11.10.2020 12:53 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

VfL Oldenburg holt "zwei wichtige Punkte", Buchholz 08-Rosengarten hadert mit Chancenverwertung

Svea GeistSvea Geist
Quelle: Karsten Schaar, HL
Am Ende war auch der verworfene Siebenmeter von Merle Carstensen egal: Jubelnd rissen die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg die Arme hoch, als mit dem vergebenen Wurf die Schlusssirene ertönte. Mit einem 25:21 (11:11) bei den HL Buchholz 08-Rosengarten sicherte sich die Mannschaft von Trainer Niels Bötel die nächsten zwei wichtigen Punkte. Die Luchse bleiben mit 2:8 Punkten auf dem 14 Platz, während die Oldenburgerinnen mit 6:4 Punkten auf den sechsten Rang der aktuellen Tabelle klettern konnten. Für den VFL war Merle Carstensen mit acht Toren die erfolgreichste Schützin, bei den Luchsen traf Kim Berndt siebenmal.

"Ich denke wir haben das Spiel am Ende auch in der Höhe verdient gewonnen", resümierte Coach Bötel nach der Begegnung. Dabei war sein Team unter schlechten Vorzeichen in die Partie vor 225 Zuschauern in der Nordheidehalle gestartet. Mit Marloes Hoitzing musste Bötel auf eine weitere Feldspielerin verzichten - und auch bis zum ersten Treffer seiner Mannschaft war vom VfL-Trainer Geduld gefordert. Fünf Minuten standen auf der Uhr, als Marie Steffen, nach herrlichem Anspiel an den Kreis, den ersten Treffer der Partie erzielte.

Ansonsten taten sich die Oldenburgerinnen in der Anfangsphase besonders in der Vorwärtsbewegung schwer. Bei der offensiven 5:1-Deckung der Gastgeberinnen gelang es zu selten, sich - wie beispielsweise über Jenny Behrend von der Außenposition - die nötigen Freiräume zu erspielen. Immerhin: Bei doppelter Unterzahl der Luchse erhöhte Luisa Knippert auf 6:3, bis zur 21. Minute hatte sich der VfL auf 9:5 abgesetzt.

Mit der Einwechslung von Neuzugang Fatos Kücükyildz änderte sich das bis dahin statische Spiel der Luchse, denn sie konnte einen Siebenmeter herausholen, der von Spielmacherin Kim Berndt verwandelt wurde und die Schwedin selber verkürzte mit ihrem Treffer auf 7:9 und hielt die Luchse in Schlagdistanz. Die bis dahin so sichere Abwehr des VfL geriet etwas mehr in Bedrängnis. Nachdem Merle Carstensen bei einem Siebenmeter zum möglichen 12:8 per Heber scheiterte, traf nur noch Buchholz-Rosengarten - und erzielte kurz vor dem Halbzeitpfiff das 11:11, allerdings ein wenig glücklich, denn kurz zuvor krachte ein Ball des Gegners an den Pfosten des von Mareike Vogel gehüteten Gehäuses.

Prelcec: "Mache der Abwehr keinen Vorwurf"




Nach dem Seitenwechsel wurde Oldenburg dann wieder stärker. Bötel, der nur mit einem kleinen Kader die Reise vor die Tore Hamburgs angetreten war, sah, wie sein Team immer mehr den Ton angab - und sich die Gastgeberinnen oftmals nur mit Foulspielen zu helfen wussten. Neun Mal trat der VfL während der 60 Minuten zum Siebenmeterwurf an und erzielte von der Linie sechs wichtige Tore, die beim Ausbau der Führung halfen.

Die angeschlagene Marleen Kadenbach blieb wirkungslos und Sarah Lamp kam mit der Spielweise der Gäste überhaupt nicht zurecht. Spielmacherin Kim Berndt versuchte alles, um ihre Mitspielerinnen einzusetzen, aber die Torausbeute war schwach. Ein Lichtblick war die Einwechslung des schwedischen Talents Louise Cronstedt, die in der 47. Spielminute zum 16:19 verkürzen konnte. Aber das ruhig spielende Oldenburger Team ließ sich nicht mehr vom Erfolgskurs abbringen und vergrößerte ihren Vorsprung durch Jane Martens in der 51. Minute auf fünf Treffer (22:17). Und diesen Vorsprung gaben die Huntestädterinnen - anders als noch im ersten Abschnitt - nicht mehr her.

"Ich kann meine Enttäuschung über den Ausgang des Derbys nicht verhehlen, denn mein Team hat den eigenen Erwartungen nicht standgehalten. Wenn du zu Hause nur 25 Gegentore zulässt, dann musst du das Spiel eigentlich gewinnen, deshalb mache ich der Abwehr keinen Vorwurf. Kämpferisch hat auch alles gestimmt, aber im Angriff müssen wir uns steigern, besonders bei Situationen wo die Möglichkeit besteht das Spiel zu kippen. Hier müssen wir unbedingt konzentrierter, zielorientierter und klarer agieren und nicht so viele unnötige Fehler machen", so Luchse-Trainer Dubravko Prelcec und fügt an: "Wir werden in den nächsten Trainingswochen an unserer Chancenverwertung arbeiten besonders bei freien Würfen, um in Zukunft enge Spiele auch für uns entscheiden zu können."

"Wir haben wieder sehr gut in der Abwehr gestanden", lobte VfL-Coach Bötel seine Spielerinnen. Auch die dritte Zeitstrafe gegen Lisa-Marie Fragge (52. Minute) und das 21:23 der Gastgeberinnen ließ die Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen. "Wir hatten schon in der ersten Halbzeit die Chance, den Vorsprung zu erhöhen. Das hat in der zweiten Halbzeit etwas besser geklappt. Am Ende bin ich froh, dass wir das so sicher über die Ziellinie gebracht haben", sagte Bötel. "Das waren zwei wichtige Punkte." Viel Zeit zur Regeneration bleibt seiner Mannschaft nicht. Bereits am Mittwoch, 14. Oktober, 19.30 Uhr, empfangen die Oldenburgerinnen den Thüringer HC.

Matthias Steinkamp vom Luchse Trainer-Team resümiert: "Wir alle sind sehr enttäuscht, aber wir mussten uns gegen eine clevere Oldenburger Mannschaft verdient geschlagen geben. Von der harten gegnerischen Deckung haben sich manche Spielerinnen den Schneid abkaufen lassen. Unser Spiel war viel zu statisch und es ist uns nicht gelungen einfache Tore über die erste und zweite Welle zu erzielen, deshalb mussten wir mit viel Aufwand jedes Tor erkämpfen. Als Aufsteiger lassen wir aber nicht die Köpfe hängen, sondern werden die kommende Trainingswoche dazu nutzen, um unsere Fehler aufzuarbeiten und gegen unseren nächsten Gegner HSG Blomberg/Lippe ein besseres Spiel zu zeigen."

HL Buchholz 08-Rosengarten - VfL Oldenburg 21:25 (11:11)

Buchholz 08-Rosengarten: Vogel, Löbig, Ludwig,
Cronstedt (3), Schulz (5), Nielsen, Kadenbach, Lamp, Berndt (7/3), Geist, Axmann, Hauf, Herbst (4), Kücükyildiz (2)

Oldenburg: Renner, Reese
Fragge (1), Teiken, Reinemann, Pichlmeier (3), Martens (3), Steffen (3), Carstensen (8/6), Behrend (5), Knippert (2)

Siebenmeter: 3/3 ; 6/9
Strafminuten: 12/10

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