28.05.2019 16:00 Uhr - DHB-Pokal - Julia Nikoleit

"Ich gehe natürlich mit einem weinenden Auge": Julia Behnke im Interview

Julia Behnke (Mitte) steht mit dem DHB-Team vor wichtigen SpielenJulia Behnke (Mitte) steht mit dem DHB-Team vor wichtigen Spielen
Quelle: Marco Wolf


Beim OLYMP Final4 absolvierte die Kreisläuferin ihr letztes Spiel im Trikot der TuS MetzingenBeim OLYMP Final4 absolvierte die Kreisläuferin ihr letztes Spiel im Trikot der TuS Metzingen
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Beim OLYMP Final4 absolvierte Julia Behnke am vergangenen Wochenende ihr letztes Spiel im Trikot der TuS Metzingen. Die Kreisläuferin wechselt zum russischen Champions-League-Teilnehmer Rostov-Don. Nach dem erfolgreichen Spiel um den dritten Platz sprach Behnke jedoch nicht nur über ihren Abschied von den TusSies und die neue Herausforderung in Russland, sondern auch die anstehenden WM-Playoffs mit der Nationalmannschaft...

Julia, wie zufrieden bist du nach dem dritten Platz beim OLYMP Final4?

Julia Behnke:
Man hat im Halbfinale gesehen, dass Thüringen mit zehn Toren schon deutlich überlegen war - und das, wenn man es Revue passieren lässt, auch zu Recht. Sie haben ein sehr, sehr gutes Spiel über 60 Minuten gemacht und wir waren letztendlich chancenlos. Daher sind sie zu Recht ins Finale eingezogen.

Dass wir gegen Halle einen so souveränen Sieg hinlegen und uns als Mannschaft noch einmal aufgerafft haben, ist nicht selbstverständlich. Das war jedoch unser Ziel und deshalb bin ich nun umso stolzer, dass wir das geschafft haben,

Ihr seid Dritter in der Liga geworden und nun auch Dritter im DHB-Pokal. Was fehlt der TuS Metzingen noch zu den beiden Mannschaften, die vor euch standen?

Julia Behnke:
Auf jeden Fall die Konstanz. Wenn eine Spielerin einen schwachen Tag hatte, war es leider so, dass wir es nicht geschafft haben, uns dort gemeinsam rauszuziehen. Wir waren dann eher im Kollektiv schwach. Wir sind jedoch eine Mannschaft, die über die Gemeinschaft kommen muss und das haben wir leider in den engen Spielen nicht geschafft.

Rückblickend können wir dennoch sehr stolz sein - gerade, wenn man das mit der Saison davor vergleicht. Wir haben noch einmal einen guten Schritt nach vorne gemacht. Letztendlich waren Thüringen und Bietigheim dieses Jahr beide besser und deshalb ist der dritte Platz absolut zufriedenstellend.

Wie hast du die Atmosphäre in Stuttgart erlebt?

Julia Behnke:
Es herrschte eine tolle Atmosphäre, es waren auch bei unserem Spiel schon knapp 3.000 Leute in der Halle. Es waren eine gute Stimmung und eine schöne Halle, es macht Spaß, dort zu spielen. Als Sportler freut man sich, wenn das Publikum da ist - egal, für wen es ist, Hauptsache, es ist laut. Auf unseren TusSies-Fanblock konnte man sich die ganze Saison verlassen und dass sie uns so lautstark unterstützt haben, ist der Hammer.

Für dich war das Spiel um den dritten Platz dein letzter Auftritt im Trikot der TusSies. Was ging dir durch den Kopf, als ihr nach dem Spiel bei den Fans entlanggegangen seid?

Julia Behnke:
Ich gehe natürlich mit einem weinenden Auge, ich hatte hier eine tolle Zeit. Trotzdem habe ich mich auch gefreut, denn ich hatte immer die Unterstützung in den fünf Jahren. Daher war es ein freudiges Gefühl, noch einmal auflaufen zu dürfen.

Wie weit sind deine Umzugspläne vorangeschritten?

Julia Behnke:
Meine Wohnung ist schon leer und abgegeben, ich reise nur mit Klamotten nach Russland (schmunzelt). Ich bin gespannt! Demnächst müsste mein Visum eintreffen, dann kann ich die weiteren Pläne machen. Mitte Juli geht es dann los.

Wir wollen den Schritt machen.




Bevor es nach Russland geht, stehen mit der Nationalmannschaft noch zwei Länderspiele an. Was bedeuten diese Spiele für euch?

Julia Behnke:
Für uns sind die beiden Spiele natürlich enorm wichtig. Unser Ziel ist es, zur WM zu kommen, da brauchen wir auf jeden Fall die Punkte. Wenn man auf unser letztes Jahr bei der Nationalmannschaft zurückblickt, haben wir uns deutlich weiterentwickelt und wollen dort weitermachen, wo wir aufgehört haben. Wir sind aus dem letzten Lehrgang mit einem Sieg gegen Holland nach Hause gegangen und das ist ein gutes Gefühl. Ich freue mich, denn die Mannschaft ist gewillt, sich weiterzuentwickeln und harmoniert. Da wollen wir den Schritt machen.

Seid ihr bereit für die Playoff-Spiele, in denen es um alles oder nichts geht?

Julia Behnke:
Auf jeden Fall! Das sind die Spiele, auf die man sich am meisten freut - Spiele, bei denen es um etwas geht. Ich denke, dass wir mit dem Auftakt gegen Norwegen bei der EM zeigen konnten, dass wir für eine Überraschung offen sind. Kroatien darf man jedoch nicht unterschätzen. Sie sind eine sehr, sehr gute Mannschaft und von daher müssen wir auch bereit sein.

Von 16 Spielerinnen waren zwölf beim OLYMP Final4. Wie bewertest du die Belastung?

Julia Behnke:
Die Belastung ist schon groß, aber die Mädels, die schon spielfrei hatten, müssen sich trotzdem fit halten. Wir sind hingegen noch im Rhythmus drin, unser Körper ist noch nicht runtergefahren. Die Belastung schaltet man daher aus, jetzt geht es darum, noch einmal zehn Tage den Körper anzusteuern und dann geht es in die Pause.

Und danach startet für dich das Abenteuer Russland ...

Julia Behnke:
Ich bin total gespannt und habe noch keinen Plan, was dort genau auf mich zukommt (lacht). Ich bin offen, freue mich auf die neue Herausforderung und hoffe, dass ich mich sportlich und menschlich weiterentwickeln kann.

Hast du denn die Sprache schon gelernt?

Julia Behnke:
Ein bisschen Russisch kann ich sprechen. Shenia spricht ja russisch, sie hat mit mir ein bisschen gelernt (lacht) Ich habe natürlich auch Lernbücher geschenkt bekommen. Die Mannschaftssprache wird zwar englisch sein, aber ein bisschen sprechen sollte man schon. Das lerne ich noch ...

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