13.05.2019 15:11 Uhr - Champions League - Felix Buß, Wieland Berkholz

Nach Györs fünftem Triumph: Makeeva "völlig leer", für Leynaud die "perfekte Saison"

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Quelle: sportseye.de
Am vergangenen Wochenende fand im ungarischen Budapest das DELO EHF Final4 der Champions League der Frauen statt. Györ gewann bei der achten Endspiel-Teilnahme zum fünften Mal und holte den Titel dabei zum dritten Mal nacheinander. Der russische Topklub Rostov-Don, für den in der kommenden Saison Julia Behnke auf Torejagd gehen wird, verpasste nach einem Herzschlag-Finale die Verlängerung und wurde Zweiter. Kristiansand rang im Spiel um die Bronzemedaille den französischen Serienmeister Metz nieder. Die Stimmen zum Finaltag sind ein Abbild der Gefühle.

"Ich bin sehr stolz auf uns. Wir haben eine Leistung gezeigt, die eines Finales absolut würdig war. Györ hat trotzdem am Ende nicht unverdient gewonnen und ich kann nur gratulieren", wollte Rostovs Yuliya Managarova nach der Final-Niederlage mit Rostov-Don gegen Györ nicht traurig sein, sondern lieferte sofort eine Kampfansage: "Im nächsten Jahren nehmen wir einen neuen Anlauf!" Die Russinnen hatten sich nach 2018 erneut für das Endturnier in Budapest qualifiziert, vor einem Jahr waren sie Dritter. "Am Ende hatte Györ das glückliche Ende für sich", bilanzierte Kseniya Makeeva.

Ein Tor trennte Györ und Rostov beim 24:25 (11:15)-Endstand. Das Team aus Russland hatte, aufgrund einer gehörigen Steigerung in der Abwehr, in der Schlussphase eine Aufholjagd gestartet, die letztlich aber zu spät kam. Lois Abbingh hatte den Ausgleichstreffer in der Hand, sie wurde aber von der Sirene und von Kari Aalvik Grimsbø, deren Parade nicht mehr zählte, gestoppt. "Wir haben wirklich bis zum Ende alles versucht. Dann ist die Zeit gegen uns gelaufen", bedauerte Trainer Ambros Martin, der zwischen 2012 und 2018 Trainer bei Titelverteidiger Györ gewesen war.

"Rostov hat eine sehr gute Deckung gespielt", schätzte Györs Spielmacherin Stine Oftedal die Leistung des Gegners hoch ein. "Die Außenspielerinnen haben den starken Mittelblock immer wieder unterstützt und versucht unseren Rhythmus zu stören", analysierte die Kapitänin der norwegischen Nationalmannschaft, die das Spiel nach der Disqualifikation von Nycke Groot aufseiten der Lokalmatadorinnen über weite Strecken der zweiten Spielhälfte führte und zuvor ihre Explosivität auf der Halbposition eingebracht hatte. "Wir haben einige Zeit gebraucht, um dagegen gute Lösungen zu entwickeln."

Amandine Leynaud: "Heute bin ich besonders glücklich"




2018 hatte Györ das Finale in der Verlängerung gegen HC Vardar Skopje gewonnen. "Im Vergleich dazu hatten wir diesmal über weite Strecke eine gute Kontrolle über das Spiel. Als wir zu Beginn der letzten zehn Minuten mit vier Toren führten, dachte ich, dass wir damit durch seien", sprach Oftedal aber auch die vielleicht zu große Sicherheit des Favoriten an. Denn in den letzten acht Spielminuten gelang Györ kein Treffer. "Beim letzten Angriff hatte ich die Uhr nicht im Blick. Deshalb verfiel ich etwas in Hektik und musste diesen schlechten Wurf nehmen", zeigt sich die 27-Jährige selbstkritisch.

Györs Torhüterin Amandine Leynaud bilanziert nach diesem Wochenende "die perfekte Saison für mich", auch wenn Kari Aalvik Grimsbø die MVP-Ehrung erhielt. "Ich habe mit dem Team drei Titel geholt. Heute bin ich besonders glücklich, da wir sehr hart für diesen Sieg kämpfen mussten." Während die Französin noch ein Jahr Vertrag in Ungarn hat, ist die Zeit für Nora Mørk zu Ende. "In dieser Saison ging es für mich vor allem darum, meine schwere Verletzung zu überwinden. Ich fühle mich auf einem guten Weg und schlage nun in Bukarest ein neues Kapitel auf."

Während Györ, auch laut Mayssa Pessoa, den Vorteil hatte zu rotieren, während Rostov "am Kreis und im rechten Rückraum nur einfach besetzt" war, spielten auch die Halbfinal-Verlierer Metz und Kristiansand quasi mit der ersten Sieben durch. "Insgesamt war das nicht gut genug", bilanzierte Ivana Kapitanovic das Wochenende aus Sicht von Metz. "Phasenweise hatte ich das Gefühl, dass wir unser System gefunden hatten, doch dann ging es wieder bergab", beschrieb sie die zwei Gesichter, die der französische Serienmeister auch im Halbfinale gegen Rostov-Don gezeigt hatte.

Zuvorderst verantwortlich für die Niederlage von Metz im Kampf um Bronze war Kristiansands Linn Jørum-Sulland, die zehnmal traf und mit 89 Treffern die beste Werfern die abgelaufenen Champions League-Saison ist. "Ich habe mich gegen die Deckung von Metz von Beginn an richtig gut gefühlt. Wir hatten natürlich unruhige Phasen, aber das ist auf diesem Niveau normal", befand die 34 Jahre alte Routinierin, die weitere zwei Jahre für Kristiansand auf Torejagd gehen wird. "Jetzt ist es Bronze geworden und darauf können wir als Team stolz sein", freut sich die Linkshänderin über den Erfolg.