16.10.2019 12:45 Uhr - Weltmeisterschaft - HP DHB, red

Maren Baumbach: DHB-Frauen haben bei Handball-Weltmeisterschaft "definitiv das Potenzial, etwas zu erreichen"

Maren BaumbachMaren Baumbach
Quelle: Marco Wolf
Der Start mit zwei Siegen in der Qualifikation für die EHF EURO 2020 lief optimal für die neue Teammanagerin der Frauen-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes, und ein bisschen Extra-Adrenalin gab es auch für Maren Baumbach. Im Interview mit dhb.de blickt die 38-jährige frühere Nationalspielerin und heutige Gymnasiallehrerin zurück auf ihre erste Woche mit dem Team von Bundestrainer Henk Groener, erzählt, wie sie überhaupt zum Job als Nachfolgerin von Laura Steinbach kam und was ihre wichtigsten Aufgaben rund um die Mannschaft sind.

Was waren Ihre ersten Eindrücke in Ihrer neuen Funktion als Teammanagerin der DHB-Frauen?

Maren Baumbach:
Es war unglaublich spannend, diese ganzen Abläufe einmal von der anderen Seite zu sehen. Als Spielerin machst du dir um die Organisation rund um eine Nationalmannschaft keine großen Gedanken. Jetzt habe ich gesehen, was alles dahintersteckt, was alles ineinandergreifen muss, damit so eine Lehrgangswoche reibungslos läuft.

Ist denn alles reibungslos gelaufen?

Maren Baumbach:
Na ja, noch vor dem Spiel gegen Weißrussland in Coburg hat mich DHB-Sportvorstand Axel Kromer informiert, dass unser Flug in den Kosovo gestrichen wurde, weil die Airline Pleite gegangen war. Das Umbuchen lief natürlich über die Geschäftsstelle des DHB, aber es war schon reichlich Wirbel. Aber genau da setzt mein Job an, als Bindeglied zwischen Trainerstab, Geschäftsstelle und Mannschaft.

Was gehört zu Ihren Aufgaben?



Maren Baumbach:
Alles, damit sich die Trainer und die Spielerinnen ausschließlich auf den Handball konzentrieren können, die Organisation rund um Länderspiele und Lehrgänge. Da gab es ganz neue Erfahrungen, zum Beispiel die technische Besprechung im Kosovo: Da saß ich als einzige Frau mit sechs Männern. Es geht darum, dass der Rest des Teams keine Energie für Dinge abseits des Sports verschwenden muss, dass alles bereits steht und organisiert ist, dass bei auftretenden Problemen während eines Lehrgangs schnell Lösungen gefunden werden.

Hat Ihnen Ihre Vorgängerin Laura Steinbach, mit der Sie früher im Nationalteam und in Trier spielten, beim Start geholfen?

Maren Baumbach:
Absolut, wir hatten beim Länderspiel in Coburg eine richtige Übergabe. Ich hatte im Vorfeld viel mit ihr gesprochen, und ich weiß, dass ich sie jederzeit anrufen kann, wenn es Fragen gibt. Laura hat in ihrer Zeit einiges aufgebaut, woran ich anknüpfen kann. Es war ein reibungsloser, toller Übergang.

Wie wichtig ist es, dass eine frühere Nationalspielerin diese Funktion innehat?



Maren Baumbach:
Ich denke, das ist sehr wichtig, denn als frühere Spielerin kann man sich in die Mannschaft hineinversetzen, weiß, was die Spielerinnen wollen. Ich kenne die Rahmenbedingungen, weiß, was optimal ist - zum Beispiel selbst bei so Kleinigkeiten wie der Verpflegung oder auch die gedanklichen Prozesse vor einem Spiel.

Wie kamen Sie zu Ihrem neuen Posten?

Maren Baumbach:
Henk Groener kam auf mich zu und fragte mich, ob ich mir den Job vorstellen könne. Ich war begeistert, aber ich musste das natürlich mit meinen Dienstherren, dem Kultusministerium und dem Regierungspräsidium in Stuttgart abstimmen, ob das auch möglich ist. Da war meine Schule, das Gustav-Stresemann-Gymnasium in Fellbach, super kooperativ, sie haben mich bei allen Anfragen unterstützt, und dann bekam ich die Zusage. Auch der frühere DHB-Präsident Bernhard Bauer hat sich sehr für mich eingesetzt.

Wie schafft man diese Doppelfunktion, wenn man Mathe und Sport am Gymnasium unterrichtet und zum Beispiel im Dezember drei Wochen bei der WM in Japan ist?

