12.05.2019 12:45 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

"Eine riesige Enttäuschung" für Borussia Dortmund, VfL Oldenburg mit starkem Heimabschluss

Emotionaler Abschied für Kim BirkeEmotionaler Abschied für Kim Birke
Quelle: Thorsten Helmerichs, VfL
Die BVB Handball Damen haben das Erreichen des fünften Platzes in der Frauenhandball-Bundesliga (HBF) nach der 24:32 (12:15)-Auswärtsniederlage beim VfL Oldenburg nicht mehr in der eigenen Hand.

Danach, dass ein Sieg dafür sorgen würde, dass man das Erreichen von Platz fünf und damit noch einer Restchance auf den Europacup mit einem Sieg in Oldenburg vor dem letzten Saisonspiel in der eigenen Hand haben würde, sah es über weite Strecken der Partie nicht aus. "Das Ergebnis ist eine riesige Enttäuschung, wir haben es von der Mentalität her in Abwehr und Angriff einfach nicht hinbekommen", bemängelte BVB-Coach Gino Smits den Auftritt seiner Mannschaft.

"Das war heute ein ganz besonderes Spiel für uns. Wir wollten den scheidenden Spielerinnen einen gebührenden Abschied bescheren und das ist uns voll und ganz gelungen", strahlte Rückraumspielerin Kristina Logvin nach dem Spiel, welches ihr bisher bestes im VfL-Trikot war. "Heute ist endlich bei mir der Knoten geplatzt. Nur schade, dass es fast die ganze Saison gedauert hat. Aber nun bin ist erst einmal glücklich über meine aber auch die gute Leistung der gesamten Mannschaft die heute super gekämpft und voll konzentriert gespielt hat".

Logvin kaum zu bremsen




Die Oldenburgerinnen, in der Tabelle jenseits von Gut und Böse platziert, konnten in ihrem letzten Heimspiel der Saison befreit aufspielen und gingen schnell mit 2:0 in Führung (5.). Der VfL kam von Anfang an gut ins Spiel und präsentierte sich von Beginn an deutlich aggressiver in Abwehr als auch im Angriff als zuletzt. Speziell Logvin war von der BVB-Abwehr kaum zu bremsen. Gleichzeitig parierte Torhüterin Julia Renner bereits in den ersten vier Spielminuten gleich zwei Siebenmeter. Aber auch der neu formierte Mittelblock mit Marie Steffen und Isabelle Jongenelen konnte mehr als überzeugen. So kam es das die Gäste bis zur 6. Minute auf ein erstes Erfolgserlebnis warten mussten.

Mitte der ersten Halbzeit hatten die Gäste den Anschluss aber wiederhergestellt und gingen sogar in Führung (5:6, 12.). Die Schwarzgelben ließen in dieser Phase aufblitzen, dass ein Auswärtssieg durchaus im Bereich des möglichen lag: Immer wieder kamen die Gäste über den Oldenburger Innenblock zu Torerfolgen und packten hinten im richtigen Moment zu.

Doch dieser Zwischenstand sollte leider nur eine kurze positive Momentaufnahme bleiben. "Wir waren eigentlich nie richtig im Spiel und sind immer hinter Oldenburg hergelaufen", sagt Smits. Wohl kaum jemand hätte gedacht, dass dies die einzige Dortmunder Führung im gesamten Spiel sein sollte, denn dieses Tor sollte so etwas wie eine Initialzündung für den VfL sein. Mit einem 5:0-Lauf setzte sich das Team von Trainer Niels Bötel innerhalb weniger Minuten auf 10:6 ab. Dass sich die Gastgeberinnen nicht weiter absetzten konnten lag vor allem an BVB-Torhüterin Clara Woltering und Rückraumspielerin Dana Bleckmann.

Smits: "Treffen die falschen Entscheidungen"




"In den Phasen, in denen wir wieder ins Spiel zurückkommen können, machen wir technische Fehler und treffen die falschen Entscheidungen", beschreibt der BVB-Trainer, warum seine Schützlinge den Abstand nach dem Seitenwechsel zwar noch einmal auf zwei Treffer verkürzen (17:15, 37.), dem Spiel aber keine entscheidende Wendung mehr geben konnten: Zu häufig stimmte die Abstimmung im Deckungsverbund nicht oder die Borussinnen suchten im Angriff zu früh und überhastet den Abschluss.

