27.05.2019 08:00 Uhr - DHB-Pokal - Julia Nikoleit

"Ich dachte nur: Wir haben das Ding": Emily Bölk über ihr Siegtor im Pokal und die WM-Playoffs

Emily Bölk (li.) jubelt mit Iveta Luzumova über den PokalsiegEmily Bölk (li.) jubelt mit Iveta Luzumova über den Pokalsieg
Quelle: Marco Schultz
Ihr Treffer brachte dem Thüringer HC den Pokalsieg ein: Im Endspiel des OLYMP Final4 zog Emily Bölk Sekundenbruchteile vor dem Ende aus dem linken Rückraum ab und erzielte damit den umjubelten 24:23-Siegtreffer in einem dramatischen Finale. "Es blieben nur noch wenige Sekunden, also dachte ich: Wirf einfach noch einmal auf das Tor", beschreibt die 21-Jährige die entscheidende Szene. Im Interview mit handball-world sprach die Nationalspielerin jedoch nicht nur über den Pokalsieg, sondern auch die anstehenden WM-Playoffs...

Emily, mit deinem letzten Wurf hast du euch zum Pokal geworfenen. Wie hast du diese Situation erlebt?

Emily Bölk:
Ich kann, ehrlich gesagt, nicht mal sagen, wo genau ich stand oder wie ich geworfen habe (schmunzelt). Als ich das letzte Mal auf die Uhr geguckt hatte, blieben nur noch wenige Sekunden, also dachte ich: "Wirf einfach noch einmal auf das Tor." Wenn ich nicht treffe, ist Unentschieden und Verlängerung - ansonsten konnte ja nichts passieren. Als ich dann sehe, dass er reingeht, dachte ich nur: "Wir haben das Ding!" Dann bin ich weggesprintet, über das Feld, es war einfach geil!

Ihr habt in der zweiten Hälfte zwischenzeitlich mit vier Toren hinten gelegen. Wie bewertest du diese Phase?

Emily Bölk:
Es hat natürlich mega an den Kräften gezehrt, dass man versucht und ackert und Bälle erkämpft, aber die Dinger vorne einfach nicht reinkriegt. Dinah hat wirklich ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht und Bietigheim hatte sich auch gut auf uns vorbereitet. Das, was Metzingen nicht so gut gestaltet hatte, haben sie gut gelöst: Sie sind früh und offensiv auf uns rausgekommen, Alice (Alicia Stolle, Anm. d. Red.) und ich sind nicht so gut zum Wurf gekommen wie noch im Halbfinale.

So wurde es schwieriger für uns, wir mussten härter für die Tore arbeiten und die Abwehr mehr in Bewegung bringen. Mit Kim Naidzinavicius und Luisa Schulze hatten sie natürlich auch noch zwei riesige Leute im Innenblock und Maura Visser ist sicherlich eine der besten Abwehrspielerinnen der Liga. Daher hatten sie eine stärkere Abwehr und sie haben ihren Matchplan wirklich perfekt umgesetzt. Es war ein Spiel auf Augenhöhe und am Ende haben Kampf und Glück die Entscheidung für uns gebracht.

Inwiefern ist dieser Pokalsieg nach der verpassten Meisterschaft ein versöhnlicher Saisonabschluss für euch?

Emily Bölk:
Das ist es auf jeden Fall, man darf absolut nicht meckern. Wir sind mit dem Supercup in die Saison gestartet und können sie jetzt mit einem Pokal abschließen. Klar wäre die Deutsche Meisterschaft das absolute Highlight gewesen, denn dieser Titel ist das, wofür man ein ganzes Jahr ackert und kämpft. Es ist natürlich sehr, sehr bitter für uns gelaufen, dass nur ein paar Tore entscheiden, aber so ist der Sport.

Wir haben nächstes Jahr wieder die gleiche Chance. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir einige neue Spielerinnen hatten. Es war ein neues Umfeld, eine neue Mannschaft, wir mussten uns einspielen und auf den zentralen Rollen eine neue Besetzung finden. Dafür können wir absolut zufrieden sein.

Ich habe ein gutes Gefühl und bin sicher, dass wir das WM-Ticket ziehen werden.




Nun stehen für euch die WM-Playoffs gegen Kroatien an. Wie schwierig ist es jetzt, den Schalter umzulegen - von Verein auf Nationalmannschaft?

Emily Bölk:
Nach dem Finale wollten wir den Tag und den Sieg genießen, bevor direkt der Lehrgang losgeht. Wir treffen uns am Montag um 12 Uhr in Ruit. Ich hoffe, dass wir erst einmal noch ein bisschen Regeneration haben nach den zwei echt harten Tagen, aber dann geht der volle Fokus auf die beiden Spiele. Kroatien kenne ich persönlich noch gar nicht, aber es wird kein leichter Gegner sein, vor allem auswärts nicht. Ich freue mich auch drauf, die Mädels in der Nationalmannschaft noch einmal zu sehen - und dann wollen wir gemeinsam den Weg für Japan bereiten.

Von 16 Spielern haben zwölf beim Final Four gespielt. Ist es für die Vorbereitung ein Nachteil, dass ihr jetzt dieses intensive Finalturnier in den Beinen habt?

Emily Bölk:
Nein, ich glaube nicht, denn wir sind im Modus drin. Natürlich ist es schwieriger für die Mädels aus Bietigheim, wenn man das Turnier mit einem Dämpfer abhaken muss, während wir hingegen mit Euphorie zum Lehrgang fahren können. Wir sind jedoch alle professionell genug, um zwischen Verein und Nationalmannschaft trennen zu können. Wir verstehen uns alle miteinander gut. Die Mädels können jetzt ein Nacht drüber schlafen und ab Montag stehen wir dann alle gemeinsam auf der Platte.

Wie bewertest du eure Chancen?

Emily Bölk:
Ich glaube definitiv, dass wir als Favorit in die Spiele gehen - und wir wollen die Rolle auch annehmen. Wir werden uns gut auf die Spiele vorbereiten und ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können, wo wir - vor allem bei der EM - aufgehört haben. Wir haben dort gezeigt, wozu wir in der Lage sind: Dass wir nämlich bei den Weltklasse-Mannschaften aus Europa anklopfen und sie auch schlagen können.

Wir müssen einfach noch mehr Konstanz reinkriegen. Außerdem haben wir ein, zwei Neue dabei, die müssen sich gut integrieren, aber das kriegen wir alles hin. Wir haben ja ein paar Tage Zeit. Ich habe ein gutes Gefühl und bin sicher, dass wir das Ticket ziehen werden.

Nach den beiden Länderspielen habt ihr dann erst einmal Pause. Ist dein Urlaub schon gebucht?

Emily Bölk:
Die drei, vier Wochen, die wir Pause haben, sind völlig ausgebucht (lacht). Ich werde an den Strand fahren, meine Familie besuchen und dann kurz vor der Vorbereitung die Sportschuhe wieder anziehen. Ich freue mich aber auch darauf, bis dahin den Kopf etwas frei zu kriegen - aber das erst, nachdem wir das WM.Ticket gelöst haben.

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