10.06.2019 08:08 Uhr - 2. Bundesliga - Denis Geger, SVW

"Wir wollen uns gemeinsam weiterentwickeln" - Patrice Giron blickt auf Saison von Werder Bremen zurück

Patrice GironPatrice Giron
Quelle: hansepixx, SVW
Hinter der Handballabteilung des SV Werder liegt eine spannende Saison, an dessen Ende unter anderem der Klassenerhalt in der 2. Liga, die Vizemeisterschaft der Oberliga-Damen und die Chance auf die Jugendbundesliga stehen. Mit Patrice Giron, dem Koordinator Leistungssport schauen wir auf die vergangen Monate zurück und wagen einen Blick in die Zukunft, denn die kommende Saison steht bereits vor der Tür.

Patrice, schauen wir zuerst auf die Bundesliga-Frauen. Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen ...

Patrice Giron:
Ja absolut. Am Ende war das wichtigste Ziel der Klassenerhalt, und den hat sich die Mannschaft durch zuletzt tolle Auftritte mit vielen, teils unerwarteten, Punkten auswärts und in unserer Halle redlich verdient!

Nun gibt es zahlreiche Abgänge ...

Patrice Giron:
Das war abzusehen. Nach vier Jahren in der 2. Liga war uns klar, dass es irgendwann zu einem personellen Umbruch kommen wird. Die Spielerinnen haben sich in den vergangenen Jahren voll in den Dienst der Mannschaft gestellt und sind größtenteils über sich hinausgewachsen.

Wir mussten vier Jahre bis zum Saisonende um den Klassenerhalt kämpfen, das hat viel Kraft gekostet. Daher kann ich den Schritt der etablierten Spielerinnen durchaus nachvollziehen.

Mit Merle Heidergott (HSG Blomberg-Lippe) und Alina Otto (HSG Bad Wildungen) wechseln zwei Spielerinnen in die 1. Bundesliga. Diese positive Entwicklung ist durchaus ein Zeichen guter Arbeit, oder?

Patrice Giron:
Alina und Merle haben sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Das ist in erster Linie ihr persönlicher Verdienst. Aber natürlich tragen auch alle Spielerinnen im Team, der Trainerstab und das Umfeld zu solch einer Entwicklung bei.

Wir sind als Abteilung sehr stolz darauf, wenn wir Spielerinnen auf Ihrem Weg ein Stück begleiten können, wünschen den beiden in der 1. Liga alles erdenklich Gute und bedanken uns natürlich für ihren großartigen Einsatz für Werder.

Während der Saison gab es einen Trainerwechsel. Dominic Buttig hat in einer schwierigen Phase übernommen. Wie beurteilst du die Entwicklung des Teams?



Patrice Giron:
Dass seit Beginn der vergangenen Saison drei Trainer die Verantwortung für die Mannschaft getragen haben, stellte für uns alle eine Herausforderung dar! Dominic kannten wir schon seit eineinhalb Jahren und haben ihm diese Aufgabe zugetraut.

Er hat mit der Mannschaft den Klassenerhalt geschafft, und am Saisonende hat sich das Team noch einmal deutlich gesteigert. Wir wissen, dass Dominic als Trainer noch viel Potenzial hat. Das soll er in den kommenden Jahren bei Werder voll ausschöpfen.

Du arbeitest sehr eng mit Dominic zusammen. Wie würdest du ihn als Trainer charakterisieren?

Patrice Giron:
Er ist sehr kollegial, hat sich super in die gesamte Abteilung integriert und pflegt eine sehr guten Austausch mit den Trainerkolleginnen und -kollegen. Außerdem ist er sehr wissbegierig, hat einen guten Draht zu den Spielerinnen gefunden und arbeitet sich in alle Themengebiete ein. Wir wollen uns gemeinsam mit ihm weiterentwickeln.

Nach den vielen Abgängen kommen natürlich auch viele neue Spielerinnen zum Team. Mit welchen Gedanken blickst du derzeit auf die kommende Saison?

Patrice Giron:
Die Zusammenstellung der Mannschaft war sicher nicht ganz einfach, wir mussten das in einer Phase schaffen, als der Klassenerhalt noch nicht sicher war. Aber es ist uns gelungen, interessante Spielerinnen mit außerordentlich guter Perspektive zu gewinnen, so dass wir in der kommenden Saison eine sehr gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen haben.

Das Wichtigste für uns ist, dass sich alle absolut mit dem SV Werder identifizieren. Wir wollen wieder einen aggressiven und mutigen Tempohandball spielen, bei dem das gesamte Team zum einen Spaß am Handball und zum anderen absoluten Siegeswillen ausstrahlt!

Mit Pia Döpke und Malin Pods haben zwei Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung geschafft. Wie bewertest du ihre Entwicklung und das Konzept mit A-Jugend, Oberliga-Team und Bundesliga-Kader?

Patrice Giron:
Dieses System funktioniert. Es ist schon eine gute Quote, dass wir zwei Spielerinnen aus unserer Jugend in die erste Mannschaft integrieren können. Dahinter warten weitere Talente. Malin hat sich, seit sie vom VfL Oldenburg zu Werder zurückgekommen ist, super an das Bundesliga-Team herangekämpft und mit ihren Leistungen in der Oberliga absolut überzeugt.

Pia gehörte vor eineinhalb Jahren schon zum Bundesliga-Kader. Dieser Schritt war damals etwas zu früh, aber über den ?Umweg? Oberliga hat sie sich wieder empfohlen. Und man darf nicht vergessen, dass Pia auch gerade erst 18 Jahre alt ist.

Die 2. Frauen hat in der Oberliga mit einer recht jungen Mannschaft die Vize-Meisterschaft geholt. Ein Ergebnis, mit dem ihr zufrieden seid?



