02.09.2007 16:13 Uhr - 1. Bundesliga - Matthias Kornes - hbvf.de

"Hoppla, da geht was" - Ketsch sammelt zwei überraschende Punkte gegen Bayer

Maike Brückmann (Ketsch) setzt sich gegen Sabrina Neukamp (Leverkusen) durchMaike Brückmann (Ketsch) setzt sich gegen Sabrina Neukamp (Leverkusen) durch
Quelle: Jürgen Pfliegensdörfer
Es war die große Überraschung des ersten Spieltages in der Frauen-Bundesliga. Die TSG Ketsch rang den Meisterschafts-Mitfavoriten Bayer Leverkusen mit 30:29 (12:12) nieder. Während sich TSG-Trainerin Karin Euler über zwei nicht wirklich eingeplante Punkte freuen konnte, war Bayer-Trainerin Renate Wolf stinksauer über die Pleite. Überheblichkeit und mangelnde Einstellung attestierte Wolf ihrer Mannschaft. Auf der anderen Seite herrschte große Freude, dass sich der Einsatz und der Kampfgeist der Ketscherinnen gelohnt hatten.

Friederike Gubernatis (Ketsch) ist von Anne Müller (Leverkusen) nicht zu stoppenFriederike Gubernatis (Ketsch) ist von Anne Müller (Leverkusen) nicht zu stoppen
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„Eine Überraschung? Das kann man wohl sagen. Leverkusen hat uns unterschätzt und meine junge Mannschaft ist mit einem enormen Kampfgeist in das Spiel gegangen“, freute sich TSG-Trainerin Karin Euler am Tag nach dem Spiel. Ketsch hatte das gesamte Spiel über mit viel Einsatz Bayer niedergehalten. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit konnte sich das Euler-Team vor 500 begeisterten Zuschauern beim 24:20 in der 44. Minute auf vier Tore absetzen. Auch mit zwei frühen Auszeiten konnte Renate Wolf ihr Team nicht aufrütteln. Zwar kämpfte sich Bayer noch einmal heran, aber passend zum Spielverlauf scheiterte Michaela Seiffert drei Sekunden vor Abpfiff mit dem finalen Siebenmeter am Pfosten.

„Wir haben eine ordentliche Vorbereitung mit guten Ergebnissen bei den Turnieren in Schmelz und Bad Urach gespielt und auch in dieser Woche gut trainiert“ hatte Bayer-Trainerin Renate Wolf vor dem Spiel noch gesagt. Dass zwischen Punktspielalltag und Vorbereitung ein feiner Unterschied herrscht, war ihren Spielerinnen dann allerdings in Ketsch nicht mehr bewusst. „Das war Arroganz pur, so kann man kein Spiel gewinnen. Da haben wohl einige gedacht, dass wenn man gegen Niederösterreich im Vorbereitungsturnier mithalten kann, dann schlägt man Ketsch im Vorbeigehen“, kritisierte Wolf ihr Team. Bereits im Vorfeld hatte FHC-Trainer Dietmar Schmidt gegenüber hbvf.de vor solchen Überheblichkeiten gewarnt. „Wer denkt, dass man Blomberg, Ketsch oder Beyeröhde schon abschreiben kann, hat schon verloren“, so der Coach der Brandenburgerinnen.

„Das ist sehr peinlich für uns. Aber Glückwunsch an Ketsch, sie haben die ersten zwei Punkte absolut verdient“, gratulierte Trainerin Renate Wolf nach dem Spiel. „In der ersten Halbzeit haben wir schon gemerkt, Hoppla, da könnte was gehen“, meinte Karin Euler am Tag danach. „Und im zweiten Durchgang haben wir dann da weitergemacht“, konnte die Trainerin berichten. Euler konnte sich vor allem über die Leistung ihrer Flügel freuen: „Elisabeth Garcia-Almendaris hat eine ganz tolle Leistung gezeigt, auch Svenja Huber hat kurz vor Schluss die Nerven bewahrt.“


Svenja Huber setzte sich gegen die Leverkusener Abwehr mit Silke Meier und Anna Loerper durch - Foto: Jürgen Pfliegensdörfer


11 Tore über die Flügel

Renate Wolf sah die Leistung von Elisabeth Garcia-Almendaris und Svenja Huber naturgemäß aus einem anderen Blickwinkel: „Wenn ich sehe, wie sich meine Nationalspielerinnen auf der rechten und linken Außenbahn von zwei Jugendlichen vorführen lassen, dann ist das nur peinlich“, führt Renate Wolf fort. Das Duell gegen die 18 Jahre alte Juniorinnen-Nationalspielerin Garcia-Almendaris auf der linken und die 22-Jährige Huber auf der rechten Seite verloren Sabrina Neukamp und Silke Meier deutlich. Linksaußen markierte Ketsch 7, Rechtsaußen 9/5 Tore.

Elisabeth Garcia-Almendaris freute sich über das Spiel und ihre Leistung: „Ich bin richtig froh, dass ich einen so guten Start in die Saison hatte. Und natürlich bin ich glücklich, dass ich gegen so ein starkes Team gut gespielt habe.“ Letzten Endes sei es allerdings ein echter Team-Erfolg gewesen, meint die Linksaußen: „Wir haben einen riesengroßen Teamgeist, immer an uns geglaubt und immer weiter gekämpft.“ Ihre Trainerin sah es ähnlich: „Letzten Endes war die ganze Mannschaft inklusive Torfrau Ilka Arndt stark.“

Auch das Publikum habe seinen Anteil beigetragen, merkte Elisabeth Garcia-Almendaris an: „Es war richtig positiv, dass so viele Zuschauer da waren. Die haben auch richtig Stimmung gemacht. Es ist einfach so, dass das eine mitzieht, wenn man eine Super-Stimmung in der vollen Halle hat.“


Renate Wolf war mit der Leistung ihrer Spielerinnen nicht zufrieden - Foto: Jürgen Pfliegensdörfer


24 Fehlwürfe

Renate Wolf hatte andere Erkenntnisse gesammelt: „34 Angriffe ohne ein Tor, das ist eines Spitzenteams nicht würdig“, stellte Wolf fest. 24 Fehlwürfe und zehn regeltechnische Fehler hatte Wolf am Ende gezählt. Einzig positiv bewertete Wolf den Kampfgeist in der Schlussphase. „Aber da haben wir dann die falschen Entscheidungen getroffen. Wenn man 12 oder sogar 15 hundertprozentige Torchancen verbläst, gewinnt man in der Liga kein Spiel“, fand sie aber auch hier Grund zur deutlichen Kritik.

Die TSG Ketsch wird aus dem Husarenstück neue Kraft im Abstiegskampf der Bundesliga ziehen. Überhaupt ist Elisabeth Garcia-Almendaris guter Dinge, alle Experten, welche die TSG schon längst in der zweiten Liga sehen, eines Besseren zu belehren: „Wir haben den Abstiegskampf jetzt schon zweimal mitgemacht, deshalb glaube ich, dass wir in den wichtigen Spielen, in denen wir zwei Punkte holen müssen, all unsere Kräfte zusammen nehmen werden und erfolgreich sein werden.“


Ketsch konnte am Ende einen wichtigen Sieg bejubeln - Foto: Jürgen Pfliegensdörfer