08.03.2020 16:14 Uhr - 1. Bundesliga - PM Bensheim-Auerbach Flames, red

HSG Bensheim/Auerbach Flames hat gegen Bad Wildungen Vipers "bis zehn Minuten vor Schluss alles richtig gemacht"

7 Tore: Christin Kühlborn7 Tore: Christin Kühlborn
Quelle: Andrea Müller, Flames
So nah liegen Freud´ und Leid beieinander. Die einen jubeln über den Last-Minute-Punktgewinn, die anderen schütteln die Köpfe und sind frustriert. In der Handball Bundesliga Frauen (HBF) entführt die HSG Bad Wildungen Vipers einen Punkt bei den Flames der HSG Bensheim Auerbach, die nach einer 7-Tore-Führung schon wie der sichere Sieger aussahen und am Ende den Vorsprung noch vergeigten. Den entscheidenden Treffer zum 27:27 (15:11) erzielte Vipers-Trainerin Tessa Bremmer, die heute als Spielerin auf der Bank Platz nahm und die verletzte Kreisläuferin Annika Ingenpaß ersetzte. Tessa Bremmer, die ihre aktive Laufbahn vor 5 Jahren beendet hat, konnte bei ihrem Kurzeinsatz 2 Treffer erzielen. Erfolgreichste Torschützen waren Christin Kühlborn und Julia Maidhof mit je 7 Toren bei den Flames sowie Miranda Schmidt-Robben mit 6 Toren bei den Vipers.

Das Hessenderby fand vor nur 780 Zuschauern statt. Die Angst vor dem Corona-Virus hat wohl viele Zuschauer vor dem Besuch der Sportveranstaltung abgehalten. Sie haben ein 50 Minuten lang richtig starkes Spiel der Flames verpasst, das am Ende aber in Fassungslosigkeit endete. Zehn Minuten vor dem Schluss führten die Flames gegen die Vipers noch souverän mit 25:19 Toren, dann kam ein unverständlicher Einbruch, der zwei Sekunden vor dem Schlusspfiff mit dem Gästetreffer zum 27:27 Endstand endete.

Entsprechend frustriert und geknickt war Flames-Coach Heike Ahlgrimm nach dem Spiel: "Wir waren heute einfach zu blöd, weil wir waren besser. Wir führen 25:19 und machen am Ende nur noch zwei Tore. Das darf nicht passieren. Am Ende müssen wir mit dem einen Punkt zufrieden sein, denn wenn man in den letzten Zehn Minuten nur noch zwei Tore macht, dann kann man nicht mit zwei Punkten nach Hause gehen. Ein Punkt ist in diesem Spiel für uns aber zu wenig", so die Trainerin.

Derbys haben bekanntlich, wie Pokalspiele, ihre eigenen Gesetze. Dass es ein umkämpftes Spiel werden wird, das war schon vor der Begegnung klar. Trotzdem gingen die Flames als Achter gegen den Zwölften als Favorit ins Spiel.

Kühlborn wird "Spielerin des Tages"




Die Begegnung war anfangs ausgeglichen. Die Vipers konnten sich nach 12 Minuten etwas auf 5:8 absetzen. Flames-Coach Heike Ahlgrimm nahm kurz danach ihr Team-Timeout (15.). Christin Kühlborn, Isabell Hurst und nochmals Christin Kühlborn, die von den Fans zur "Spielerin des Tages" gewählt wurde, glichen zum 8:8 (18.) aus. Jetzt reagierten die Vipers mit einem Team-Timeout. Miranda Robben brachte die Vipers mit 8:9 (19.) in Führung - es sollte die letzte Führung der Vipers in diesem Spiel sein. Die Flames bestimmten zunehmend das Spiel und wandelten den 8:9 Rückstand in eine 12:9 Führung (24.) um. Mit einem beruhigenden 15:11 ging es in die Halbzeitpause.

