09.03.2020 09:53 Uhr - 2. Bundesliga - Ralf Ohm, PM Rödertal, red

"Das darf in der Liga nicht passieren": HC Rödertal mit klarer Niederlage bei SG 09 Kirchhof

3/2 Tore: Ann-Cathrin Höbbel3/2 Tore: Ann-Cathrin Höbbel
Quelle: Stefan Michaelis, HCR
Nach 20 guten Anfangsminuten gaben die Rödertalbienen das Spiel aus der Hand und fielen in der zweiten Halbzeit komplett auseinander. Dadurch war die 25:37-(13:14)-Niederlage vor 415 Zuschauern auch in ihrer Höhe vollkommen gerechtfertigt.

Dass die Bienen mit nur zehn einsatzbereiten Feldspielerinnen nach Kirchhof reisten, darf nicht als Ausrede zählen. Bei den Gastgeberinnen saß nur eine Feldspielerin auf der Auswechselbank. Der Auftakt in die Partie verlief für den HCR nach Maß. Tammy Kreibich spielte einen No-Look-Pass zu Thilde Boesen (5 Tore), die zum 0:1 traf. Kurz darauf wurde Rabea Pollakowski (4 Tore) freigespielt. Die Außenspielerin vollendete per Heber zum 0:2. Dann nutzte Meret Ossenkopp (4 Tore) einen Tempo-Gegenstoß zum 0:3.

Nach dem 1:5 durch Ann-Catrin Höbbel in der siebten Minute wurde es ganz still auf den Zuschauerrängen. Die Gastgeberinnen ließen sich von diesem Dämpfer nicht unterkriegen und feierten nach 14 Minuten den 7:8-Anschlusstreffer. Dann spielte Kreibich einen guten Bodenpass auf Ossenkopp, die das 7:9 erzielte. Boesen erhöhte mit einem Doppelpack auf 7:11 und SG-Trainer Gernot Weiss nahm in der 19. Minute sein erstes Time-Out.

"Auf uns hätte nach dieser Anfangsphase wohl niemand mehr gesetzt", gestand Gernot Weiss, Trainer des heimischen Zweitligisten SG 09 Kirchhof angesichts eines 11:7-Vorsprungs der Gäste des HC Rödertal, für den diese sich nicht einmal besonders anstrengen mussten. Zu fahrig, zu verkrampft, zu körperlos agierte der Gastgeber. "Wahnsinn, dass wir so zurückgekommen sind", staunte selbst SG-Torfrau Frederikke Siggaard nicht schlecht.

Eine klare Fehleranalyse ("Uns fehlte in der Abwehr die Kompaktheit, denn jeder hat nur für sich verteidigt") und eine ebensolche Handlungsanweisung flankiert von einer taktischen Umstellung: "Körperlich sind wir unterlegen, dafür aber schneller. Um unsere größere Schnelligkeit auszuspielen bedarf es jedoch Ballgewinne."

Kirchhof war wie verwandelt, während den Bienen plötzlich nichts mehr gelingen wollte. Mit unzähligen technischen Fehlern und einer schwachen Deckung luden sie die SG zum Tore werfen ein. Der Kampfeswille, der in der Vorwoche noch den Auswärtssieg in Herrenberg sicherte, war verflogen. Auch von Spielkontrolle war nichts mehr zu sehen. Mit jedem Tor der Gastgeberinnen wurde die Halle lauter. Das mündete in einem 7:2-Lauf und der 14:13-Führung für Kirchhof bis zur Halbzeitpause.

Mühlner: "Haben uns den Schneid abkaufen lassen"




In der zweiten Hälfte folgte dann der kollektive Black-Out. Die Weiss-Sieben baute mit zwei Toren die Führung schnell auf 16:13 aus. Gedankenschnell nutzte Lisa Loehnig (4 Tore) die unsortierte SG-Abwehr zum 16:14. Doch die Bienen waren weiterhin von der Rolle und setzten vorne wie hinten kaum noch Akzente. In der 40. Minute erzielte Sina Ritter (13 Tore) bereits ihr 11. Tor zum 23:17. "Der Trainer hat uns wachgerüttelt und danach lief es einfach", erklärte die 27-Jährige den fulminanten Umschwung.

Der HCR ergab sich in sein Schicksal und zeigte kaum noch Gegenwehr. Nicht einmal kam in der zweiten Hälfte das Gefühl auf, dass die Mannschaft von Frank Mühlner das Ruder noch einmal herum reißen könnte. Was die Bienen ablieferten, war kein Zweitliganiveau. In der 56. Minute betrug der Rückstand dann erstmals zehn Tore (33:23). Doch Kirchhof spielte wie im Rausch und erhöhte bis zum Schlusspfiff auf 37:25. HCR-Trainer Mühlner brachte es in der Pressekonferenz nach dem Spiel auf den Punkt.

HCR-Trainer Frank Mühlner: "Bis zur 18. Minute haben wir das Spiel dominiert und uns dann den Schneid abkaufen lassen. Die Mannschaft ist völlig auseinandergefallen. Wir hatten schon früher das Problem, dass wir nach zwei oder drei Fehlern plötzlich nicht mehr zusammenspielen. Als bestes Beispiel für das heutige Spiel dient Diana Sabljak (11 Tore). Im 1-gegen-1 geht sie immer zur Hand und in 98 Prozent ist unsere Abwehr darauf reingefallen. Das darf in dieser Liga nicht passieren."



cs