Maren Baumbach:
Das ist alles eine Sache der Planung, ich halte Stunden vor oder nach, und meine Kollegen übernehmen meine Klassen und Kurse, wenn ich mit der Nationalmannschaft unterwegs bin.

Wenn Sie an Ihre eigene Zeit im Nationalteam zurückdenken, was ist heute anders?

Maren Baumbach:
Jede Mannschaft hat ihren eigenen Charakter, das kann man nicht miteinander vergleichen, heute ist natürlich vieles anders als vor zehn, 15 Jahren. Was mich aber beeindruckt, ist die Philosophie von Henk. Er gibt den Spielerinnen viel Eigenverantwortung, sie sollen mitdenken und sich einbringen, er gibt den Spielerinnen Raum für eigene Ideen. Ich finde diesen Weg, der eingeschlagen wurde, um die Mannschaft zu entwickeln, einfach sehr spannend. Gleich nach dem ersten Gespräch mit Henk, als er mir seine Vorstellungen präsentierte, hat mein Handball-Herz gelacht.

Sie haben 2010 Ihre Karriere beendet, danach hat man in Sachen Handball wenig von Ihnen gehört ...



Maren Baumbach:
Ich habe ab und zu im Nachwuchs meines Heimatvereins im Training ausgeholfen und einige Handball-Fortbildungen im Schulbereich gegeben. Das war bis zur Heim-WM 2017, als ich Botschafterin für den Handballverband Württemberg wurde, eigentlich alles. Ich hatte einen Schlussstrich gezogen, hatte genug mit meinem Job als Lehrerin und weiterführenden Aufgaben in meiner Schule zu tun, konnte mir einfach nicht mehr vorstellen, zum Beispiel als Trainerin fixe Termine an drei, vier Abenden pro Woche und auch das Wochenende verplant zu haben. Als mich Hans Artschwager, der Präsident des Handballverbands Württemberg, dann 2017 fragte, ob ich WM-Botschafterin werden wollte, hat mich das sehr gefreut. Er hat ein Herz für den Frauenhandball, und zudem wurde hier im Süden einiges auf die Beine gestellt.

Zurück zur aktuellen Mannschaft: Sie waren 2008 bei Olympia in Peking dabei, träumen Sie aktuell Ihren nächsten Olympia-Traum?

Maren Baumbach:
Ich habe zumindest alle potenziellen Termine für den nächsten Sommer beim Kultusministerium angemeldet (lacht), denn die Olympischen Spiele und die damit verbundene unmittelbare Vorbereitungszeit fallen zum Großteil nicht in die Sommerferien. Die Olympiateilnahme war gemeinsam mit WM-Bronze 2007 natürlich mein größter sportlicher Erfolg, aber aktuell sollten wir Schritt für Schritt denken. Erst einmal steht die WM an, da müssen wir unter die besten sieben, acht Teams kommen, um weiter im Rennen um ein Olympiaticket zu bleiben. Und das wird angesichts der Vorrunden- und potenziellen Hauptrundengruppe nicht einfach.

Wie schätzen Sie die WM-Chancen ein?

Maren Baumbach:
Ich denke, in unserer Gruppe wird es nur spannende Spiele geben. Ich glaube nicht, dass eine Mannschaft ohne Verlustpunkte weiterkommt, das heißt, du kannst auch eine Niederlage gleich im nächsten Spiel wieder ausmerzen. Vielleicht ist es ein Vorteil, dass Frankreich, Brasilien und Südkorea schon für Olympia qualifiziert sind. Unsere Mannschaft hat definitiv das Potenzial, etwas zu erreichen, wir gehen die WM mit Vorfreude, aber auch Respekt an - und dann sehen wir, wie weit wir kommen.

Zur Person:
Maren Baumbach absolvierte insgesamt 120 Länderspiele und erzielte dabei 341 Tore für die DHB-Auswahl. 2007 gewann sie mit der Frauen-Nationalmannschaft die Bronzemedaille bei der WM in Frankreich. Insgesamt war die Rückraumspielerin acht Jahre für die Frauen-Nationalmannschaft im Einsatz. Auf Vereinsebene gewann Baumbach mit Kopenhagen im Jahr 2009 den Europapokal der Pokalsieger, außerdem feierte die Schwäbin mit Trier 2003 die Deutsche Meisterschaft.

Hinweis: Der Beitrag stammt von der Homepage des DHB