Christin Kühlborn erhöhte im zweiten Abschnitt auf 16:11 (32.). Die Vipers nahmen ihr zweites Team-Timout (35.). Man hatte zunehmend immer mehr das Gefühl, dass es nur noch darum geht, wie hoch man das Spiel gewinnt. Dass es noch einmal eng werden könnte, glaubte keiner der Zuschauer auf der Tribüne, zu souverän haben sich die Flames teilweise präsentiert. Das 22:15 (42.) durch den siebten Treffer von Christin Kühlborn war gleichzeitig auch die erste 7-Tore-Führung der Flames in diesem Spiel. Nach 49 Minuten führten die Flames noch 25:19. Miranda Schmidt-Robben per Siebenmeter und Jana Scheib verkürzten auf 25:21 (53.). Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm reagierte umgehend mit einem Team-Timeout.

Die Vipers hatten inzwischen auf eine offene Deckung umgestellt. Vipers-Trainerin Tessa Bremmer wechselte sich im Angriff mit ein und ihr Team witterte immer mehr seine Chance. "Sie haben zwar die Abwehr umgestellt, aber wir hatten uns eigentlich darauf gut vorbereitet und ich dachte, dass dies sogar noch früher kommt. Nichtsdestotrotz hat uns das am Ende den Zahn gezogen. Wir stehen in der Abwehr nicht mehr gut genug und wir kriegen einfache Tore im Gegenstoß, weil wir zu viele kleiner Fehler in den entscheidenden Situationen mach und den Ball vertändeln", zieht Flames-Coach Heike Ahlgrimm die nüchterne Bilanz zur Schlussphase.

Sabine Heusdens (2 Tore), die das Torjägerduell gegen Julia Maidhof (7/4 Tore) verlor, verkürzte zwei Minuten vor dem Ende auf 27:25 - Anna-Maria Spielvogel und Tessa Bremmer setzten dann den Schlusspunkt zum 27:27. Trotz des Punktverlustes konnten die Flames ihren 8. Tabellenplatz festigen und sogar auf drei Punkte Vorsprung auf den Neunten ausbauen, da die Neckarsulmer Sport-Union beim Tabellenführer Borussia Dortmund mit 25:35 verlor. Die Vipers konnten ebenfalls den Abstand zum Relegationsplatz auf 3 Punkte erhöhen, da Mainz mit 26:37 das Nachsehen in Blomberg hatte. Das nächste Spiel bestreiten die Flames am Sonntag, 15.03.2020 um 16:00 Uhr beim TSV Bayer 04 Leverkusen.

Statements der Trainer nach dem Spiel:




Heike Ahlgrimm (Bensheim):
Glückwunsch an Bad Wildungen zum, am Ende auch verdienten, Punkt. Wir sind einfach zu blöde. Wir waren heute zu blöd, weil wir besser waren. Es ist das, was Tessa bereits gesagt hat, Bad Wildungen hatte kein gutes Spiel gemacht und wir haben bis zehn Minuten vor dem Schluss alles richtig gemacht. Ich muss den Punktverlust ein bisschen auf meine Kappe nehmen, weil ich zu früh gewechselt habe und zu früh die Entscheidung getroffen habe. Am Ende machen wir viele kleine Fehler, vertändeln den Ball, machen es dem Gegner viel zu einfach und laden Bad Wildungen zu einfachen Toren ein. Am Ende haben wir einen Punkt. Für mich ist der eine Punkt zu wenig, aber wir müssen uns da an die eigene Nase fassen, weil heute müssen wir einfach zwei Punkte bekommen und haben es aber nicht geschafft. Von daher müssen wir das kurz besprechen und abhaken und dann geht es nächste Woche weiter.

Tessa Bremmer (Bad Wildungen):
Wir haben gut im Spiel angefangen und dann stark nachgelassen. Wir haben viele Fehler gemacht und nicht gut gespielt. In den letzten 10 Minuten haben wir uns mit einer offensiven Abwehr unheimlich stark zurück gekämpft und es geschafft nochmal spannend zu machen. Das am Ende dann noch so knapp zu machen, das fühlt sich für uns jetzt natürlich wie ein Sieg an. Der Punkt ist unheimlich wichtig, um da unten raus zu kommen. Wir hatten uns schon etwas hängen lassen, bevor wir am Ende nochmal toll gekämpft haben. Ich bin unglaublich stolz, dass wir, obwohl wir uns schon hängen gelassen haben, am Ende nochmal voller Elan richtig gut gekämpft haben.



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