15.09.2007 17:00 Uhr - 1. Bundesliga - Christian Schulze / Ole Rosenbohm

Leverkusen düpiert Oldenburg

Kein Durchkommen für Oldenburg: Die Leverkusener Defensive stand sicherKein Durchkommen für Oldenburg: Die Leverkusener Defensive stand sicher
Quelle: Hermann Jack


Anne Müller setzt sich durchAnne Müller setzt sich durch
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Nachdem in den ersten Spielen die Leistung und auch die Ergebnisse bei Bayer Leverkusen nicht rundum zur Zufriedenheit von Trainerin Renate Wolf waren, hat ihr Team nun mit dem 33:25 (17:10) Sieg beim VfL Oldenburg ein Ausrufungszeichen gesetzt. Von Beginn an dominierte Bayer das Spiel und ließ die Gastgeberinnen nie zur Entfaltung kommen.

Bayer Leverkusen hat die Verhältnisse in der Handball-Bundesliga wieder gerade gerückt. Mit einer eindrucksvollen Demonstration hoher Abwehrkunst gewann der Rekordmeister am Samstagnachmittag beim VfL Oldenburg mit 33:25 (17:10). Die Gastgeberinnen, die zuvor dreimal gewonnen hatten, gaben damit die Liga-Spitze an Meister 1. FC Nürnberg ab.

Schon zu Beginn fand der VfL gegen die offensive und aggressive Abwehr Bayers keine Mittel. Während Oldenburg kaum zum Wurf kam, setzte sich Leverkusen mit drei Siebenmetern durch Sabrina Neukamp bis Minute sechs mit 3:0 ab. Kurios, dass den Fouls jeweils Paraden Tatiana Surkovas voraus gingen. Zumindest der dritte Strafwurf-Pfiff der jungen Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies war umstritten. Eine Berührung an Leverkusens Anna Loerper hatten dabei nur wenige der 800 Zuschauer in der EWE Arena ausgemacht.

Die Linie des Gespanns sorgte auch in der Folgezeit für Aufregung. Wurden auf der einen Seite zwar viele Schritt- oder Kreisfehler abgepfiffen, legten Schulze/Tönnies die zahlreichen Foulspiele eher großzügig aus. Eine Interpretation, die vor allem dem harten Spiel des Vizemeisters entgegen kam. "Anders als Oldenburg haben wir es geschafft, uns auf die Linie der Schiedsrichter einzustellen", sagte Bayer-Trainerin Renate Wolf, während sich Kollege Leszek Krowicki wunderte: "Den verhängten Strafen nach haben wir härter und aggressiver gespielt, das ist schon komisch." Das Gespann, das nach mehreren umstrittenen Entscheidungen keinen leichten Stand vor dem wütenden Oldenburger Publikum hatte, hielt seine Linie aber konsequent durch. Die gute Surkova im Oldenburger Tor verbuchte nach vier gehaltenen Würfen erst nach 13 Minuten die erste Parade ohne anschließenden Siebenmeterpfiff.

Leverkusen mit starker Abwehr

Dennoch konnte sich Bayer, das auf die erkrankte Gesine Paulus verzichtete, erst gegen Ende der ersten Hälfte absetzen. Die beiden offensiven Halbspielerinnen Leverkusens und das hervorragend agierende Abwehrzentrum ließ nur wenig konstruktives Oldenburger Spiel zu. Zu den Schwierigkeiten im Angriff gesellten sich in der Schlussphase der ersten Halbzeit technische Fehler des VfL, der nun immer mehr Konter hinnehmen musste. Im Positionsspiel profitierte Kreisläuferin Müller von guten Anspielen von Loerper, Michaela Seiffert oder Ahlgrimm. Mit einem 17:10 für die Gäste gingen beide Teams in die Kabinen.

Wer dachte, dass nach dem Wiederanpfiff nun der VfL die Initiative übernehmen würde, sah sich getäuscht. Anna Loerper, Yvonne Fillgert und die starke Sabrina Neukamp sorgten sogar schnell für ein 11:20 (36. Minute) für Bayer. Auch die Umstellung Krowickis auf zwei Kreisläuferinnen (Kethorn und Scholl) mit Beginn der zweiten Hälfte oder eine 5-1-Abwehr mit einer vorgezogenen Haege Fagerhus etwas später ließ das Spiel nicht kippen. Der VfL kämpfte zwar verbissen um jeden Ballbesitz, gestaltete die Partie auch zeitweise wieder ausgeglichen, konnte aber keinen Anschluss mehr erzielen. Alexandra Temp brachte ihr Oldenburger Team in der 49. Minute noch einmal auf fünf Treffer (18:23) heran, aber die Bayer-Damen fanden wieder die richtige Antwort.

