16.09.2019 15:43 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

Couragierte Leistung der Flames - Dortmund muss sich den Sieg hart erkämpfen

Julia MaidhofJulia Maidhof
Quelle: Andrea Müller, HSG
Direkt nach dem Schlusspfiff war die Enttäuschung groß bei den Flames der HSG Bensheim/Auerbach. Vor 1000 Zuschauer in der Halle Wellinghofen besiegte der haushohe Favorit Borussia Dortmund das Team von Trainerin Heike Ahlgrimm mit 28:24 (10:15). 45 Minuten schnupperten sie an der Sensation, am Ende setzte sich dann aber die Erfahrung und internationale Klasse der Handballdamen von Dortmund durch. Beste Torschützen waren Julia Maidhof (8/3 Tore) und Lisa Friedberger (4) bei den Flames sowie Ex-Flames-Spielerin Bogna Sobiech (9/5) beim BVB.

Die Voraussetzungen beider Teams hätten unterschiedlicher nicht sein können. Beide Mannschaften haben einen Umbruch vor dieser Saison hinter sich und mussten acht neue Spielerinnen integrieren. So begann das Spiel auch erwartungsgemäß. Der BVB führte nach drei Minuten mit 3:0.

"Wir haben in den letzten Jahren bewiesen, dass wir uns vor niemanden verstecken müssen. Daher fahren wir auch nicht nach Dortmund und schenken denen die Punkte. Wenn sie die Punkte haben wollen, dann müssen sie sie sich auch erkämpfen", sagte Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm vor dem Spiel. Und sie sollte Recht behalten. Ihr Team stand gut in der Abwehr und hatte mit Helen van Beurden einen starken Rückhalt. Im Angriff nutzten die Flames die Lücken in der BVB-Abwehr und glichen erstmals um 4:4 (7. Minute) aus und Isabel Hurst brachte ihr Team mit 5:4 in Führung (8.) und die Flames legten endgültig den Respekt vor den großen Namen ab.

Und die Zuschauer in der Halle Wellinghofen trauten ihren Augen nicht, was sie hier in der 1. Halbzeit zu sehen bekamen. Es war nicht ihr Team, wo das Spiel bestimmte, sondern die Flames, die sich wahrlich in einen Rausch spielten und Dortmunds Coach Andre Fuhr nach 18 Minuten bereits zum zweiten Team-Timeout zwangen. Nach 23 Minuten führten die Flames mit 8 Toren beim15:7. Bis zur Pause konnte der BVB aber noch auf 10:15 verkürzen, da den Flames kein Tor mehr gelang.

Die Standpauke von Trainer Andre Fuhr zeigte ihre Wirkung. Das Team wehrte sich mit allen Mittel gegen die Heimpleite und verkürzte in den ersten beiden Minuten mit einem 3:0 Lauf gleich auf 13:15 (32.). Die Dortmunderinnen packten nun in der Abwehr konsequenter zu und stellten den jungen Flames-Angriff zunehmend vor Probleme.

Hier merkte man dann noch die mangelnde Erfahrung und dass man noch nicht so eingespielt ist, was aber der guten Gesamtleistung des Teams keinen Abbruch tut und einfach noch zu dem Lernprozess dazu gehört ? auch wie man mit einer deutlichen Führung gegen so ein Top-Team umgeht. Hier muss man einfach mit den jungen Spielerinnen noch geduldig sein.

Beim 15:16 durch Bogna Sobiech war der BVB erstmals bis auf ein Tor dran. Mit einem 3:0 Lauf zum 15:19 konnten sich die Flames aber wieder auf 4 Tore absetzen (40.) und wieder auf die Sensation hoffen, da auch noch Kelly Vollebregt eine Zeitstrafe erhielt. Trotzdem drehte der BVB das Spiel und Nationaltorhüterin Isabell Roch wurde immer stärker.

Mit einem 6:0 Lauf und einfachen Toren zum 20:19 (46.) gelang dem BVB erstmals seit der 5. Spielminute wieder die Führung, die Christin Kühlborn noch zum 20:20 (46.) ausgleichen konnte. Beim 23:20 (53.) war jedoch die Vorentscheidung gefallen und der BVB konnte sich schließlich über einen 28:24 Heimsieg freuen, für den sie aber viel mehr Aufwand betrieben mussten, als sie aufgrund ihres kaders vorher gedacht hatten.

Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm zeigte sich daher auch zufrieden mit der gezeigten Leistung ihres Teams. "Wir haben in der ersten Halbzeit das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und führen gegen eine so hochkaratig besetzte Mannschaft sensationell teilweise mit acht Toren. In der 2. Halbzeit hat sich dann die internationale Klasse durchgesetzt und wir haben im Angriff keine Lösungen gefunden. Aber hier müssen wir geduldig sein mit unserer jungen neu formierten Mannschaft. Wir nehmen das Positive aus diesem Spiel, vor allem der ersten Halbzeit mit und darauf können wir aufbauen", so die Trainerin nach dem Spiel.

"Wir haben nach dem sehr sehr guten Start scheinbar den Gegner unterschätzt und hatten eigentlich viel zu viele Mängel. Wir sind zu wenig in die Tiefe gegangen und haben weder in der Offensive noch in der Defensive die Zweikämpfe gefunden. Wir waren zu unpräzise und der Gegner hat das einfach ausgenutzt. Wir haben 12 Tore allein durch Tempogegenstöße bekommen und so können wir nicht gewinnen. Wir waren einfach überrascht nach dem 3:1 von der Gegenwehr eines gut kämpfenden Gegners", so André Fuhr.