11.12.2019 14:10 Uhr - Weltmeisterschaft - cie

Handball-WM Frauen: Deutschland mit großem Kampf, doch Norwegen behält die Oberhand

Alicia Stolle verletzte sich im ersten Abschnitt, kam in der Schlussphase aber noch einmal zurückAlicia Stolle verletzte sich im ersten Abschnitt, kam in der Schlussphase aber noch einmal zurück
Quelle: Marco Wolf
Deutschlands Handball-Frauen haben den erstmaligen Einzug ins WM-Halbfinale seit 2007 verpasst und spielen bei den Titelkämpfen in Japan um Platz sieben. Die DHB-Auswahl verlor am Mittwoch in Kumamoto ihr letztes Hauptrundenspiel gegen Rekord-Europameister Norwegen mit 29:32 (16:17) und schloss die Gruppe I mit 5:5 Punkten als Vierter ab. Die deutsche Mannschaft muss nun am Freitag ihr Platzierungsspiel gegen Schweden gewinnen, um sich das erhoffte Ticket für die Olympia-Ausscheidung im März 2020 zu sichern.

Die Vorergebnisse des Tages ließen das letzte Spiel der Hauptrunde I zwischen Deutschland und Norwegen zu einem echten Showdown werden: Für beide Teams war die Ausgangslage klar, ein Sieg oder Remis würde den Einzug ins Halbfinale bringen, eine Niederlage den Traum von einer Medaille beenden. "Im schlimmsten Fall müssen wir um Platz sieben spielen, was unser Ziel war", berichtete Bundestrainer Henk Groener, das sein Team dennoch ohne Druck in die Partie gehen konnte

Den ersten Treffer von Kari Brattset beantworteten die deutschen Frauen ebenfalls von Kreis durch Julia Behnke. Norwegen legte dann zwar durch einen Doppelschlag vor, doch die deutsche Auswahl überzeugte mit einem zunächst konzentrierten Angriffsspiel, bei dem Rückraum für die nötige Torgefahr sorgte: Alicia Stolle glich aus der Distanz zum 3:3 aus.

Die erste Chance auf die Führung wurde zwar mit einem zu riskanten Pass in den Gegenstoß ausgelassen, doch nach dem erneuten Ausgleich durch Emily Bölk und einer Parade von Dinah Eckerle sorgten Stolle und Bölk mit einem Doppelschlag für das 6:4.

Norwegens Trainer Thorir Hergeirsson nahm nach nicht einmal zehn Minuten eine frühe Auszeit, doch die deutschen Frauen legten zunächst durch Kim Naidzinaivicius beim 7:5 noch einmal zwei Treffer vor. Die Nordeuropäerinnen kamen allerdings zum Ausgleich und für das DHB-Team gab es einen schweren Rückschlag: Alicia Stolle landete nach einem Wurf unglücklich, knickte um und musste in der Folge vom Parkett. Ein Gegenstoß von Antje Lauenroth, sowie Treffer von Emily Bölk und der für Stolle eingewechselten Maren Weigel hielten Deutschland bis zum 10:9 in Vorlage.

Aus 10:9 wird 10:14




Es folgte allerdings eine Phase der Unkonzentriertheit - mehrfach wurden Aktionen in der Offensive nicht ausreichend vorbereitet und Norwegen bestrafte dies umgehend: Auch eine Auszeit von Henk Groener konnte den Lauf der Nordeuropäerinnen zunächst nicht unterbrechen, aus dem 10:9 wurde binnen weniger Minuten aufgrund des norwegischen Tempos ein 10:14. Mit einem wichtigen Treffer beendete Kim Naidzinavicius den Lauf des Favoriten, aus der Deckung heraus zeigten nun auch die DHB-Frauen ihre Klasse im Umschaltspiel und fanden so zurück in die Begegnung.

Antje Lauenroth war mehrfach im Gegenstoß nicht aufzuhalten, der Bietigheimerin gelang mit dem 15:15 aus dem Konter heraus auch der Ausgleich - mit fünf starken Minuten waren die vorherigen fünf schwachen wieder ausgemerzt. Zu einem Faktor in dieser Phase wurde auch Dinah Eckerle im Tor, allerdings war auf der Gegenseite auch Silje Solberg immer wieder zur Stelle. Nach einer von Luisa Schulze herausgeholten Zeitstrafe warf die Kreisläuferin die deutschen Frauen sogar wieder in Vorlage, doch Camilla Herrem und Stine Oftedal drehten den Spielstand noch vor der Pause - aus deutscher Sicht ging es mit einem 16:17 in die Kabinen.

