen wurde, ihr Comeback - wenn in diesem Spiel auch vorerst nur auf der Bank. Für die Flames heißt es jetzt nach einer kurzen Analyse wieder volle Konzentration auf das nächste Spiel und dies wird keine leichte Aufgabe. Am Samstag geht es in den Norden zum Buxtehuder SV.

Statistik zum Spiel


HSG Bensheim/Auerbach - HSG Bad Wildungen Vipers 27:30 (15:16)

HSG Bensheim/Auerbach: Jessica Kockler, Helen van Beurden (1)
Isabell Hurst (2), Leonie Kockel (4), Lotta Heider (2), Elisa Stuttfeld (2), simone Spur Petersen, Sarah Dekker, Alicia Soffel (2), Lisa Friedberger (8/3), Christin Kühlborn (1), Sarah van Gulik, Ines Ivancok (3), Julia Niewiadomska, Dionne Visser (2)

HSG Bad Wildungen Vipers: Manuela Brütsch, Lea Schüpbach
Annika Ingenpaß (2), Sabine Heusdens (1), Larissa Platen, Munia Smits (6), Maxi Mühlner (1), Kira Schnack, Maria Ines Da Silva Pereira (2), Maxime Struijs (8/2), Jana Scheib (5), Marieke Blase, Alina Otto, Anna-Maria Spielvogel (5), Vanessa Plümer.

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