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13.05.2020 11:00 Uhr - 2. Bundesliga - Markus Hausdorf

#Nachgefragt: Dominik Schlechter über den Drittligaaufstieg und den Wechsel in die 2. Bundesliga

Dominik SchlechterDominik Schlechter
Quelle: Olaf Krimpmann
Dominik Schlechter führte den PSV Recklinghausen in die 3. Liga West. Der Trainer selbst macht jedoch noch einen Schritt weiter: Er wechselt zum Zweitligisten TV Beyeröhde Wuppertal. In der aktuellen Folge von #Nachgefragt blickt Schlechter auf den Aufstieg auf dem Sofa zurück, spricht über die Entwicklung in den vergangenen Jahren und wagt einen Ausblick auf seine neue Herausforderung ...

Dominik, erst einmal die Nachfrage: Wie geht es dir in der aktuellen Situation?

Dominik Schlechter:
Gesundheitlich geht es mir und meinem privaten Umfeld gut - und das ist momentan natürlich das, was zählt. Ansonsten habe ich gerade so viel unverplante Freizeit, wie seit Jahren nicht mehr. Mir fehlt der Handballsport mit Training und Spielbetrieb, aber vor allem vermisse ich die damit verbundenen Menschen. Man verbringt so viel Zeit mit seiner Mannschaft und wenn das wegbricht, dann fällt das jemanden, wie mir, der den Mannschaftssport liebt und lebt, doch sehr schwer.

Nun aber herzlichen Glückwünsch. Du bist mit dem PSV Recklinghausen in die 3. Liga West aufgestiegen ...

Dominik Schlechter:
Vielen Dank! Abseits der unschönen Umstände ist das ein Aufstieg, der mir persönlich sehr viel bedeutet. Ich denke, dass der Aufstieg sowohl für die Mannschaft, als auch für den Verein sehr wichtig ist. Der junge Kader braucht nun in seiner Entwicklung eine neue Herausforderung, schwierigere Aufgaben. Und die PSV ist, was den Zuschauerzuspruch und strukturelle Rahmenbedingen angeht, einfach ein Verein, der nicht in die Oberliga gehört.

Acht Spiele vor dem Saisonende habt ihr die Tabelle mit 28:4 Punkten sehr souverän angeführt. Wie beurteilst du Eure Leistungen bis zum Saisonabbruch?

Dominik Schlechter:
Wir hatten dahingehend viel mit dem Pech mit dem Spielplan, als dass wir direkt am Anfang der Saison die Auswärtsspiele beim ASC Dortmund und in Ibbenbüren hatten. In Verbindung damit, dass wir an beiden Tagen nicht an unser Leistungslimit gekommen sind, hatten wir mit vier Minuspunkten nach fünf Spielen ganz schnell viel Druck in unseren Spielen, weil wir wussten, dass wir uns nichts mehr erlauben können.

Wie meine Mannschaft damit umgegangen ist und wie konstant gut wir seit dem Herbst aufgetreten sind, das war dann eines Aufsteigers würdig. Ich bin total stolz auf die Mädels, weil ich beurteilen kann, welche Arbeit dahintersteckt. Wir haben in der Liga den höchsten Aufwand betrieben und werden dafür belohnt.

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Nun seid ihr quasi auf dem Sofa aufgestiegen. Wie groß war Eure Freude über den Aufstieg?

Dominik Schlechter:
Ich bin da zwiegespalten. Auf der einen Seite habe wir das Beste aus der Situation gemacht, indem wir jede einzelne Spielerin am Tag der Bekanntgabe durch den Handballverband Westfalen besucht haben, um das Aufstiegsshirt zu überreichen. Wir wollten den Mädels ein bisschen Aufstiegsgefühl nach Hause bringen und das hat auch geklappt - es war deutlich emotionaler, als erwartet.

Auf der anderen Seite schmerzt es schon, wenn man bei den momentanen Facebook-Challenges etliche Aufstiegsbilder diverser Vereine aus der Vergangenheit sieht und dann weiß: Wir werden solche Bilder nie haben. Das kann ich nicht leugnen, das tut weh.

Nach fünf Jahren verlässt du den PSV am Saisonende. Was waren die entscheidenden Gründe für dich zu sagen, dass du eine neue Herausforderung suchst?

Dominik Schlechter:
Das waren verschiedene Gründe, die am Ende zu der Entscheidung geführt haben. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen denke ich, dass es der Mannschaft gut tut, mal eine andere Stimme zu hören, einen anderen Trainingsansatz zu erleben und insgesamt neuen, unvoreingenommenen Input zu bekommen. Ich fordere viel von meinen Spielerinnen ein, das kann auch anstrengend sein - insbesondere über fünf Jahre. Dass wir es schaffen den Schritt jetzt "im Erfolg" zu gehen und nicht erst, wenn alle irgendwann einander überdrüssig sind, finde ich wohltuend außergewöhnlich und schön.

Du blickst mit dem Aufstieg und natürlich zwei Qualifikation zur A-Jugend-Bundesliga auf eine tolle und vor allem erfolgreiche Zeit zurück...

