18.11.2019 11:31 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

"Ein auf und ab im Spiel": Halle-Neustadt triumphiert bei Topspiel gegen Buchholz 08-Rosengarten

Pia Dietz stoppt Sarah LampPia Dietz stoppt Sarah Lamp
Quelle: Michael Vogel, SV Union Halle-Neustadt
Mit 20:19 gewannen die Wildcats vom SV Union Halle-Neustadt das Spitzenspiel der 2. Handball Bundesliga Frauen gegen den Tabellenzweiten aus Buchholz-Rosengarten.

686 Zuschauer sahen ein torarmes und von vielen technischen Fehlern geprägtes Spiel. Die Gäste aus Norddeutschland gingen nur in der Anfangsphase mit 0:2 und später noch mal mit 3:5 in Führung. In der 15. Minute zückte Tanja Logvin die grüne Karte als der amtierende Meister wieder mit 3:5 in Führung ging. Was immer sie auch ihren Spielerinnen gesagt haben mag, es fruchtete. Zwar warf der Spitzenreiter bis zum Ende des ersten Abschnittes nur fünf Tore zum Pausenstand von 8:5, aber die Luchse blieben 15 Minuten erfolglos, da sie reihenweise die klarsten Chancen vergaben und an der überragenden Anica Gudelj scheiterten.

Der Tabellenführer kam immer besser ins Spiel und versuchte mit Tempo die Defensive von Rosengarten zu knacken. Auch zwei Auszeiten von Gästetrainer Dubravko Prelcec konnten an der erfolglosen Wurfausbeute seiner Schützlinge nichts ändern, denn die schnelle 3:2:1-Deckung im Zusammenspiel mit der Torhüterin verunsicherte die Spielerinnen der HL Buchholz 08-Rosengarten mehr und mehr.

Nach der Pause wurde die insgesamt 16-minütige Torflaute der Gäste endlich durch Johanna Heldmann beendet, die zum 8:6 verkürzen konnte, aber die Luchse blieben ihrer Linie treu, sie verteidigten hinten bravourös, aber vorne vergaben sie Strafwürfe, scheiterten am Lattenkreuz oder konnten selbst bei klarsten Gelegenheiten Anica Gudelj nicht überwinden.

Die Wildcats konnten ihren Vorsprung durch Saskia Lang auf vier Tore ausbauen, aber die Gäste gaben sich noch nicht geschlagen, weil sie verbissen um den Anschluss bemüht waren und im Angriff variabler über Außen spielten. Zeliha Puls markierte das 11:10 und Kim Land gelang der Ausgleich, so dass Tanja Logvin sich gezwungen sah eine Auszeit zu nehmen, um ihr Team neu einzustellen - wieder mit Erfolg.

Bis zur 47. Minute konnte sich der Spitzenreiter durch den Treffer von Sophie Lüdke zum 16:13 absetzen, so dass Luchse Trainer Dubravko Prelcec seinerseits die grüne Karte zog, um das drohende Unheil für seine Mannschaft noch abzuwenden. Aber als Saskia Lang in der 54. Minute zum 20:16 einnetzte, schien die Niederlage des Meisters besiegelt zu sein.

Zum Ende hin wurde die junge hallesche Mannschaft aber nervös und muss wahrlich bis zur letzten Sekunde um den 20:19 Heimsieg zittern. Bester Spielerin beim Tabellenführer war Torhüterin Anica Gudelj. Bei den Gästen machte Zeliha Puls mit sechs Toren am meisten auf sich aufmerksam.

Wenige Minuten nach dem Abpfiff schnappte sich Nadine Smit das Mikrofon und sang mit über 600 Zuschauern "Spitzenreiter, Spitzenreiter - Hey, Hey". Die Wildcats bleiben weiterhin in der 2. Bundesliga ungeschlagen und das war ein Erfolg, der an die Nerven ging. Die Gäste, welche bereits am Freitag in Richtung Halle angereist waren und in Magdeburg schliefen nahmen das Spiel genauso ernst wie die Hallenserinnen.

Es war kein schönes Spitzenspiel, da beide Mannschaften nervös auftraten und dadurch viele Fehler produzierten. Die Handball Luchse aus Rosengarten kamen aber besser ins Spiel und führten bereits nach zwei Minuten mit 0:2. Die Wildcats dagegen viel zu hektisch und mit unnötigen Ballverlusten brauchten lange, bis sie angekommen waren. Erst durch den Treffer von Swantje Heimburg in der 7. Minute war das Spiel mit 2:2 wieder ausgeglichen.