Mit zunehmendem Spielverlauf war den Gästen dann anzumerken, dass der BVB eigentlich unbedingt einen Auswärtssieg benötigte, um im Saisonendspurt im Rennen zu bleiben. Bis zum 24:20 (47.) waren die Schwarzgelben noch im Spiel, fünf Minuten später hatte Oldenburg seinen Vorsprung vor einer euphorischen Kulisse dann aber auf sechs Tore ausgebaut und ließ sich diesen zum Leidwesen aller Schwarzgelben auch nicht mehr nehmen.

Dass Nachwuchsspielerin Marie Steffen an diesem Tage nicht nur im Mittelblock eine gute Figur machte, sondern auch im Angriff bewies sie wenig später, als sie einen scharfen Pass von Geschke annahm, sich gegen mehrere Dortmunderinnen durchsetzte und zum 28:21 traf. "Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass der Pass durchkommt. Umso mehr freue ich mich natürlich über das Tor", strahlte die 18-jährige nach dem Spiel. "Das war heute mannschaftlich eine sehr gute Leistung von uns. Wir haben super gekämpft und waren die ganze Zeit voll konzentriert".

Von der Linksaußenposition einspringen und dann dem Ball mit der rechten Hand so viel Drall zu geben, dass er sich unhaltbar für die Torhüterin ins Tor dreht. Keine kann das in der Bundesliga besser als Kim Birke. Und genau so wollte sie sich offensichtlich von ihren Fans aus der EWE Arena verabschieden. Am liebsten wäre sie wohl auf der Spielfeldumrandung hinter dem BVB-Tor sitzengeblieben, nachdem sie auf ihre unnachahmliche Art zum 32:23 eingeworfen hatte und vor Freude strahlte. Aber noch waren 49 Sekunden zu spielen. Ein paar erste Tränen konnte sie sich dann aber wohl doch nicht verkneifen. Es sollten aber nicht die Letzten sein, denn der emotionalste Teil des Abends stand noch bevor.

"Wir sind gut reingekommen und haben den Gegner gut beschäftigt. Das was wir uns im Training erarbeitet haben konnten wir heute gut umsetzen. Wir wollten es noch einmal allen zeigen das wir es können und das ist uns gelungen", zeigte sich auch Niels Bötel sehr zufrieden mit der Präsentation seines Teams.

Emotionale Verabschiedungen




Nach dem Schlusspfiff war das Geschehen auf dem Spielfeld aber schnell vergessen, denn nun hieß es Abschied nehmen. Zunächst wurde Mannschaftsarzt Leo Behler und seine Ehefrau Jutta nach 27 Jahren in den "Ruhestand" verabschiedet. "Ich möchte diese Zeit auf keinen Fall missen. Als Zuschauer bleibe ich auf jeden Fall", so der "Doc" nach der Verabschiedung. Für die Verabschiedung der fünf Spielerinnen Annamaria Ferenczi, Isabelle Jongenelen, Cara Hartstock, Angie Geschke und Kim Birke hatten es sich zahlreiche langjährige Weggefährten nicht nehmen lassen sich per Videobotschaft oder live in der Halle von den scheidenden Spielerinnen zu verabschieden.

So war es z. B. für den langjährigen VfL-Trainer Leszek Krowicki eine absolute Herzensangelegenheit sich per Videobotschaft von "seinen Spielerinnen", zu verabschieden. Krowicki weilt derzeit aufgrund seines Jobs als polnischer Nationaltrainer in Polen und konnte sich nicht persönlich verabschieden. Aber Krowicki war nicht der einzige langjährige Weggefährte, der die Spielerinnen verabschieden wollte. So wurde die Laudatio für Angie Geschke z. B. von Sabrina Neuendorf gehalten, an deren Zeiten im VfL-Trikot man sich in Oldenburg immer noch gerne zurückerinnert.

So richtig emotional wurde es dann bei Kim Birke. Wiebke Kethorn musste bei ihrer Laudatio für ihre langjährige Mitspielerin sichtlich mit ihren Tränen kämpfen. Dann war es an der Zeit für die VfL-Mannschaftsführerin sich zu verabschieden. Sichtlich gerührt bedankte sich Birke bei allen die sie in ihrer vierzehnjährigen Bundesligakarriere begleitet hatten. Es war sicherlich der emotionale Höhepunkt des Abends. Am Ende bat sie noch darum, dass die Zuschauer und Fans auch in Zukunft ihrer VfL weiterhin so unterstützen mögen wie sie es vierzehn Jahre lang mit ihr gemacht haben. "Alle fünf werden sportlich als auch menschlich eine Lücke beim VfL hinterlassen", so Kristina Logvin nach der Verabschiedung.