Die endgültige Entscheidung fiel nach 53 Minuten. Gerade hatte Karin Weigelt von Rechtsaußen unter Zeitdruck getroffen, da bekam der VfL nach einem mit einer Zeitstrafe belegten Foul Weigelts an Dagmara Kowalska einen Siebenmeter. Doch Alex Temps Heber ging über das Tor und im Gegenzug traf Müller mit einem abgefälschten Wurf aus dem Rückraum zum 27:20 (55.).

„Dürfen nicht arrogant werden“

Dementsprechend zeigte sich Trainerin Renate Wolf sehr zufrieden: „So habe ich mir die Leistung der Mannschaft in den ersten Saisonspielen gewünscht. Wir haben ein sehr umkämpftes und gutes Spiel aus der Abwehr herausgemacht.“ Hervorheben wollte Wolf dabei ihre Spielerinnen Heike Ahlgrimm und Anna Loerper, die bis in die späte zweite Halbzeit hinein gut die Regie geführt hätten. Zudem sei Anne Müller stark gewesen und als Vollstreckerin aus 7-Metern zeichnete sich Sabrina Neukamp aus. „Jetzt dürfen wir nur nicht wieder arrogant werden, sondern wir müssen so weiter machen“, warnt Renate Wolf ihr Team, denn nun geht es für die Bayer-Damen Schlag-auf-Schlag weiter. In den kommenden drei Wochen stehen sieben Spiele in Bundesliga und Europapokal an.

Der VfL hingegen wurde von der harten Spielweise des Gegners kalt erwischt und erholte sich von diesem Schock nicht mehr. Immerhin präsentierte sich das Team um einiges besser, als bei den in den vergangenen Jahren stets hohen Niederlagen gegen den Bundesliga-Rekordmeister. Mehrmals zeigte Oldenburg seine neue Klasse - etwa als der frühe 0:3-Rückstand durch einen Schlagwurf Neuendorfs, einen sehenswerten Treffer von Rechtsaußen Fagerhus ins lange Eck und einem Gegenstoß-Tor Kowalskas schnell egalisiert wurde. Die Mannschaft, die abermals auf eine überzeugende Torfrau Surkova bauen konnte, gab sich nie auf, fand aber auch über weite Strecken kein Zugang zu dem harten Spiel. Zur Niederlage gesellte sich für den VfL auch eine Verletzung von Linksaußen Kim Birke, die „irgendwem auf den Fuß getreten“ (Birke) war, umknickte und mit einem Verdacht auf Bänderriss ausgetauscht werden musste (42.). Neuendorf, die bei ihrem Tor zum 6:7 (16.) von der darauf nur mit Gelb bestraften Denisa Glankovicova an der Nase getroffen wurde und kurzzeitig ausgewechselt werden musste, blieb von einer Verletzung verschont.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki, Trainer VfL:
Für uns ist das Ergebnis keine Katastrophe, denn wir haben heute gegen einen Titelkandidaten verdient verloren. Das Spiel haben wir im Angriff abgegeben, mit der Spielweise Leverkusens hatte wir große Probleme. Ich habe aber auch gesehen, dass wir bis zum Ende gekämpft haben.

Renate Wolf, Trainerin Bayer:
Ausschlaggebend für den Sieg war die Abwehr. Wir haben dem VfL den Schneid abgekauft, beim Gegner kam kein Angriffsspiel zustande. Aus unserer Deckung haben wir unser Tempospiel aufziehen können und unsere Chancen gut verwertet.

Kim Birke, VfL:

Wir wussten, dass eine Mauer auf uns zu kommt. Es war aber dennoch schwer, gegen eine so harte Abwehr zu spielen. Leverkusen hat verdient gewonnen, war heute einfach stärker.

Kathrin Scholl, VfL:
Leverkusen hat uns in der Abwehr den Schneid abgekauft, wir haben unser Angriffsspiel nur selten aufziehen können.

Anne Müller, Bayer:
Wir wollten aggressiv auftreten und das Tempospiel des VfL kaputt machen. Das ist uns gelungen. Dieser Sieg und die Art und Weise war ganz wichtig. Für das Selbstvertrauen der ganzen Mannschaft mussten wir einfach mal wieder gut spielen. Der Lauf des VfL war uns nicht geheuer, den mussten wir einfach stoppen.