05.05.2019 12:36 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, dpa, red

"Stets an den Matchplan gehalten": Leverkusen schnuppert gegen Thüringer HC an Überraschung

Robert NijdamRobert Nijdam
Quelle: Marco Wolf
Die Handballerinnen des Thüringer HC haben sich in einer spannenden Partie mit 29:26 (13:14) gegen den TSV Bayer Leverkusen 04 durchgesetzt. Damit erhält der deutsche Meister die Chance auf den erneuten Titelgewinn weiter am Leben. Iveta Luzumova steuerte ebenso wie die deutschen Nationalspielerinnen Alicia Stolle und Emily Bölk je sieben Treffer bei.

Das Endergebnis allein mag jetzt nicht so wirklich verwundern. Hält man sich aber vor Augen, dass neben einem Quintett von nicht einsatzfähigen Spielerinnen, von dem man bereits im Vorfeld wusste, auch noch in Zivile Jurgutyte und Jennifer Rode zwei wichtige und torgefährliche Rückraumakteurinnen kurzfristig verletzungsbedingt passen mussten, erregt das "Wie" der knappen Niederlage schon Interesse.

Die knapp 1.300 Zuschauer in Nordhausen rieben sich bisweilen erstaunt die Augen, denn der verbliebene Elfen-Rumpfkader leistete nicht nur erbitterten Widerstand, sondern lag lange Zeit selbst immer wieder in Führung. Mit 5:2 führte Bayer nach acht Minuten und ließ bereits erkennen, dass man nicht gewillt war, sich einfach so in sein Schicksal zu ergeben. Als der Vorsprung der bis dahin tadellos agierenden Gäste kurz nach der ersten THC-Auszeit in der zwölften Minute durch einen Treffer von Elaine Rode sogar auf vier Tore angewachsen war (7:3), dachte manch einer vielleicht schon an eine große Überraschung.

Müller: "Erst in der zweiten Halbzeit hatten wir etwas mehr Stabilität"




Doch eine Mannschaft von solcher Qualität wie die des THC weiß auf so etwas zu reagieren, die Abwehr stand deutlich stabilier. In der 20. Minute egalisierten die Gastgeberinnen erstmals nach dem 1:1 wieder zum 8:8 und gingen kurz darauf dann auch in Führung. Doch wer nun dachte, die Elfen würden einbrechen, sah sich gewaltig getäuscht. In dieser Phase war es vor allem die druckvoll agierende Xenia Hodel in ihrem bislang besten Spiel im Bayer-Trikot, die Verantwortung übernahm, selbst erfolgreich abschloss oder ihre Kolleginnen in Szene setzte. Somit war die Pausenführung der Gäste zwar überraschend, aber gewiss nicht unverdient.

Auch nach dem Seitenwechsel ergab sich zunächst ein in etwa gleiches Bild. Leverkusen legte vor, immer wieder auf zwei Treffer, und der THC kämpfte sich wieder heran, 15:17 (39.), 17:19 (43.). Dann traf der Thüringer HC drei Mal in Folge. Nun schlugen die Elfen immer zurück und gingen tatsächlich in der 51. Minute durch Annefleur Bruggeman wieder in Führung (22:23). Viereinhalb Minuten vor dem Ende stand es noch pari (26:26), ehe der THC mit einem Kraftakt entscheidend davonzog.

"Ein großes Kompliment an Leverkusen. Wie zu erwarten war, hat sich der Sechste in der aktuellen Tabelle nicht kampflos ergeben und es uns richtig schwer gemacht. Wir hatten gehofft besser ins Spiel zu starten und hatten lange keinen Zugriff in der Abwehr", so der THC-Coach Herbert Müller, der vor allem mit den frühen Zeitstrafen gegen Josefine Huber haderte: "Bitter, dass unsere Abwehrchefin schon nach zwei Minuten mit der zweiten Zeitstrafe belastet war. Erst in der zweiten Halbzeit hatten wir etwas mehr Stabilität bekommen und letztendlich dieses knappe Spiel gewonnen", so der Coach.

"Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft, die extrem diszipliniert gespielt und sich stets an den Matchplan gehalten hat. Wir haben sehr stark verteidigt und vieles, was wir uns vorgenommen hatten, klasse umgesetzt. Diese Leistung hat mich sehr gefreut. Zudem möchte ich ausdrücklich die Top-Schiedsrichter loben, die ihr Teil dazu beigetragen haben, dass sich ein geiles Spiel entwickelt hat", resümierte Bayers Trainer Robert Nijdam, der am kommenden Sonntag (16 Uhr) mit seinem Team in der Ostermann-Arena auf die nun mit den Elfen punktgleiche HSG Blomberg-Lippe treffen wird. Der Traum von Platz fünf lebt also trotz aller Unwägbarkeiten weiter.