11.11.2019 09:51 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine

TuS Metzingen hat sich gegen Bad Wildungen "das Leben selber schwer gemacht"

Patricia KovacsPatricia Kovacs
Quelle: Tobias Baur, TuS
Mit 29:21 (13:10) hat sich Erstligist TuS Metzingen vor 1050 Zuschauern gegen die HSG Bad Wildungen durchgesetzt.

Es war eine komische erste Halbzeit, in der die TuS Metzingen nicht sehr viel falsch machte, aber viel zu wenig traf. Auch mit klaren Sachen blieb man an Vipers-Keeperin Manuela Brütsch hängen. Die HSG Bad Wildungen stellte die befürchtete 4:2-Abwehrformation in die Öschhalle, die bei Bedarf auch schnell in 3:3 umgebaut war. Das gab Platz, den nutzten die TusSies, vergasen jedoch das Wesentliche: Die Tore.

"Wir wussten, dass man gegen diese Torhüterin manche Sachen beachten muss. Das haben wir dann aber vergessen und uns das Leben selber schwer gemacht", sagte Delaila Amega. "Wir haben mehr Fehler gemacht, als wir uns vorgestellt haben. Vor allem im Abschluss. Daraus resultierten dann auch Unkonzentriertheiten in der Defensive", verdeutlichte Trainerin Edina Rott das Manko. In Zahlen ausgedrückt: Von den ersten acht Chancen gingen fünf nicht rein, darunter Hundertprozentiges.

Rott "Habe auf ungarisch geflucht"




Maren Weigel und Tamara Haggerty hatten nach zwei Minuten auf 2:0 gestellt - und dann war die Präzision dahin. Die HSG zeigte ganz gefällige Sachen, man hätte sich manchmal allerdings von der TuS-Defensive ein beherzteres Zugreifen gewünscht. Der Gast führte 3:2 (6.), musste dann allerdings wieder in die Verfolgerrolle.

7:4 hieß es für die TuS (14.), Patricia Kovacs hatte ein Solo erfolgreich abgeschlossen, abschütteln ließen sich die Vipers aber nicht. Trotz dem zwischenzeitlichen Ausfall von Maria Ines da Silva Pereira (Platzwunde am Ohr), die später wieder ins Spielgeschehen eingreifen konnte, und der mit Fußverletzung ausfallenden Anna-Maria Spielvogel, stimmte die kämpferische Einstellung der Vipers und so blieb man bis zum Halbzeitstand von 13:10 auf Schlagdistanz. Mit einer guten Quote wartete Cara Hartstock am Kreis auf, Madita Kohorst hielt mehr als ordentlich. Bad Wildungen hatte in Jana Scheib eine treffsichere Fachkraft im Rückraum.

Gruselig aus pinker Sicht ging es weiter. Fünf Minuten waren gespielt und der Vorsprung hatte sich in einen Rückstand gewandelt. Das 13:14 war die Folge von Fehlern auf ganzer Linie. Nun kam man nicht einmal mehr in Abschlusssituationen, weil schon zuvor technische Fehler deren Entstehung verhinderten. Edina Rott nahm eine Auszeit. "Ich habe auf ungarisch ein bisschen geflucht", verriet die TuS-Trainerin.

Patricia Kovacs und Dorina Korsos haben es wohl verstanden und für ihre Mitspielerinnen übersetzt. Auf alle Fälle konnte man sich aus der misslichen Lage schnell befreien. Als die in der ersten Hälfte glücklose Marlene Zapf per Doppelschlag auf 18:15 (43.) gestellt hatte, waren die pinken Weichen gestellt.

Rott hadert mit Chancenverwertung




Nach Petersen-Siebenmeter stand es 24:17 (50.), zehn Minuten später war mit 29:21 der Endstand aktenkundig. Am meisten Jubel gab es für Tor Nummer 27 der TusSies. Marija Obradovic, die nach auskuriertem Kreuzbandriss Probleme mit der Achillessehne hatte, riss die Zuschauer von den Bänken, die sie und wenig später den Sieg feierten.

"Wir haben am Ende mit acht gewonnen, wenn von den 16 vergebenen Möglichkeiten zumindest von den zehn Freien noch ein Großteil reingeht, ist es am Ende eine ganz klare Sache", rechnete Edina Rott vor. Sehr zufrieden war sie mit dem Auftritt von Cara Hartstock im ersten Abschnitt. "Ich musste dann aber in der Abwehr etwas ändern, deshalb kam Tamara wieder", erklärte die Trainerin. Und die hat in der zweiten Halbzeit auch ganz nett getroffen.

Edina Rott hat die Qual der Wahl, besonders im Rückraum. Dort würde sich zum Beispiel Delaila Amega mehr Spielanteile wünschen, muss sich nach der langen Pause wegen des Kreuzbandrisses aber noch gedulden. "Ich muss mich im Training eben immer anbieten", sagt die niederländische Nationalspielerin - was der Trainerin selbstverständlich gefällt.

Derzeit hat in der Spielsteuerung Patrizia Kovacs die Nase vorne, die am Samstag zur Spielerin des Spiels gekürt wurde. Zufrieden ist sie mit sich selbst nur bedingt. "Es geht immer besser. Sobald man zufrieden ist, geht es bekanntlich bergab. Nicht nur im Sport - auch im Leben", sagt die "Chef-Philosophin" der Pink Ladies.

Nach einem Foul an Anna-Maria Spielvogel beim Wurfversuch war die Linksaußen-Spielerin unglücklich umgeknickt und musste daraufhin vom Feld getragen werden. Es bleiben die Untersuchungen abzuwarten, um eine genaue Diagnose und Ausfallzeit zu ermitteln.