13.12.2019 12:12 Uhr - Weltmeisterschaft - Wieland Berkholz

"Fünf Spielerinnen im Einzeltraining in der Vorbereitung sind Normalität" - Australiens Sally Potocki und Manon Vernay im Gespräch

Manon Vernay und Sally PotockiManon Vernay und Sally Potocki
Quelle: Wieland Berkholz
Betrachtet man die Ergebnisse der aktuellen Weltmeisterschaft, verlief der Auftritt der Australierinnen sehr ernüchternd. Ohne Punktgewinn und in keinem der sieben Turnierspiele mit einer realistischen Gewinnchance, beendeten die "Girls from down-under" das Turnier auf dem 24 und letzten Platz. Im Doppelinterview mit Handball-World geben Haupttorschützin Sally Potocki und Torhüterin Manon Vernay Auskunft über die harte Realität der Vorbereitung auf diese Weltmeisterschaft sowie beider bisher bewegte Karrieren und Lebenswege. Beide sind auch privat ein Paar und mittlerweile verlobt.

Können Sie unseren Lesern zunächst die Lage des australischen Handballs darlegen? Wie viele Vereine und Spielerinnen gibt es auf dem fünften Kontinent?

Sally Potocki:
Es gibt im Frauenbereich momentan etwa 10 Vereine in den fünf größten Städten Adelaide, Sydney, Brisbane, Melbourne und Perth. Die Sportart wird in erster Linie von Einwanderern der ersten oder, wie in meinem Fall, der zweiten Generation betrieben.

Frau Vernay, Sie sind, wie auch Ihre Partnerin Sally, über den Basketball zum Handball gekommen. Können Sie Ihren Weg in das Tor der australischen Nationalmannschaft beschreiben?

Manon Vernay:
Ich habe seit meiner Jugend und bis zu meinem Wechsel nach Australien Basketball gespielt. Zuletzt auf Zweiliganiveau in Frankreich bis zum Alter von etwa 22 Jahren. Nach dem Studium in Toulouse habe ich ein Praktikum in Adelaide absolviert und dort schon ein Handballteam gefunden. Ich konnte kein Englisch und wollte in einem Verein Leute kennenlernen.

Dort hat es mir gefallen und so bin ich mit 23 Jahren nach Abschluss meines Masters zurück gegangen. Da ich als Basketballerin eine komplett andere Fangtechnik hatte, bin zunächst an den Kreis gestellt worden. Als das nicht so richtig funktionierte und ich eher nur Weg stand, hat mich die Trainerin ins Tor geschickt. Zudem hatte uns unsere Torhüterin gerade verlassen.

Später zog ich dann nach Melbourne und spielte in einem anderen Team. Da ich mich als recht "competitive" einschätze, wollte ich mein höchstes Level austesten. In Sydney hatten wir zwei Mannschaften und in der Regel haben wir mit 35:3 oder ähnlich gewonnen. Ich wollte wissen, ob ich richtig Handball spielen kann.

Somit habe ich dann 2017 beim MTV Altlandsberg ein Probetraining absolviert und konnte dann für eine Saison in Berlin leben und Handball spielen. Zumal ich dort noch eine neue Sprache lernen konnte. Zuvor hatte ich 2017 die australische Staatsbürgerschaft bekommen und nahm mit der australischen Nationalmannschaft an der Beach-WM in Polen teil. Dort hatten sich auch die Kontakte entwickelt. Nachdem ich Sally kennenlernte zog ich in Ihre Nähe und spielte in der vergangenen Saison für den HSV Solingen-Gräfrath.

Wie haben Sie sich kennengelernt?



Sally Potocki:
Ich spielte in Leverkusen und hatte ein Bekannte in Berlin. Diese hatten mich immer wieder eingeladen. An einem freien Wochenende im Januar 2018 habe diese Freunde besucht und auf einer "Aussie-Party" haben wir uns dann kennengelernt.

Sie waren vor Ihrer Zeit in der Bundesliga mit den Stationen in Blomberg, Dortmund und zuletzt Leverkusen, Basketballprofi bei den Sydney Uni Flames. Was war der Anlass für den Ihren Wechsel in die Bundesliga?

Sally Potocki:
Ich hatte mein Studium beendet und Lust auf etwas Neues. Handball hatte ich ja schon vor den zwei Jahren als Basketballprofi parallel betrieben. Wobei man vom Basketball in Australien nicht leben kann, auch wenn man unter Vertrag steht.

Genau wie Manon hatte ich Lust auszutesten, wieweit ich es im Handball bringen kann. Meine Eltern sind aus Polen eingewandert und meine Mutter hatte Handball spielt. Ich war schon nach einem Jahr Teil der australischen Nationalmannschaft und nahm mit 18 Jahren 2007 an der Weltmeisterschaft in Frankreich teil.

Bei einem Probetraining bei der HSG Blomberg-Lippe konnte ich Andre Fuhr überzeugen. Die Mannschaft hatte damals noch einen Platz im Kader für die Rückrunde frei. Danach ging ich nach Dortmund in die Zweite Liga und spielte dort insgesamt vier Jahre. Wir sind aufgestiegen und ich habe dann die letzten drei Spielzeiten in Leverkusen verbracht.

Warum haben Sie Ihren Vertrag im letzten Sommer in Leverkusen nicht verlängert?



Sally Potocki:
Meiner Mutter geht es gesundheitlich schon längere Zeit nicht gut. Ich wollte in ihrer Nähe sein. Deshalb habe ich mich zur Rückkehr entschieden, auch wenn Renate Wolf versucht hat, mich zum Bleiben zu bewegen.

Wie sah die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft innerhalb Ihrer Mannschaft aus?

Manon Vernay:
Zunächst einmal muss man berücksichtigen, dass die Vorbereitung auf diese Weltmeisterschaft für alle Spielerinnen und auch die Trainerin ein Hobby ist, für welches wir selbst in die Tasche greifen. Die Reise und der Aufenthalt hier wurden bei diesem Mal zwar zum ersten Mal komplett vom Verband bezahlt, doch bezahlen wir die Trainer und Physiotherapeuten in der Vorbereitung beispielsweise aus eigener Tasche.

Unsere Trainerin war Nationalspielerin in Ägypten und lebt mit Mann und Kindern im Großraum von Sydney. Sie pendelt recht lange, um das Training der Gruppe in Sydney zu leiten. Ansonsten haben sich die Spielerinnen in den anderen Städten so oft wie möglich getroffen und in der Gruppe trainiert. Fünf Spielerinnen im Einzeltraining in der Vorbereitung waren die Normalität und dann musste oft noch das Tor komplett aufgebaut und die Markierungen auf dem Parkett angebracht werden.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Sally Potocki und Manon Vernay:
Wir haben keine detaillierten Pläne und werden jetzt erst einmal zurück nach Sydney gehen.

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