10.12.2019 10:00 Uhr - Weltmeisterschaft - Björn Pazen und Eric Dobias, dpa und HP DHB

Schützenhilfe für erstes Ziel und zweiten Matchball: "Noch ist alles möglich" für Deutschlands Frauen bei Handball-WM

Deutschland blickt optimistisch auf das Duell mit NorwegenDeutschland blickt optimistisch auf das Duell mit Norwegen
Quelle: Marco Wolf
Die deutschen Handballerinnen haben trotz der unglücklichen 28:29 (17:19)-Niederlage gegen Serbien ihr erstes Etappenziel bei der Weltmeisterschaft in Japan erreicht. Durch das 25:36 von Südkorea gegen Norwegen steht die DHB-Auswahl bereits vor ihrem abschließenden Hauptrundenspiel gegen die Skandinavierinnen am Mittwoch sicher im Spiel um Platz sieben, der zur Teilnahme an einem von drei Olympia-Qualifikationsturnieren im März 2020 berechtigt. Auch den ersten Halbfinaleinzug bei einer WM seit 2007 können die DHB-Frauen dank der Schützenhilfe von Dänemark noch aus eigener Kraft schaffen.

Zu später Stunde war der Frust der deutschen Handballerinnen über den bitteren Last-Minute-K.O. gegen Serbien zumindest zum Teil verflogen. Trotz der unglücklichen 28:29 (17:19)-Niederlage hat die DHB-Auswahl dank der Schützenhilfe der Konkurrenz vorzeitig ihr erstes Etappenziel bei der Weltmeisterschaft in Japan erreicht - das Spiel um Platz sieben, der zur Teilnahme an einem von drei Olympia-Qualifikationsturnieren im März 2020 berechtigt.

Entsprechend angriffslustig gab sich Kapitänin Kim Naidzinavicius vor dem Gruppenfinale am Mittwoch gegen Rekord-Europameister Norwegen, in dem für die deutsche Mannschaft sogar das Halbfinale immer noch möglich ist. "Wir haben bisher eine überragende WM gespielt und lassen uns durch diese Niederlage nicht runterziehen", sagte Naidzinavicius. "Jetzt bekommen wir einen Moment Zeit, um uns zu ärgern, dann ist der Kopf wieder oben. Jeder ist heiß auf Norwegen."

Mit einem Sieg würde die DHB-Auswahl aus eigener Kraft den Traum von Olympia und der ersten WM-Medaille seit Bronze 2007 am Leben erhalten. Hinter den Skandinavierinnen, die durch ein 36:25 gegen Südkorea mit 6:2 Punkten die Tabellenführung in der Gruppe I übernahmen, liegt Deutschland (5:3) auf Rang zwei. Dahinter folgen gleichauf die Niederlande, die Dänemark mit 24:27 unterlag, und Serbien (beide 4:4).

"Wenn man nicht clever genug ist, gibt es am Ende eben keine Punkte"




Gegen die Serbinnen konnte die DHB-Auswahl nicht an die Leistung beim Sieg am Vortag gegen die Niederlande anknüpfen. In der ersten Halbzeit war die Defensive schwach, in der zweiten Halbzeit die Offensive. "Erst haben wir hinten zu viele einfache Tore vom Kreis kassiert, dann vorne viele dumme Sachen gemacht und beste Chancen vergeben", kritisierte Bundestrainer Henk Groener. "Wenn man nicht clever genug ist, gibt es eben keine Punkte."

Der Ruhetag kommt Groener nach dem siebten Spiel innerhalb von zehn Tagen daher gerade recht. "Das ist schon ein Hammerprogramm. Man hat gesehen, dass uns das sehr intensive Spiel gegen die Niederlande in den Knochen steckte", analysierte der 59-Jährige. Seine Schützlinge schlichen mit hängenden Köpfen aus der Halle in Kumamoto. "Ich bin enttäuscht und sauer, denn es war unnötig, das Spiel zu verlieren", schimpfte Naidzinavicius.

Amelie Berger hatte sogar Tränen in den Augen, als sie die Ehrung als beste Spielerin des Spiels entgegennahm. "Mir fehlen die Worte, das müssen wir erst verarbeiten, aber wir haben noch eine Chance", sagte die sechsfach erfolgreiche Berger - denn aufgrund der anderen Ergebnisse hätte ein Remis bereits das sichere Ticket ins Halbfinale bedeutet. Serbien läge dann wie Dänemark drei Punkte zurück, die Niederlande hätten bei zwei Punkten Rückstand den Direktvergleich verloren.

"Noch ist alles möglich"




In der dramatischen Partie hatte sich Serbien mit einem Strafwurf kurz vor dem Ende den Sieg gesichert - und im Nachgang gesehen das vorzeitige Halbfinale gekostet. "Wenn du einen Siebenmeter in den letzten fünf Sekunden kassierst, ist das natürlich bitter", sagte Groener. Und Kreisläuferin Julia Behnke beklagte: "Im Gegensatz zu den vorherigen Partien hat die Deckung nicht gestanden, und das Tempospiel hat auch nicht stattgefunden."

Auch die zuletzt überragende Torfrau Dinah Eckerle war dieses Mal kein Faktor im deutschen Spiel. Zudem blieb die Chancenverwertung das große Manko. Zum Glück spielte die Konkurrenz für Deutschland, so dass der Blick der DHB-Frauen am Abend schon wieder zuversichtlich nach vorne ging - nicht nur hinsichtlich des Fernziels Olympia, auch mit Blick auf das weiterhin in Reichweite befindliche Halbfinale. "Das wäre ein wichtiger Punkt gewesen, aber es sollte heute nicht sein", so Emily Bölk.

"Die Akkus für das Norwegenspiel aufzuladen ist nur bedingt möglich. Wir haben jetzt schon sieben Spiele in zehn Tagen absolviert", so Bundestrainer Henk Groener, dem der Ruhetag allerdings Hoffnung macht. Er konstatierte nach der Niederlage gegen Serbien: "Es war ähnlich wie gegen Frankreich, als wir zwei Spiele in zwei Tagen hatten und nicht die nötige Energie auf die Platte gebracht hatten." Shenia Minevskaja fügte an: "Wir brauchen die Leichtigkeit und Spielfreude und müssen die Dinger eben reinmachen." Julia Behnke betonte unterdessen: "Wir müssen jetzt schnell den Schalter umlegen. Noch ist alles möglich."

» Details zur Lage und zum Kampf um Olympia und das Halbfinale

Ergebnisse und Tabelle Hauptrunde I




Pl. Team Sp. Tore G.-Tore Diff. Pkt.
1. Norwegen 4 114 99 15 6:2
2. Deutschland 4 106 104 2 5:3
3. Niederlande 4 113 103 10 4:4
4. Serbien 4 111 125 -14 4:4
5. Dänemark 4 97 98 -1 3:5
6. Korea 4 111 125 -14 2:6


Serbien 36:33
(21:16)
Korea
Niederlande 23:25
(12:11)
Deutschland
Norwegen 22:19
(12:9)
Dänemark
Deutschland 28:29
(17:19)
Serbien
Dänemark 27:24
(14:9)
Niederlande
Korea 25:36
(10:20)
Norwegen
Niederlande 11.12.2019
07:00 Uhr
Korea
Serbien 11.12.2019
10:00 Uhr
Dänemark
Norwegen 11.12.2019
12:30 Uhr
Deutschland


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