17.02.2020 14:26 Uhr - 1. Bundesliga - PM Bensheim-Auerbach Flames, red

Isabell Roch zieht HSG Bensheim/Auerbach Flames den Zahn

Isabell Roch nagelte das Tor zuIsabell Roch nagelte das Tor zu
Quelle: Wolfgang Stummbillig, BVB
Auch die Flames der HSG Bensheim/Auerbach schafften die Sensation nicht, dem ungeschlagenen Tabellenführer Borussia Dortmund den ersten Punktverlust der Saison beizubringen. Vor 1540 Zuschauer in der Weststadthalle unterlagen die Flames mit 28:34 (14:20). Entscheidend waren am Ende die 10 Minuten vor der Halbzeitpause, als der BVB von 14:14 auf 14:20 davonzog. Diesem Rückstand rannten die Flames bis zum Ende des Spiels hinterher. Beste Torschützin der Flames war Julia Maidhof, die von den Fans auch zur Spielerin des Spiels gewählt wurde, mit 11/5 Toren sowie Kelly Dulfer mit 11 Toren beim BVB. Es bleibt dabei. Die Flames können die Großen dieser Liga ärgern, auch wenn es am Ende noch nicht immer zu Punkten reicht. Die Gegner müssen sich ihre Punkte gegen die Flames aber hart erkämpfen.

Gegen den verlustpunktfreien Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund hatte Flames-Coach Heike Ahlgrimm ihr Team gut eingestellt und die Flames gingen durch Tore von Julia Maidhof, Christin Kühlborn und Ines Ivancok mit 3:0 in Führung (3. Minute). Der BVB konnte erstmals beim 10:10 (18.) durch Ex-Flamme Bogna Sobiech ausgleichen und mit 12:13 durch Inger Smits (22.) in Führung gehen. Bis zum 14:14 (23.) lieferten die Flames ein Spiel mindestens auf Augenhöhe und man merkte keinen Unterschied zwischen dem Tabellenführer und dem Tabellenachten.

"Ich hatte schon den Eindruck, dass wir nicht richtig darauf vorbereitet waren. Ich wusste natürlich, dass Bensheim, vor allem in der Anfangsphase mit hohem Tempo kommen wird. Sie hatten nichts zu verlieren", bilanzierte Gästetrainer Andre Fuhr die ersten 20 Minuten nach dem Spiel.

Ahlgrimm: "Haben eigentlich alles richtig gemacht"




Flames-Coach Heike Ahlgrimm konnte dagegen über die Anfangsphase sehr zufrieden sein. "Wir haben bis zum 14:14 ein richtig gutes Spiel gemacht und haben das, was wir uns vorgenommen auch umgesetzt", so ihre Analyse nach dem Spiel und weiter, "wir haben natürlich auch das Spiel in den letzten 10 Minuten der ersten Halbzeit verloren".

Denn nach dem 14:14 folgten sieben torlose Minuten der Flames, während Dortmund durch einen 6:0-Lauf auf den 14:20 Halbzeitstand davonzog. "Wir haben in dieser Phase eigentlich alles richtig gemacht, wir haben richtige Sachen gespielt, nur haben wir den Ball nicht ins Tor gebracht, weil er gehalten wurde", erklärte Heike Ahlgrimm den Rückstand zur Pause.

Entscheidend war in dieser Phase auch der Torhüterwechsel beim BVB, denn an Nationaltorhüterin Isabell Roch scheiterten ihre Spielerinnen eins ums andere Mal und vergaben die besten Torchancen, die sich gegen solch ein Spitzenteam dann rächen. "Wir haben uns ins Spiel gekämpft. Das ist natürlich auch eine Qualität", so Andre Fuhr zu der Steigerung seines Teams.

Maidhof Spielerin des Tages




Dem 14:20-Pausenrückstand rannte das Team von Heike Ahlgrimm im zweiten Abschnitt hinterher und irgendwie war die 14 sowas wie die magische Zahl des Abends, denn die zweite Halbzeit ging 14:14 aus, was auch für den Kampfgeist der Flames spricht. Zwischenzeitlich lagen die Flames beim 19:28 (42.) mit 9 Treffern hinten und konnten sich wieder etwas heran kämpfen. Den BVB in Gefahr bringen konnten sie jedoch nicht mehr.

Durch den 6-Tore-Rückstand zur Pause mussten sich die Flames am Ende dem haushohen Favoriten aus dem Ruhrpott mit 28:34 geschlagen geben. Ein Ergebnis mit dem, wie es Dortmunds Trainer Andre Fuhr anschließend sagte, "alle zufrieden nach Hause gehen können".

