02.10.2020 15:30 Uhr - Europameisterschaft - chs mit Material DHB

DHB-Frauen haben bei Sieg über Weltmeister Niederlande "als Mannschaft überzeugt"

Shenia MinevskajaShenia Minevskaja
Quelle: Michael Schmidt
Am Ende wurde es eng, doch Julia Maidhofs Wurf eine Minute vor dem Spielende zum 27:25 besiegelte den Heimsieg von Deutschlands Handballerinnen gegen den Weltmeister Niederlande. "Es ist gut gelaufen, wir haben verdient gewonnen. Es ist toll, den Weltmeister zu schlagen, aber das Ergebnis war heute nicht das Wichtigste. Insgesamt haben wir als Mannschaft überzeugt", bilanzierte Bundestrainer Henk Groener zwei Tage nach seinem 60. Geburtstag.

"Wir haben gewonnen, alles andere hinterfragt man dann erstmal nicht. Aber wir haben noch zu wenig Konstanz gezeigt. Es gab zu viele Aufs und Abs. Am Ende wurde es noch einmal richtig knapp, aber wir haben es nach Hause geschaukelt", so Rückraumspielerin Xenia Smits, die nach einem Jahr Verletzungspause wieder das DHB-Trikot überstreifte und mit fünf Toren Toptorjägerin war. "Wir haben phasenweise eine richtig gute Leistung abgerufen, uns auch immer wieder gefangen, wenn es nicht so lief."

Vor Geisterspielkulisse in der Emsland-Arena zu Lingen starteten die DHB-Frauen furios mit 4:1, die Niederlande konnte sich da vor allem bei Torhüterin Tess Wester verlassen, dass sie nicht weiter ins Hintertreffen gerieten und auch beim 6:5 wieder auf Tuchfühlung waren. Aber auch das DHB-Team hatte mit Dinah Eckerle in ihrem 50. Auswahlspiel eine starke Spielerin zwischen den Pfosten. Als Deutschland 12:6 nach 18 Minuten führte, musste der niederländische Trainer Emmanuel Mayonnade bereits seine zweite Auszeit nehmen.

"Wir gehen mit einem guten Gefühl vom Feld. Obwohl keine Fans auf den Tribünen waren, haben wir mit sehr viel Emotionen gespielt. Wir hatten einen guten Start, gerade in der Deckung. Mitte der ersten Halbzeit haben wir uns einige Fehler erlaubt und die Niederländerinnen sind wieder rangekommen", so Kapitänin Kim Naidzinavicius auch mit Blick auf die lediglich knappe 16:15-Halbzeitführung.

Groener: "Haben vieles aus dem Training umgesetzt"




Auch in Halbzeit zwei dominierte das deutsche Team zunächst, setzte sich auf 23:18 (43.) ab. "In die zweite Hälfte sind wir gut gestartet, am Ende wurde es doch nochmal eng, weil wir wieder zu viele Fehler hatten", so Naidizinavicius, dessen Team schon ab dem 25:24 wieder zittern musste, bis Maidhofs erlösendes 27:25 fiel.

"Entscheidend waren Abwehr, Torwart und Tempospiel - wenn wir das auf die Platte bringen, machen wir auch die einfachen Tore, mit denen wir uns absetzen können", so Naidzinavicius und Bundestrainer Groener betonte: "Wir haben vieles aus dem Training umgesetzt. Unser Ziel war, aus der guten Abwehr mit Tempo nach vorne zu spielen, das ist uns oft gelungen. Aber natürlich hat oft die Abstimmung nicht gestimmt, speziell, wenn wir in gemischter Formation auf dem Feld standen. Am Anfang hat der Bietigheimer Block gezeigt, dass sie schon eingespielt sind."

"Wir haben gesehen, dass einiges gut läuft. Wir haben aber noch ein paar technische Fehler zu viel gemacht. Im Großen und Ganzen war es aber eine super Sache", freute sich Rechtsaußen Amelie Berger, die zum Kreis der eingespielten Enztälerinnen gehört und ordnete die Leistung auch mit Blick auf die fehlenden Estavana Polman und Delaila Amega (beide Kreuzbandriss) ein. "Die Niederlande sind schon geschwächt in das Spiel gegangen. Wir waren vor allem in der Deckung zu Beginn stark, da sind sie an uns verzweifelt."

Beim DHB-Team fehlten indes unter anderem die beiden Ungarn-Legionärinnen Emily Bölk und Julia Behnke aufgrund von positiven Coronafällen in ihrer Mannschaft. Bundestrainer Groener will noch einmal personell rotieren, schon im Vorfeld war angekündigt, dass mindestens die sechs Reservistinnen vom Donnerstag und ggf. auch Behnke noch auflaufen werden. "Am Samstag steht ein anderer Kader auf dem Feld, alle Spielerinnen, die heute nicht gespielt haben, kommen zum Zug. Und auf das, was wir heute gezeigt haben, können wir aufbauen", so Groener.

"Den zweiten Test wollen wir genauso angehen, denn die Testmöglichkeiten sind begrenzt. Eine ähnliche Leistung wie heute wäre super", so Kapitänin Naidzinavicius und Shenia Minevskaja betonte: "Im zweiten Spiel wollen wir die einfachen Fehler abstellen."

Deutschland - Niederlande 27:25 (16:15)




Deutschland: Dinah Eckerle, Lea Rühter,
Marlene Zapf (1), Amelie Berger (3), Alina Grijseels (3), Meike Schmelzer (1), Mareike Thomaier, Xenia Smits (5), Kim Naidzinavicius (2), Mia Zschocke, Ina Großmann, Maren Weigel (2), Julia Maidhof (3), Antje Lauenroth (1), Shenia Minevskaja (3), Luisa Schulze (3)

Niederlande: Rinka Duijndam, Tess Wester, Yara ten Holte,
Jessy Kramer (1), Laura van der Heijden (1), Debbie Bont (1), Lois Abbingh (3), Larissa Nüsser (2), Danick Snelder (2), Bo van Wetering (4), Tamara Haggerty, Kelly Dulfer (3), Merel Freriks (1), Inger Smits (3), Martine Smeets, Angela Malestein (2), Dione Housheer (2)

Schiedsrichter: Hannes/Hannes
Strafminuten: 16/10
Siebenmeter: 2/3 ; 3/4