12.12.2019 16:00 Uhr - Weltmeisterschaft - Wieland Berkholz

Dinah Eckerle: "Die mentale Beanspruchung schlaucht am Ende richtig"

Dinah EckerleDinah Eckerle
Quelle: Marco Wolf
Dinah Eckerle hat in den bisherigen acht Partien der deutschen Handballerinnen ein starkes Turnier gespielt. Gleich mehrfach wurde die Torhüterin der SG BBM Bietigheim als "beste Spielerin der Partie" ausgezeichnet, mit 96/7 Paraden und einer Fangquote von 37 % hat sie sich in der Weltspitze behauptet - von den Stammtorhüterinnen sind nur noch Dänemarks Sandra Toft und Norwegens Silje Solberg besser. Redakteur Wieland Berkholz sprach mit Deutschlands Nummer 1 über das bisherige Turnier und auch ihre Vertragssituation bei der SG BBM Bietigheim.

Es ist Ihr zweites Turnier als Nummer Eins Tor der DHB-Auswahl und Sie konnten sich mit Ihren Leistungen in das Rampenlicht spielen. Würden Sie meiner Wahrnehmung zustimmen, dass der Kreis der Top-Torhüterinnen im internationalen Frauen-Handball deutlich kleiner ist als im Männer-Handball?

Dinah Eckerle:
Ich bin schon der Meinung, dass es international gesehen eine ganze Reihe von sehr guten Torhüterinnen gibt. Es sind zwar dann oft die Torhüterinnen der bekannten Top-Nationen, doch auch die sogenannten kleinen Handball-Nationen haben durchaus gute Torhüterinnen. Das fällt vielleicht nicht so auf, da das Medieninteresse in Deutschland ganz klar auf den Männern liegt.

Woran sich die Frage anschließt ob Ihnen angesichts Ihrer Klasse mit 24 Jahren und sieben Meistertitel die Bundesliga nicht allmählich etwas zu klein wird. Wie sieht Ihre Vertragssituation aus?



Dinah Eckerle:
Mein Vertrag in Bietigheim läuft im kommenden Sommer aus. Mit dem neuen Trainer Markus Gaugisch, der aus dem Männerbereich kommt, wird im Verein ein neues und spannendes Kapitel aufgeschlagen. Ich habe dieses Thema aber für den Zeitraum der Weltmeisterschaft, auf die ich mich voll fokussiere, bei Seite geschoben, da die Beschäftigung mit Vertragsangelegenheiten während eines solchen Turniers meiner Meinung nach hinten losgehen kann. Nach meiner Rückkehr wird es Gespräche mit den Verantwortlichen geben und Bietigheim wird mein erster Ansprechpartner sein.

Wieviel Wert legen Sie auf die Vorbereitung auf das Videostudium, welches angesichts der Vielzahl von Spielen bei einem solchen Großturnier sicherlich eine Herausforderung darstellt?

Dinah Eckerle:
Ich wähle hier ein Mittelmaß aus Videostudium und dem Vertrauen auf mein Gefühl während des Spiels. Videos schaue ich nur unmittelbar am Tag vor oder auch erst direkt am Spieltag.

Haben oder hatten Sie ein Vorbild unter den noch aktiven Torhüterinnen?

Dinah Eckerle:
Tatsächlich habe ich mir früher als Teenager gern Videos der spanischen Torhüterin Silvia Navarro angeschaut. Sie ist ähnlich groß bzw. klein wie ich und wir ähneln uns schon vom Stil her.

Für Außenstehende ist die körperliche Belastung der Torhüterinnen im Vergleich zu Feldspielerinnen während des Spieles gerade bei einem Turnier mit derart vielen Spielen nicht so offensichtlich. Verspüren Sie aufgrund Ihrer langen Spielanteile die Belastung ähnlich?

Dinah Eckerle:
Ich glaube schon, dass die Belastung ebenso hoch ist wie bei den Feldspielerinnen. Ich spüre das nach dem Spannungsabfall auf der Rückfahrt oder dann spätestens im Hotel nach den Spielen. Die mentale Beanspruchung über 60 Minuten ist schon sehr hoch und schlaucht am Ende richtig.

Denken Sie vor dem entscheidenden Spiel um den Platz Sieben noch an die vergebenen Siegchancen gegen Korea oder Serbien zurück?

Dinah Eckerle:
Natürlich ging auch mir noch einige Male der Gedanke durch den Kopf, wo wir stehen würden, wenn ich den letzten Strafwurf gegen Serbien gehalten hätte. Aber so kann jede Spielerin sich ihre Situation mit allen Eventualitäten zusammenbasteln. Letztlich ist das kontraproduktiv. Es hat nicht sollen sein und jetzt haben wir immer noch das Ziel diese Sache sportlich zum gewünschten Ende zu führen.