Zur "Spielerin des Tages" wurde von den Fans Julia Maidhof gewählt. Mit ihren 11 Toren gewann sie auch das direkte Duell der beiden besten Torschützinnen der Handball Bundesliga Frauen (HBF) gegen die bisherige Zweite. Ex-Flamme Bogna Sobiech kam gestern nur auf 2 Tore gegen ihren ehemaligen Verein. Mit 105/37 Toren führt Julia Maidhof weiter die Scorerliste der HBF an. Neue Zweite ist Göppingens Michaela Hrbková mit 89/35 Toren.

Für die Flames geht es nächste Woche mit einem Heimspiel (Samstag, 22.02.2020, 17:30 Uhr, Weststadthalle) gegen den Tabellendritten TuS Metzingen weiter. Der BVB erwartet zum Spitzenspiel den Thüringer HC und könnte mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Meisterschaft gehen.

Stimmen zum Spiel




Heike Ahlgrimm (HSG Bensheim/Auerbach Flames):
Andre hat es ja schon gesagt. Ich glaube, dass wir bis zum 14:14 ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, auch umgesetzt. Wir haben natürlich auch das Spiel in den letzten 10 Minuten der ersten Halbzeit verloren, wenn wir einen 0:6 Lauf bekommen. Wir machen in den letzten 10 Minuten kein einziges Tor, Dortmund macht sechs. Da wird es dann natürlich schwer, wenn man so einem Rückstand hinterher läuft.

Wir haben in dieser Phase eigentlich alles richtig gemacht, wir haben richtige Sachen gespielt, nur haben wir den Ball nicht ins Tor gebracht, weil er gehalten wurde. Hier hat natürlich auch der Torwartwechsel eine Rolle gespielt. Nichtsdestotrotz müssen wir da einfach konzentrierter zu Werke gehen. Wir müssen uns belohnen für gute Aktionen im Angriff, weil wir die richtigen Dinge gespielt haben. In der zweiten Halbzeit spielen wir Unentschieden. Aber man rennt natürlich immer diesem Rückstand hinterher. Am Ende sind es nur sechs Tore gegen einen Meisterschaftsfavoriten.

Das habe ich am Anfang der Saison schon gesagt, denn da war es mein Geheimfavorit, jetzt ist es mein Favorit. Aber wir müssen auch darüber reden, dass wir einfach unsere Dinge reinmachen, denn wir haben im gesamten Spiel 18 Fehlwürfe und da wird es natürlich schwer ein Spiel zu gewinnen oder länger dran zu bleiben. Die bessere Mannschaft hat heute gewonnen. Das muss man auch anerkennen. Wir werden jetzt auch nicht total frustriert hier weggehen, aber für diese 10 Minuten müssen wir uns was einfallen lassen.

André Fuhr (Borussia Dortmund):
Ich wusste natürlich, dass Bensheim, vor allem in der Anfangsphase, mit hohem Tempo kommen wird. Sie haben nichts zu verlieren gehabt und das haben sie am Anfang sehr gut in die Waagschale geworfen. Ich hatte schon den Eindruck, dass wir nicht richtig darauf vorbereitet waren. Wir waren zögerlich in unseren Aktionen, wir forcieren das durch zu viele Fehler und wir kriegen früh zwei berechtige Zeitstrafen gegen Smits. Dann mussten wir umstellen.

Wir haben heute auf der rechten Rückraumseite nicht die richtige Lösung gefunden. Dann haben wir uns ins Spiel gekämpft. Das ist natürlich auch eine Qualität. Natürlich habe ich schon ein bisschen gezittert, denn wir brauchen diese Punkte, wenn wir im Meisterschaftsrennen bleiben wollen. Dann haben wir sicherlich durch den Torwartwechsel und unser Temposiel das Spiel in der 20. Bis zur 30 Minute gekippt. Und das haben wir dann bis zum Ende verteidigt.

Wir haben eine gute Kelly Dulfer gesehen und eine gute Dana Bleckmann und ich habe einen guten Kampfgeist gesehen. Aber wir müssen uns deutlich steigern, wenn wir nächste Woche gegen Thüringen gewinnen wollen. Kompliment an Bensheim, denn die haben ihren Teil zu einem, wie ich finde, guten Frauenhandballspiel beigetragen. Ich glaube, wir können alle zufrieden nach Hause gehen.



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