Dominik Schlechter:
Es waren fünf wunderschöne Jahre. Das klingt abgedroschen, aber es entspricht einfach meinem Empfinden. Ich bin 2015 als B-Jugend-Trainer zur PSV gekommen und hätte nie damit gerechnet, was dann passiert ist. Ich hatte großes Glück, so viele junge, leistungsbereite Spielerinnen kennenlernen zu dürfen und einen Verein hinter mir zu haben, der mir über die kompletten fünf Jahre großes Vertrauen entgegengebracht hat. Dass wir mit dem Wiederaufstieg jetzt auch den Abstieg 2018 "wiedergutmachen" konnten, ist der perfekte Abschluss dieser Zeit. Die PSV ist für die Zukunft hervorragend aufgestellt.

Aufgrund der Corona-Pandemie kannst du dich nicht so von Mannschaft, den Offiziellen und den Fans verabschieden, wie normalerweise. Wie fühlt sich der Abgang durch die Hintertür für dich aktuell an?

Dominik Schlechter:
Von meiner Mannschaft werde ich mich noch - in welcher Form auch immer - verabschieden, bevor es dann für die Mädels mit einem neuen Trainer und bei mir mit einer neuen Aufgabe weitergeht. Ich bin ein junger Trainer, hab viel Zeit mit den Mädels verbracht - insofern ist da natürlich eine emotionale Bindung meinerseits, die Mädels waren meine zweite Familie. Mir wäre es deutlich leichter gefallen, mich nach einer Aufstiegsfeier, den geplanten fünf Tagen auf Mallorca und einem Abschlusstraining zu verabschieden.

Was den Verein angeht, werde ich in den kommenden Tagen und Wochen einige E-Mails und Briefe schreiben. Ich habe viele tolle Leute kennengelernt, mich immer wohlgefühlt. Es soll keiner denken, dass ich durch die Hintertür gehe. Ich werde der PSV immer verbunden bleiben.

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In der kommenden Saison geht es für dich zum Zweitligisten TV Beyeröhde Wuppertal. Was hat dich an dieser Aufgabe gereizt?

Dominik Schlechter:
Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich bei meinen Überlegungen in Recklinghausen aufzuhören, nie damit gerechnet hätte, dass ich auf dem Zettel eines Zweitligisten lande. Insofern hatte ich Gänsehaut, als sich Norbert Koch damals bei mir gemeldet hat und konnte bis zum Schluss der Gespräche auch nicht glauben, dass die Entscheidung für mich ausfallen würde. Mich reizt natürlich die Chance, Trainer in der 2. Liga zu sein. Davor habe ich viel Respekt, aber auch eine ungeheure Vorfreude.

Wer steht dir im sportlichen Bereich in Wuppertal zur Seite?

Dominik Schlechter:
Sabine Nückel, die zuletzt Co-Trainerin war, und Nathalie Hagel - als Torwarttrainerin - bleiben mir erhalten. Das war mir wichtig, weil die Beiden nicht nur gute Arbeit leisten, sondern auch über gewisse Erfahrungswerte in punkto 2. Liga verfügen, die ich noch nicht habe.

Ergänzend bringe ich mit Michael Schmidtmann einen meiner beiden Co-Trainer aus Recklinghausen mit. Er ist nicht nur fachlich top und interdisziplinär aufgestellt, sondern auch ein guter Typ, den jede Mannschaft gebrauchen kann. Zudem wollen wir im sportpsychologischen Bereich was machen. Ich finde es total wichtig, einen guten Staff zu haben. Das alltägliche Training muss die Mannschaft fordern und dazu führen, dass keiner eine Einheit verpassen will.

Beim TVB Wuppertal steht ein kompletter Umbruch bevor. Nur noch wenige Spielerinnen aus der inzwischen abgebrochenen Saison werden dir zur Verfügung stehen. Wie groß ist die Herausforderung ein neues Team zu formen?

Dominik Schlechter:
Es ist tatsächlich so, dass beim TVB viele Dinge zusammen kommen. Spielerinnen, die aus gesundheitlichen oder privaten Gründen, mit dem Handball aufhören. Spielerinnen, wie Luisa Knippert, die nun in der 1. Liga den nächsten, verdienten Schritt machen. Spielerinnen, die nun studientechnisch wegziehen. Und natürlich gibt es immer und in jedem Verein Spielerinnen, die sich einfach auch so verändern wollen.

In Verbindung damit, dass lange Zeit der Klassenerhalt nicht feststand, die Planungen damit auf Eis lagen und die Corona-Pandemie momentan dazu führt, dass keine Probetrainingseinheiten möglich sind, ist die Herausforderung nicht groß. Sie ist gigantisch. Ich telefoniere wahnsinnig viel, schaue viele Videos. Wenn wir dann irgendwann zusammenkommen ist es so, dass wir komplett bei "Null" anfangen werden. Das wird sich eine Mannschaft komplett neu finden, neu bilden müssen. Das ist in dem Leistungsbereich sicherlich außergewöhnlich und wird total fordernd und spannend.

Inzwischen hat der TVB Wuppertal einige Neuzugänge bekanntgegeben. Welche Ziele kannst du mit dem neuformierten Team angehen?

Dominik Schlechter:
Über Saisonziele werden wir reden, wenn wir den Kader vollständig beisammen haben. Aber nach dem Umbruch, den wir haben werden, werden wir in der kommenden Saison nicht in viele Spiele als Favorit gehen. Mein Ziel ist es, dass die Mädels - nach der letzten Saison, mit allen Begleitumständen - wieder mit Feuer in den Augen zum Training kommen und schnell merken, in welche Richtung es gehen soll. Wir werden in den Grundtugenden sehr, sehr gut sein müssen. Dann wird sich viel von alleine ergeben.



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