Patrice Giron:
Ja, absolut. Wir haben volles Vertrauen in Radek Lewicki. Er kann diese jungen Spielerinnen weiterentwickeln. Wir haben in der Jugend viele weitere Talente. Daher wäre es perspektivisch wünschenswert, wenn wir den Sprung in die 3. Liga schaffen. Damit könnten wir unseren Talenten Spielpraxis auf höchstem Niveau bieten, und der Sprung in die 2. Liga wäre nicht mehr ganz so groß.

Mit Hanna Ferber-Rahnhöfer, Naomi Conze und Nina Engel gehören drei Nachwuchsspielerinnen zum Kader der U17-Nationalmannschaft, auch weitere Spielerinnen stehen beim DHB im Fokus. Wie kann der SV Werder diese Talente langfristig binden?

Patrice Giron:
Zum einen dadurch, dass der Handball hier im Verein einen hohen Stellenwert hat und breite Unterstützung erfährt. Das zeigt sich nicht nur in den infrastrukturellen und den finanziellen Möglichkeiten, die uns der Gesamtverein gibt, sondern auch dadurch, dass unser Präsident und Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald und zum Beispiel auch Ehrenspielführer Dieter Eilts oder weitere Vertreter aus den Gremien und Abteilungen regelmäßig bei uns in der Halle sind.

Ich denke es ist "cool", wenn man bei Werder nicht nur zum Fußball sondern auch zum Handball geht. Außerdem hat sich auch in der Abteilung und im Umfeld zuletzt vieles weiterentwickelt. Wir konnten unsere Zuschauerzahlen bei den Zweitliga-Spielen steigern und liegen durchschnittlich bei mehr als 300 Besuchern.

Wir haben mit Dominic Buttig einen hauptamtlichen Trainer, der auch an der Sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße das Frühtraining leitet. So werden die Spielerinnen einheitlich in der Partnerschule, der A-Jugend und in der 2. Liga gefördert und wir können Belastung und Entwicklung optimal steuern.

Auch im physiotherapeutischen Bereich sind wir sehr gut aufgestellt, die jungen Spielerinnen werden bei uns also rundum versorgt. Und zuletzt hört unsere Förderung am Ende der Jugend eben nicht einfach auf, sondern wir arbeiten daran, diese Talente tatsächlich in unser Bundesligateam zu integrieren - wie man an der Kaderzusammenstellung erkennt.

Die A-Jugend hat noch die Chance auf die Qualifikation zur Bundesliga. Wie wichtig wäre die Teilnahme daran?

Patrice Giron:
Die A-Jugend Bundesliga ist für jede junge Spielerin ein Motivationsschub. Eine Qualifikation würde unsere sehr gute Arbeit in der Jugend unterstreichen und auch das HBF-Jugendzertifikat stützen. Aktuell wird die A-Jugend-Bundesliga in einer ersten Phase in einer Gruppe mit drei Teams ausgetragen, das wären vier zusätzliche Spiele neben der Oberliga, danach folgt eine weitere Runde mit drei Spielen.

Für unsere Spielerinnen ist es interessant sich auf diesem Niveau zum Beispiel mit anderen Spielerinnen aus der DHB-Auswahl zu messen. Die Kombination aus der weiteren Spielpraxis in unserer 2. Mannschaft und der Trainingspraxis in der 1. Mannschaft runden das Entwicklungskonzept ab.

Kann es Werder mittlerweile in der Jugendförderung mit Mannschaften wie dem VfL Oldenburg oder dem Buxtehuder SV aufnehmen?



Patrice Giron:
Wir sind sicher auf einem guten Weg in die richtige Richtung. Oldenburg und Buxtehude aber sind zwei große Traditionsvereine im Frauenhandball mit einer sehr guten Jugendarbeit. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir erst seit vier Jahren in der 2. Bundesliga spielen. Dafür haben wir schon sehr viel bewegt.

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir zum zweiten Mal in Folge das Jugendzertifikat der HBF erhalten zu haben, aber wir sind erst am Anfang unserer Reise. Wir wollen mit unserem guten, authentischen und verlässlichen Konzept punkten und die Talente davon überzeugen, wie toll es ist, das Werder-Trikot überzuziehen.

Auch in der C- und B-Jugend wird gut gearbeitet, beide Mannschaften spielten eine gute Rolle in der Oberliga. Und auch der Einsatz von Spielerinnen im nächsthöheren Jahrgang hat sich offensichtlich bewährt. Wird dieses Konzept beibehalten?

Patrice Giron:
Ja, dieses Konzept ist schlüssig und ergibt absolut Sinn. Für die Umsetzung ist ein enger Austausch zwischen den Trainern und Mannschaften wichtig. Wir müssen konzeptionell arbeiten und unsere Werder-Identität einheitlich in alle Mannschaften tragen.

Der Breitensport soll aber keinesfalls zu kurz kommen ...

Patrice Giron:
Er ist die Basis und neben dem Leistungssport die zweite wichtige Säule der Abteilung. Wir bieten Handball für alle. Jeder, der bei Werder Handball spielen möchte, ist in der Abteilung willkommen. Und der Abteilungsvorstand achtet sehr genau darauf, dass es bei diesen beiden Säulen kein Ungleichgewicht gibt.

Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Patrice Giron:
Wir wollen in Bremen noch präsenter sein, noch mehr Leute ansprechen und zeigen, dass es hier Bundesliga-Handball gibt. Außerdem stoßen wir in unserer Arbeit immer wieder an räumliche Grenzen in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle, könnten zum Beispiel einen Aufenthaltsraum gebrauchen, um für Jugend-Spielerinnen, die außerhalb von Bremen wohnen, einen Ort zu schaffen, an dem sie auch mal die Zeit zwischen Schule und Training überbrücken können.

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