Lang: "Konnten Tempospiel nur selten zeigen"




Die Gäste aus dem Raum Hamburg blieben allerdings bis zur 14. Minute immer mit zwei Toren in Führung. Eine richtungsweisende Wende nahm das Spitzenspiel dann bis zum Halbzeitpfiff. Der Tabellenführer arbeitete in der Abwehr aggressiver und auch offensiver. Eine starke Anica Gudelj im Tor der Wildcats brachte den gut besetzten Rückraum von Rosengarten zur Verzweiflung. Bis zum Halbzeitpfiff also insgesamt 16 Minuten gelang den Tabellenzweiten kein einziges Tor. Die Wildcats nutzen diese Schwächephase aus und konnten unter anderem durch Treffer von Danique Boonkamp und Saskia Lang bis zur Pause auf 8:5 wegziehen.

Dubravko Prelcec motivierte seine Mannschaft in der Halbzeit noch mal und so kam Rosengarten jetzt auch torgefährlicher aus der Kabine. Schnell war das Spiel wieder ausgeglichen und Zeliha Puls konnte in der 37. Minute das 12:12 erzielen. Tanja Logvin welche vor zwei Jahren ebenfalls die HL Buchholz 08 ? Rosengarten trainierte, stärkte ihr Team in einer Auszeit den Rücken. Vor allem Saskia Lang übernahm in der wichtigen Phase des Spiels die Verantwortung und so konnte man wieder bis zur 55. Minute eine 20:17 Führung rauswerfen.

Spannend wurde es dann in der Schlussphase. Nach einer Zeitstrafe an Sophie Lütke gelang dem Gastgeber kein weiteres Tor mehr im Spielverlauf. Die Gäste witterten noch mal ihre Chancen und hatten dann auch beim Spielstand von 20:19 den letzten Angriff. Die Spielzeit war aber bereits so weit fortgeschritten, dass kein richtiger Spielaufbau mehr möglich war und Rosengarten mit einem unvorbereiteten Wurf abschießen musste.

"Es war für uns alle heute ein auf und ab im Spiel. Wir haben eine richtig gute Abwehr gespielt und eine starke Anica im Tor gehabt. Es ist eine Katastrophe gewesen, wie wir unser Angriff gestaltet haben. Unser Tempospiel was uns ausmacht, konnten wir heute nur selten zeigen", so Wildcats-Spielmacherin Saskia Lang.

Prelcec: "Erfahrene Spielerin waren übermotiviert"




"Besonders meine erfahrenen Spielerinnen waren übermotiviert, sehr unruhig und viel zu hektisch. Wir wollten das Spiel breit machen, um über die Außen zum Erfolg zu kommen, das ist uns leider erst spät gelungen. Unsere Abwehrleistung war großartig und hat uns im Spiel gehalten. Wenn man gegen eine Ausnahmemannschaft wie dem SV Union Halle-Neustadt auswärts nur 20 Tore kassiert, dann muss man eigentlich das Spiel gewinnen, aber wir haben unsere zahlreichen Chancen nicht genutzt und dürfen uns dann auch nicht beschweren", erklärt Luchse Trainer Dubravko Prelcec.

Es war so ein Spiel in dem die Luchse kein Glück hatten und später noch Pech dazu kam, denn in der Schlussphase wurden einige Würfe der "Wildcats" so unglücklich abgefälscht, dass sie dennoch den Weg ins Tor fanden. Das Spitzenspiel war nichts für schwache Nerven und das Niveau in der 2. Halbzeit deutlich besser. Das lautstarke Publikum sorgte für eine tolle Stimmung in der Halle und auch die zahlreichen Luchse-Fans unterstützten bis zum Schluss ihre Mannschaft.

Matthias Steinkamp vom Trainer-Team der Luchse sagt abschließend: "Wir haben alles gegeben und stehen am Ende trotz starker Abwehr ohne Zählbares in der Hand da! Gerade in den ersten 30 Minuten waren wir offensiv sehr fahrig und unkonzentriert. Nichtsdestotrotz kämpfte sich das Team mehrfach wieder heran und schlussendlich fehlten nur Sekunden zum Ausgleich. Nun sind wir gefordert und wollen die restlichen Punkte im Jahr 2019 holen, um zur Tabellenspitze Anschluss zu halten!"