Mit einem 16:17 in die Pause




Den besseren Start in den zweiten Abschnitt erwischte die norwegische Auswahl: Den Siebenmeter von Emilie Hegh Arntzen konnten die DHB-Frauen noch beantworten, nach einem von Maren Weigel herausgeholten Strafwurf traf Shenia Minevskaja aus der gleichen Distanz.

Doch während die deutschen Würfe nun mehrfach im Block hängen blieben, ging Norwegen konsequent ins Tempo: Nach dem erfolgreichen Versuch von Kari Brattset sorgte die Kreisläuferin im Wechsel mit Marit Jacobsen dafür, dass sich der Favorit auf 22:17 absetzen konnte.

Bundestrainer Henk Groener reagierte, bereits nach fünf Minuten nahm er die erste Auszeit der zweiten Hälfte. Die deutsche Offensive kam danach wieder ins Spiel, Amelie Berger und Emily Bölk sorgten für Treffer. Auf der Gegenseite trafen aber auch die Norwegerinnen weiter, im Positionsangriff wurde immer wieder erfolgreich das Anspiel zum Kreis gesucht.

Bis zum 25:20 blieb es bei fünf Toren Abstand, der nächste Bölk-Treffer, eine Parade von Eckerle und Schmelzer führten das DHB-Team aber wieder auf drei Tore heran - doch der nächste Doppelschlag der Norwegerinnen zum 27:22 folgte.

DHB-Frauen lassen sich nicht abschütteln




Für Hoffnung bei den deutschen Fans sorgte die Rückkehr von Alicia Stolle, die sich auch gleich mit einem Treffer einfügte. Allerdings blieb in dieser Phase eine Überzahl ungenutzt, Norwegen behauptete die Fünf-Tore-Führung bis zum 30:25. Die deutschen Frauen ließen sich aber nicht abschütteln.

Nach dem 30:27 von Stolle sah sich Thorir Hergeirsson elf Minuten vor dem Ende zu einer Auszeit gezwungen - sein Team hatte im Positionsangriff etwas die Linie verloren und vergab auch den nächsten und übernächsten Versuch, doch das DHB-Team konnte die Chance auf zwei Treffer zu verkürzen zunächst nicht nutzen.

Eine weitere Parade von Dinah Eckerle eröffnete jedoch eine weitere Gelegenheit, die Shenia Minevskaja von der Siebenmeterlinie nutzte - den möglichen Anschlusstreffer verhinderte jedoch Silje Solberg mit einer Glanztat gegen Meike Schmelzer, die dann aber das nächste norwegische Tor von Arntzen beantwortete.

Nach einem Ballgewinn der deutschen Deckung verhinderte Solberg jedoch erneut den Anschluss und die Zeit begann für den Favoriten zu laufen. Dieser ließ die nächste Chance zwar aus, doch Deutschland verlor den Ball und im Kampf um das Spielgerät kassierte Emily Bölk zudem noch eine Strafzeit. Die Weichen für das 32:29 der Norwegerinnen, die somit die Niederlande mit in das Halbfinale nehmen, waren gestellt.

Ergebnisse und Tabelle Hauptrunde I:




Serbien 36:33
(21:16)
Korea
Niederlande 23:25
(12:11)
Deutschland
Norwegen 22:19
(12:9)
Dänemark
Deutschland 28:29
(17:19)
Serbien
Dänemark 27:24
(14:9)
Niederlande
Korea 25:36
(10:20)
Norwegen
Niederlande 40:33
(23:16)
Korea
Serbien 26:26
(14:11)
Dänemark
Norwegen 32:29
(17:16)
Deutschland


Pl. Team Sp. TD Pkt.
1. Norwegen 5 18 8:2
2. Niederlande 5 17 6:4
3. Serbien 5 -14 5:5
4. Deutschland 5 -1 5:5
5. Dänemark 5 -1 4:6
6. Korea 5 -21 2:8


Serbien aufgrund des gewonnen Direktvergleichs vor Deutschland.

Video: Highlights und gesamtes Spiel relive






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